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Kommentar zum neuen Trainer von RB Leipzig

Kommentar zum neuen Trainer von RB Leipzig: Was passiert, wenn Rangnick scheitert?

Leipzig - Ralf Rangnick hat mehrere Monate nach einem geeigneten Trainer für RB Leipzig gesucht und schließlich trotz aller gegenteiligen Beteuerungen nur einen passenden Kandidaten gefunden: sich selbst.

Von Ullrich Kroemer 29.05.2015, 10:52
Ralf Rangnick ist seit 2012 Sportdirektor bei RB Leipzig, für die kommende Saison übernimmt er auch den Trainerposten.
Ralf Rangnick ist seit 2012 Sportdirektor bei RB Leipzig, für die kommende Saison übernimmt er auch den Trainerposten. dpa-Zentralbild

Ralf Rangnick hat mehrere Monate nach einem geeigneten Trainer für RB Leipzig gesucht und schließlich trotz aller gegenteiligen Beteuerungen nur einen passenden Kandidaten gefunden: sich selbst.

Trotz zahlreicher Absagen wurde der künftig noch mächtigere RB-Macher von Vorstandsboss Oliver Mintzlaff dennoch als 1A-Lösung vorgestellt. Was falsch ist, wie Rangnick selbst darlegte. Der Brauseklub aus Leipzig muss sich eingestehen, dass sich trotz bester finanzieller Bedingungen, idealer Trainingsvoraussetzungen und einem künftig erstligareifem und neu formierten Team kein Trainer finden ließ, der einerseits den Vorstellungen Rangnicks entsprach und andererseits nach Leipzig wechseln wollte. Statt weiter wie ein Bittsteller durch die Lande zu ziehen, zogen Rangnick & Co. kurzfristig die Reißleine. 

Klub und Sportdirektor werden bloßgestellt

Diese Rolle rückwärts ist nicht logisch und stellt den sonst so rationalen Sportdirektor und seinen strategisch agierenden Klub bloß. Offenbar sind die Images von Red Bull und Rangnick selbst so schlecht, dass kein Trainer vom Schlage eines Thomas Tuchel oder Sascha Lewandowski das Risiko eingehen wollte, zu RB Leipzig zu wechseln. Der für Geradlinigkeit und Entwicklung stehende Rangnick fuhr in der Trainerfrage monatelang auf merkwürdigem Schlängelkurs. Dass das plötzliche Umdenken offenbar durch die Aussage des Neuzugangs Willi Orban beeinflusst wurde, der nur unter der Bedingung unterschrieb, dass Rangnick auf die Trainerbank zurückkehrt, macht die Notlösung nicht seriöser.  

Wird Doppelfunktion zur Belastung?

Dazu birgt die Selbstfindungs-Entscheidung, die Rangnick offenbar innerhalb weniger Tage getroffen hatte, für RB Leipzig hohe Risiken. Was passiert, wenn Rangnick Misserfolg hat? Kann er als Alleinverantwortlicher dann auf seinen Posten als Sportdirektor zurückkehren? Wer ist das Korrektiv für Rangnick, der in Doppelfunktion keine Draufsicht mehr hat. Und belastet sich der 56-Jährige nicht selbst über die Maßen, wie vor seiner Burn-out-Erkrankung? Sicher hat RB Leipzig in Rangnick einen der besten, Aufstiegs erfahrenen Trainer hierzulande für sein ehrgeiziges Projekt gewonnen. Doch als Supermind hatte Rangnick mehr Wert für das Projekt RBL als als Chefcoach. (mz)