MDR-Talk Fakt Ist!

MDR-Talk Fakt Ist! über RB Leipzig

Leipzig - Als Einstieg für den Talk über RB Leipzig hatte sich das Dresdner Fakt-Ist!-Team des MDR eine heimelige Kulisse ausgedacht: Die Diskussionsrunde begann auf der Studioterrasse bei einer inszenierten Gartenparty. Statisten grillten und kauten Würste, das EM-Spiel Slowakei gegen England lief auf einem Flatscreen, schales Bier stand auf dem ...

Von Ullrich Kroemer 21.06.2016, 09:47

Als Einstieg für den Talk über RB Leipzig hatte sich das Dresdner Fakt-Ist!-Team des MDR eine heimelige Kulisse ausgedacht: Die Diskussionsrunde begann auf der Studioterrasse bei einer inszenierten Gartenparty. Statisten grillten und kauten Würste, das EM-Spiel Slowakei gegen England lief auf einem Flatscreen, schales Bier stand auf dem Tisch.

Gemeinsam mit zwei unbeteiligten jungen Damen – ebenfalls Party-Statisten – saßen Moderatorin Almut Rudel und die Talkgäste an einer Bierbank und plauderten zum Start über die Europameisterschaft und ihre Lieblingsvereine. Besonders eilig schien es Talkerin Rudel nicht zu haben, um zum Kern des eigentlichen Themas „Erkämpft oder erkauft – wie wird Fußball erstklassig?” vorzudringen.

Geladen waren die Leipziger Fußball-Schiedsrichterin Anja Kunick, die bislang ebenso wenig durch besondere Kenntnis über RB Leipzig aufgefallen war wie Zeit-Journalist Christoph Dieckmann, der die Rolle des einzigen RB-Kritikers in der Runde einnahm. Professor Henning Zülch von der Handelshochschule Leipzig (HHL), der neben DFB-Nachwuchstrainer Frank Engel ebenfalls zu Gast war, hatte da schon fundiertere Ansichten zu bieten.

Dieckmann: RBL „Privatverein, gewachsen ohne den Humus der Stadt”

Carl-Zeiss-Jena-Fan Dieckmann kritisierte, dass RB Leipzig ein „Privatverein” sei, „ohne den Humus der Stadt gewachsen” und stellte fest, dass das zwar „legitim” sei, „aber an der Grenze des guten Geschmacks”. Dieckmann, laut eigener Aussage zum letzten Mal zu Drittliga-Zeiten intensiv journalistisch mit RB befasst, sagte: „Ich wünsche dem Projekt Erfolg, aber es gefällt mir nicht.” Punkt.

Ebenso wenig wie er verstehen könne, dass Menschen Hollywood-Filme schauen, könne er begreifen, was die Leipziger zu RBL zieht. Dass spätestens seit der WM 2006 mehr Familien und Frauen Fußballspiele besuchten, erklärte der Autor mit der „Ankunft des Fußballs im Entertainment-Sektor”. Fundierter und inhaltlicher wurde die Kritik leider nicht.

Zülch: „Hätte mich gefreut, wenn Red Bull den BVB unterstützt hätte”

Wirtschaftswissenschaftler Zülch gehörte überraschend zu den belebenden Elementen der ansonsten steifen und faden Runde. Dem Ost-Intellektuellen Dieckmann warf er vor: „Was Sie betreiben, ist Sozialromantik.” Zülch, leidenschaftlicher Fan von Borussia Dortmund, stellte die positiven Effekte des Engagements des potenten Sponsors heraus. Ehrlich sagte Zülch: „Wenn Red Bull Borussia Dortmund in der finanziell schwierigen Phase unterstützt hätte, hätte ich mich gefreut.”

Neben ganz konkreten Auswirkungen wie der Entstehung von Tausenden Arbeitsplätzen in der Verwertungskette um das Produkt Bundesliga-Fußball stellte Zülch Identifikation und Stolz heraus, den ein Bundesligist einer ganzen Region verleiht. „Der wichtigste Effekt ist der Imageeffekt für Leipzig. Die Identifikation und Liebe zur Stadt, die dadurch entsteht, kann man nicht in Geld aufwiegen.”

Nachdem ostdeutsche Klubs 25 Jahre lang die besten Talente in den Westen, Süden und Norden ziehen lassen mussten, könnten die RBL-Fans mit Stolz sagen: „Jetzt sind die anderen Klubs diejenigen, die uns die Talente liefern.”

Unterhaltsame Spitzen gegen die Moderatorin

Frank Engel findet Rasenballsport Leipzig freilich auch ganz toll und gab deshalb auch wenig überraschende Aussagen zu Protokoll wie: „Eine Stadt wie Leipzig braucht einen Erstligisten.” Und: „Jede Stadt wäre dankbar über Bundesliga-Fußball, egal, wie es zustande kommt.”

Ansatzweise neu war vielleicht höchstens der Fakt, dass Engel einst bei der RB-Gründung den Vereinsverantwortlichen geraten hatte, regionale Identifikationsfiguren mit ins Boot zu holen. Der Gedanke wurde anfangs auch umgesetzt, rückte später unter Sportdirektor Ralf Rangnick aber immer weiter in den Hintergrund.

Das unterhaltsamste an der Runde waren noch die gelegentlichen Spitzen gegen Moderatorin Rudel, die mit Fußball offenbar so wenig anfangen kann wie Dieckmann mit RB Leipzig und Zülch mit Sozialromantik. So hatte man die ganze Sendung über das Gefühl, dass sich alle irgendwie unwohl in ihrer Haut fühlen. 

Als die Stunde mit wenig Erkenntnisgewinn vorüber war, sagte Rudel erleichtert in die Runde: „Und wir gehen jetzt nochmal zum Grill und gucken, was da noch übrig geblieben ist.” Ach, MDR.