Marcel Halstenberg mit Standards

Marcel Halstenberg mit Standards: „Es war klar, dass das mein Freistoß ist”

Leipzig - RB Leipzig: RBL kommt mit Schwung aus der Winterpause und Marcel Halstenberg kann seine offensiv Qualitäten präsentieren.

Von Ullrich Kroemer 24.01.2017, 07:00
Die RB-Spieler Marcel Halstenberg, Naby Keita und Marcel Sabitzer stimmen sich ab, wer den Freistoß zum 1:0 treten darf.
Die RB-Spieler Marcel Halstenberg, Naby Keita und Marcel Sabitzer stimmen sich ab, wer den Freistoß zum 1:0 treten darf. imago sportfotodienst

Marcel Halstenberg war nach dem 3:0-Erfolg von RB Leipzig gegen Eintracht Frankfurt ein gefragter Mann. Zunächst im Gespräch mit den Journalisten in der Mixed Zone – im Leipziger Stadion der Raum zwischen den beiden Mannschaftskabinen direkt hinter dem Spielertunnel. Dort lehnte er cool an einem Pfeiler und berichtete über seine beiden Torassists in dem Spitzenspiel.

Die Erleichterung, nach den Pleiten gegen Bayern München und im Test gegen Ajax Amsterdam wieder stabil in die zweite Saisonhälfte gestartet zu sein, war auch Halstenberg deutlich anzumerken. „Es ist gut, dass wir so in die Rückrunde reingekommen sind, wir haben uns gut gefangen”, sagte er. „So kann’s weitergehen.”

RB-Abwehrspieler Marcel Halstenberg: „Es war mein Tor”

Am nächsten Vormittag analysierte der Linksverteidiger dann für das Klub-TV anhand von Fotos die wichtigsten Szenen dieses kuriosen Spiels. Die Situation beim dritten Tor, als Frankfurts Jesús Vallejo, einen Halstenberg-Schuss im eigenen Tor unterbrachte, hatte Leipzigs Außenverteidiger im Stadion gar nicht richtig mitbekommen. „Auf dem Platz hatte ich das Gefühl, es war mein Tor. Ich würde mich ärgern, wenn es nicht für mich gewertet werden würde”, sagte Halstenberg nach Abpfiff und wollte mit seiner Frau „mit einem Gläschen Wein – nichts Großes” darauf anstoßen.

1. Youssef Mohamad (1. FC Köln), 1. Spieltag 2010/11, 93 Sekunden
2. Lukas Hradecky (Eintr. Frankfurt), 17. Spieltag, 2016/17, 131 Sekunden
3. Andreas Ivanschitz (Mainz 05), 29. Spieltag 2009/10, 188 Sekunden
4. Markus Babbel (FC Bayern), 10. Spieltag, 1997/98, 193 Sekunden  
5. Naldo (Schalke 04), 15. Spieltag, 2016/17, 204 Sekunden

Tags darauf war auch dem 25-Jährigen bewusst, dass der Spanier den Ball bei seinem verunglückten Abwehrversuch selbst verwandelt hatte. „Ich glaube aber, mein Schuss wäre gegen den Pfosten gegangen und auch im Tor gelandet”, sagte „Halste” lächelnd. „Es war dennoch ein schönes Gefühl, an dem 3:0 beteiligt gewesen zu sein und die drei Punkte in der Tasche zu haben.”

Mehr noch: Auch die frühe Führung hatte Rasenballsport zu einem Großteil dem Linksfuß zu verdanken. Halstenberg sagt selbstbewusst: „Es war klar, dass das mein Freistoß ist.” Eintracht-Ersatzkeeper Heinz Lindner konnte den scharf auf die Torwartecke getretenen Ball zwar noch spektakulär parieren, doch Marvin Compper konnte ohne Mühe abstauben.

Spielt Marcel Halstenberg bald untrer Jogi Löw in der Nationalmannschaft?

Es ist auch Ausdruck von Halstenbergs gewachsenem Standing in der Mannschaft, dass dem Abwehrmann die Standards auf seiner Lieblingsposition halbrechts in Strafraumnähe diskussionslos überlassen werden. Bis auf 23 Minuten, als er gegen Hertha BSC für das Spiel beim FC Bayern geschont wurde, hat er jedes Spiel in dieser Saison komplett absolviert. Neben Innenverteidiger Willi Orban DER Dauerbrenner bei RB.

Nach seiner Ausbildung bei Hannover 96 war der athletische und akrobatische Spieler über die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund und den FC St. Pauli im August 2016 zu RB Leipzig gekommen. Zu Beginn dieser Saison war der Rotschopf aufgrund seiner Schnelligkeit sowie Schuss- und Freistoßstärke auch mit der Nationalelf in Verbindung gebracht worden. Im Gespräch mit der MZ hatte der gebürtige Niedersachse diese Ambitionen untermauert. „Ich bin jetzt in der 1. Liga, und klar würde ich gern den nächsten Schritt gehen”, hatte er nach dem Triumph gegen den BVB gesagt.

Doch danach waren seine Leistungen zwar oft solide, aber nicht so, dass sie Bundestrainer Jogi Löw hätten in Aufregung versetzen können. Doch setzt sich der zurückhaltende Halstenberg weiter mit so starken und  augenfälligen Aktionen in Szene wie gegen Frankfurt, könnte auch der Spätstarter, der kein einziges U-Länderspiel absolviert hat, noch in das Visier des Bundestrainers rücken. Hinter Jonas Hector gibt es im DFB-Team mit Allrounder Benedikt Höwedes und Youngster Yannick Gerhardt wahrlich kein Überangebot an Experten auf der Linksverteidiger-Position. (mz)