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Kommentar zu RB Leipzig

Kommentar zu RB Leipzig: Die Uefa ist bei der Lizenzierung in der Pflicht

Leipzig - Bevor RB Leipzig in der Champions League amtritt, ist die Uefa gefordert, die selbstfestgelegten Regeln des europäischen Fußballs durchzusetzen – im eigenen Interesse.

Von Ullrich Kroemer 09.05.2017, 07:00
Die Uefa muss die Verflechtungen bei Red Bull genau prüfen.
Die Uefa muss die Verflechtungen bei Red Bull genau prüfen. imago sportfotodienst

Daran, dass RB Leipzig die Champions League sportlich bereichern wird, besteht kein Zweifel. Ähnlich wie in dieser Saison in der Bundesliga wird Leipzigs Pressing-Gegenpressing-Fußball auch international für Furore sorgen. Doch zuvor ist die Uefa gefordert, die selbstfestgelegten Regeln des europäischen Fußballs auch durchzusetzen – im eigenen Interesse.

Es ist trotz aller Entflechtungsbemühungen zwischen Salzburg, Leipzig und Gründer Red Bull der vergangenen zwei Jahre nicht darstellbar, dass beide Teams in der aktuellen Struktur und Außendarstellung im gleichen Wettbewerb antreten. Oder wie will die Uefa einen glaubwürdigen Wettbewerb verkaufen, wenn zwei Vereine in Champions oder Europa League aufeinandertreffen würden, die nicht nur nahezu das gleiche Logo und den gleichen Hauptsponsor haben, sondern auch personell und inhaltlich nach wie vor eng verdrahtet sind. Salzburgs Vorstand Rudolf Theierl etwa ist ein enger, langjähriger Mitarbeiter und Vertrauter von Dietrich Mateschitz und Ex-Vorstand von RB Leipzig. Wie soll es so glaubwürdig sein, dass Salzburg unabhängig vom Sponsor entscheidet? 

Eine mögliche Stallorder wie in der Formel 1 wäre der Super-GAU für Europas Fußball. Ein Ausschluss von RBL, das am Wochenende mit Tausenden Fans den Aufstieg in die Champions League feierte, und Salzburg ist freilich ebenso wenig vorstellbar. Sportler und Fans dürfen nicht dafür bestraft werden, dass nicht längst wirksamere Vorkehrungen getroffen wurden, um die Integrität zu schützen.

Die Uefa sollte also durch entsprechende Auflagen und wirksame Kontrollen Sorge dafür tragen, dass beide Vereine tatsächlich unabhängig voneinander auf- und antreten. Das fängt mit dem Corporate Design an (Logos, Trikots, Webseite) geht über den Namen (Red Bull) und hört mit finanziellen und personellen Verflechtungen auf. Schließlich haben die großen Verbände durch Korruptionsaffären bereits genug Vertrauen eingebüßt. Ein Diskussion über mögliche Einflussnahme auf den Wettbewerb kann sich der Verband nicht leisten. Dazu gehört übrigens auch, die Klublizenzierung transparenter zu gestalten und nicht im Hinterzimmer zu entscheiden. (mz)