Niederlage in Dortmund

Niederlage in Dortmund: Lehrstunde im Fach Effektivität für RB Leipzig

Dortmund/Leipzig - Leipzig spielt bei der Niederlage in Dortmund phasenweise sehenswert - und findet sich trotzdem auf dem letzten Platz wieder. Was die Gründe dafür sind.

Von Ullrich Kroemer 28.08.2018, 08:22

Ralf Rangnick hat als Trainer von Profiteams in immerhin 23 Dienstjahren 605 Pflichtspiele verantwortet. Doch dass sich ein Ergebnis so dermaßen von der Leistung der Teams unterschied, wie bei RB Leipzigs 1:4-Pleite bei Borussia Dortmund, hatte der 60-Jährige bis zum Sonntagabend noch nicht gesehen.

„Ich kann mich nicht erinnern, dass ich schon mal ein so groteskes Spiel erlebt habe“, sagte Rangnick nach dem Ligaauftakt verblüfft. „Viel besser als in der ersten halben Stunde kann man hier nicht auftreten. Aber wir haben uns selbst um den Lohn unserer Arbeit gebracht.“

Yussuf Poulsen: „Man kann nicht sagen, dass man besser war, wenn man 1:4 verliert“

Was mit Jean-Kévin Augustins Blitz-Tor nach 31 Sekunden begann, endete als Lehrstunde im Fach Effektivität für RB Leipzig. Auch die Spieler mussten das Gefühlschaos nach dem kuriosen Spielverlauf erst ordnen. „Man kann nicht sagen, dass man besser war, wenn man 1:4 verliert“, sagte Stürmer Yussuf Poulsen. „Und doch ist es eigentlich ein ungerechtes Ergebnis.“ Interimskapitän Diego Demme befand unverblümt, dass das Resultat nach all dem Aufwand „einfach scheiße“ sei. Und doch können die Leipziger aus dieser Partie jede Menge Lehren ziehen.

Das im 4-3-3-System vorgetragene Pressing war konsequent, mutig und leidenschaftlich. Die erste halbe Stunde taugt als Lehrvideo „Rangnick-Fußball gegen spielstarke Teams“. Und auch in der zweiten Hälfte, als es 1:3 stand, Dortmund tiefer verteidigte, drängte RB mit starker Einstellung aufs Tor der Hausherren. Dass Rangnick acht neue Spieler in der Startelf aufgeboten hatte, war ebenso kein Problem. Auch die körperliche Verfassung des Teams stimmte. Rangnicks Rotationspläne gingen auf.

Doch der Schwabe und sein Team wissen auch, dass es im Fußball keine B-Note gibt. So sparte der Chefcoach nach ausführlichem Lob denn auch nicht mit Kritik. Es sind vor allem drei Punkte, die die Leipziger künftig verbessern müssen, um sich auch zu belohnen.

Abwehrverhalten im eigenen Sechzehn-Meter-Raum ist ein Manko

Erstens: Wenn man sein Powerplay mit so hohem Aufwand aufzieht wie anfangs gegen den BVB, muss das Team daraus mehr Profit schlagen. Das heißt zum einen, die vorhandenen Topchancen wie die von Augustin (28.) zu verwandeln. Und zum anderen aussichtsreiche Situationen besser in klare Torchancen umzumünzen. Sich den Gegner nur zurechtzulegen, ohne ihn zu erlegen, genügt nicht. „Sie waren schärfer vor dem Tor“, analysierte Poulsen. Denn im Gegensatz zu RB nutzte der BVB seine Gelegenheiten höchst effektiv.

Zweitens: Leipzigs junge Mannschaft hat noch immer nicht gelernt, konzentriert und aggressiv Standards und Hereingaben vor dem eigenen Tor zu verteidigen. Nach der Misere bei ruhenden Bällen in der vergangenen Spielzeit trat das Leiden in Dortmund erneut auf. „Wir haben sehr vieles richtig gemacht, wenn es ums vorwärts Verteidigen geht“, sagte Rangnick. Doch das Abwehrverhalten im eigenen Sechzehn-Meter-Raum ist nach wie vor ein Manko. „Wir waren nicht wach bei den Flanken. Die Tore nach Eingaben und Standards zählen aber auch!“, mahnte Rangnick.

