Kritik am Trainer wächst

Kritik am Trainer wächst: Wo Hasenhüttls Probleme bei RB Leipzig liegen

Leipzig - Die lautstarke Unterstützung am Sonntagmittag beim Auslaufen am Cottaweg tat Ralph Hasenhüttl gut. Um nach der 2:5-Heimpleite ein Zeichen zu setzen, hatten sich etwa 150 Fans von RB Leipzig versammelt, um dem Team zu demonstrieren, was eine Einheit ist. Der Chefcoach sagte ehrlich gerührt: „Wie wir Trainer in den letzten drei Spielen versuchen werden, noch ein paar Scheite ins Feuer zu werfen, damit es weiter lodert, so versuchen die Fans uns dabei zu ...

Von Ullrich Kroemer 24.04.2018, 10:09
RBL-Trainer Ralph Hasenhüttl nach der 2:5-Heimpleite gegen 1899 Hoffenheim.
RBL-Trainer Ralph Hasenhüttl nach der 2:5-Heimpleite gegen 1899 Hoffenheim. dpa-Zentralbild

Die lautstarke Unterstützung am Sonntagmittag beim Auslaufen am Cottaweg tat Ralph Hasenhüttl gut. Um nach der 2:5-Heimpleite ein Zeichen zu setzen, hatten sich etwa 150 Fans von RB Leipzig versammelt, um dem Team zu demonstrieren, was eine Einheit ist. Der Chefcoach sagte ehrlich gerührt: „Wie wir Trainer in den letzten drei Spielen versuchen werden, noch ein paar Scheite ins Feuer zu werfen, damit es weiter lodert, so versuchen die Fans uns dabei zu helfen.“

Doch die „Hasi“-Euphorie kippt gerade. Der Wind bläst auch dem lange unantastbaren Trainer straff ins Gesicht. Nicht nur an den digitalen und realen Fan-Stammtischen, sondern auch medial wird nun darüber diskutiert, ob der Österreicher noch der Richtige für Rasenballsport ist. Die Bild-Zeitung lehnte sich weit aus dem Fenster und titelte am Montag: „Hasenhüttl droht Leipzig-Aus“.

Hasenhüttl und RB Leipzig: Die Vertrags-Verhandlungen ruhen

Das ist erst einmal reine Spekulation ohne Faktenbasis. Zwar hatte Sportdirektor Ralf Rangnick am Samstag verkündet, dass die Vertragsgespräche vorerst ausgesetzt seien, mit Hasenhüttl ebenso wie mit Timo Werner und anderen. „Wir haben dem Trainer gesagt, dass wir die komplette Konzentration für die letzten drei Spiele brauchen“, hatte Rangnick erklärt. „Unmittelbar nach Saisonende“ werde er die Gespräche wieder „aufnehmen und die Saison insgesamt auswerten.“

Nachdem sich Hasenhüttl nach monatelangem Zaudern Anfang April dazu bekannt hatte, in Leipzig bleiben zu wollen, spielt Rangnick nun also auf Zeit. „Der Verein muss entscheiden, in welche Richtung es gehen soll“, sagte Hasenhüttl dem Kicker.

Wo Ralph Hasenhüttls Probleme bei RB Leipzig liegen

Es geht um grundsätzliche Auffassungen. Zum Beispiel, wie RB Leipzig die Flut der Gegentore künftig verhindern will. Ob die Mannschaft die Taktik nicht umsetzen könne oder ob die Taktik des Trainers die falsche sei, wurde Rangnick gefragt. Er antwortete ausweichend: „14 Gegentore in drei wichtigen Spielen – da brauchst du noch nicht einmal Fußballfachmann zu sein, um zu sehen, wo der Hebel anzusetzen ist.“ Nämlich am Defensivverhalten des gesamten Teams.

Der Ex-Stürmer Hasenhüttl steht hingegen für offensive und überraschende Formationen. Seine erste Analyse nach dem 2:5 gegen Hoffenheim lautete: „Der Knackpunkt war, dass wir in den ersten 30 Minuten kein Tor machen. Dann wäre es vielleicht in die andere Richtung gelaufen.“

RB Leipzig: Das Defensivdilemma hat viele Dimensionen

Das mag sein, ist jedoch keine Erklärung dafür, dass RB defensiv auseinanderfiel. Hasenhüttl versprach Abhilfe: „Das ist auch für mich neu, in vier Spielen 15 Tore zu kassieren. Aber ich kann versprechen, auch das Problem werden wir angehen, und wie so viele in diesem Jahr versuchen zu lösen.“

Doch das Defensivdilemma hat viele Dimensionen, die teils auch Hasenhüttl anzulasten sind. Aktuell hat der Coach bei der Wahl von Grundformationen, Personal und Taktik kein glückliches Händchen. Im Euro-League-K.o.-Spiel gegen Marseille verzichtete er zunächst auf die Leader Emil Forsberg und Willi Orban, weil beide nicht ins Fünferketten-Schema passten. Als sich die Abwehrkette dann trotz der frühen 1:0-Auswärtsführung blauäugig überlaufen ließ, griff Hasenhüttl nicht ein. In Bremen verordnete der 50-Jährige seinem Team eine Halbzeit lang Zurückhaltung, obwohl er weiß, dass seine Mannschaft diese Hinhalte-Taktik nicht beherrscht.

Hasenhüttl schraubt am Team wie ein Formel-1-Mechaniker

Gegen Hoffenheim versuchte er schließlich, mit Diego Demme und Stefan Ilsanker im defensiven Mittelfeld und einer neuen 4-2-3-1-Grundordnung für mehr Stabilität zu sorgen, was gründlich misslang. Als Naby Keita und Dayot Upamecano, die beide augenscheinlich nicht mehr angeschlagen waren, eingewechselt wurden, war das Spiel gelaufen.

Hasenhüttl tüftelt und schraubt am Teamgebilde herum wie ein Formel-1-Mechaniker an einem Motor, der aber die passende Einstellung nicht findet. Vielmehr wirkt das Team durch die immer neuen Setups verunsichert. In der vergangenen Saison hatte der Trainer – freilich ohne EC-Belastung – im Wesentlichen zwölf Spielern vertraut. So griffen die für das RB-Spiel so wichtigen Automatismen präzise ineinander wie die Zahnrädchen eines Uhrwerks.

Dieses stabile System ist Hasenhüttl irgendwo auf der Suche nach Ballbesitzfußball und Rotation abhanden gekommen. Er hat noch drei Spiele Zeit, um es wieder in den Takt zu bringen. Oder wie der Steirer sagt, die richtigen Scheite ins Feuer zu werfen.

(mz)