Dazu zählt auch, die Hereingaben möglichst gar nicht erst zuzulassen. Wenn Dortmund das Spiel einmal breit über die Flügel anlegte, war etwa Rechtsverteidiger Lukas Klostermann nicht auf dem Posten und der Platz frei zum Flanken. Einen persönlichen Tadel von Rangnick bekam übrigens der ansonsten starke Diego Demme, der vor dem Ausgleich seinen Gegenspieler Mahmoud Dahoud hatte ziehen lassen. „Er kann Dahoud nicht laufen lassen und darauf setzen, dass er ähnlich torungefährlich in der Luft ist wie er selbst“, ärgerte sich der Fußballlehrer.

Und drittens braucht Rasenballsport noch mehr Varianten bei eigenem Ballbesitz. Als es in der zweiten Hälfte galt, einen Zwei-Tore-Rückstand aufzuholen, erspielte sich das Team zu wenig zwingende Gelegenheiten. Es war zu sehen, dass Nationalspieler Timo Werner ebenso noch Zeit braucht wie Eigentorschütze Marcel Sabitzer, der zur Pause ausgewechselt wurde.

Es bleibt also noch genügend Arbeit für Rangnick vor den beiden Heimspielen in der Euro-League-Quali gegen Luhansk (Donnerstag, 18.30 Uhr) und zum Bundesliga-Heimauftakt gegen Fortuna Düsseldorf am Sonntag.

Transfers: Lookman-Poker vor Abschluss - Rudy geht nach Schalke - Boateng für Draxler?

Das Tauziehen um Ademola Lookman steht vor einem erfolgreichen Ende. Wie der „Kicker“ in seiner Montagsausgabe berichtet, sind sich RB und der FC Everton im Ablösepoker um den englischen Flügelspieler in der vergangenen Woche deutlich näher gekommen. Die Sachsen sind mit Offerten über 14 Millionen und 16 Millionen Euro beim englischen Erstligisten abgeblitzt. Jetzt sollen sie das Angebot für die Leihe des vergangenen Winters noch einmal erhöht haben.

Der auch von RB umworbene Sebastian Rudy wechselt hingegen von Bayern München zu Schalke 04. Das bestätigte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge auf einem Medientermin am Montag in München. Der Deal sei vollzogen, bestätigte er. Rudy müsse nur noch den Medizincheck auf Schalke erfolgreich bestehen. Als Ablösesumme soll der Revierclub für den 28-Jährigen demnach rund 16 Millionen Euro bezahlen. RB war die Ablöseforderung der Bayern zu hoch.

Auch Weltmeister Jerome Boateng könnte die Bayern verlassen. Wie der „Kicker“ berichtet, habe der französische Meister Paris Saint-Germain im Gegenzug für den umworbenen Verteidiger Nationalmannschafts-Kollegen Julian Draxler angeboten. Die „Bild“-Zeitung berichtete in ihrer Montag-Ausgabe von einem angeblichen „Geheimtreffen“ von Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic mit PSG-Kollege Antero Henrique. Knackpunkt soll die Ablösesumme sein. Die Bayern sollen für Boateng um die 50 Millionen Euro verlangen. Boatengs Vertrag in München läuft noch bis 2021.

Zweitligist 1. FC Magdeburg ist vor dem Ende des Transferfensters am Freitag auch noch einmal aktiv geworden. Vom Ligakonkurrenten FC Ingolstadt hat der Aufsteiger Romain Brégerie für ein Jahr ausgeliehen. Beim 1:1 zwischen dem FCM und Ingolstadt am Samstag spielte der Verteidiger nicht.  (mz/dpa)