Rückkehr nach Leipzig

HSV-Torwart Rene Adler siegt bei Leipzig-Rückkehr

Leipzig - Unter den über 100 Bannern, mit denen die Fans von RB Leipzig beim Heimspiel gegen den Hamburger SV für eine friedliche Fankultur demonstrierten, war auch ein Willkommensplakat für René Adler. Der gebürtige Leipziger hatte die Stadt im Jahr 2000 verlassen, um Profifußballer zu werden und kehrte am Samstag als HSV-Keeper ...

Von Ullrich Kroemer 13.02.2017, 12:07
Zufrieden mit der Rückkehr nach Leipzig: Rene Adler.
Zufrieden mit der Rückkehr nach Leipzig: Rene Adler. imago sportfotodienst

Unter den über 100 Bannern, mit denen die Fans von RB Leipzig beim Heimspiel gegen den Hamburger SV für eine friedliche Fankultur demonstrierten, war auch ein Willkommensplakat für René Adler. Der gebürtige Leipziger hatte die Stadt im Jahr 2000 verlassen, um Profifußballer zu werden und kehrte am Samstag als HSV-Keeper zurück.

Herr Adler, haben Sie erwartet, dass das Ergebnis so klar ausfällt?
René Adler: Mit dem Ergebnis hat keiner gerechnet. Aber wir haben uns im Vorfeld schon etwas ausgerechnet, weil wir einen guten Plan mitbekommen haben. Der Trainer hat ganz klar gesagt: Wir können hier versuchen, schön zu spielen, dann werden wir hier höchstwahrscheinlich verlieren. Oder wir spielen einfach, rigoros, und dann haben wir auch die Chance zu gewinnen. So ist es gekommen. Wir freuen uns, dass der Plan aufgegangen ist. 

Was war der Schlüssel zum Erfolg?
Adler: Man weiß, dass man gar nicht erst in diese Pressingzonen von RB Leipzig hineineinspielen und ihnen so die Möglichkeit geben darf, ihr Spiel aufzuziehen, sondern rigoros in die Räume hineinspielen muss, die hinter der Abwehr entstehen. Das haben wir fantastisch gemacht. Dazu haben wir heute eine bessere Chancenverwertung gezeigt, als noch zuletzt. 

Sie hatten vor allem in der zweiten Hälfte nicht mehr viel zu tun. Haben Sie noch im Kopf, wie viele Bälle sie halten mussten?
Adler: Nein, ich weiß, dass wir 3:0 gewonnen haben. Das reicht. Wie viele Bälle ich halte, ist mir vollkommen rille. Hauptsache, wir gewinnen. Aber wir haben ja schon gegen Leverkusen und Köln gezeigt, dass wir gut verteidigen können. Jetzt haben wir gegen Leipzig nachgelegt. Das ist ja kein Zufall. 

Wie haben Sie die Rückkehr nach Leipzig persönlich empfunden?
Adler: Ich habe mich gefreut. Ich bin vor 17 Jahren losgezogen, um Bundesligaprofi zu werden. Ich hätte nicht gedacht, dass es noch einmal klappt, dass ich in Leipzig spielen darf. Darüber bin ich froh, vor allem natürlich, dass es mit einem Sieg für uns klappt – das war ein wunderschöner Tag.

Wir bewerten Sie die Szene, als Kyriakos Papadopoulos nach dem 0:1 mit hochgekrempeltem Trikot vor die Leipziger Bank gestürmt ist?
Adler: Mir hat er nur gesagt, dass er zeigen wollte, dass wir viel Krafttraining machen und dass er mehr Bizeps bei uns gekriegt hat. 

Sind Tore nach Standrads eine neue Waffe des HSV?
Adler: Es wurde auch Zeit. Wir waren was die Gefährlichkeit nach Standards angeht auf dem letzten Platz in der Bundesliga. Schlechter geht es ja nicht. (lacht) Aber im Ernst: Man kann die Dinger nur ’reinköpfen, wenn die Ecken auch gut geschlagen sind. Vielleicht geben die Erfolge etwas Rückenwind, dass man auch mit dem nötigen Selbstverständnis zum ruhenden Ball geht und das Ding reinpfeffert. Dann ist es auch für die Abnehmer einfacher. 

Ist der Spaß am Fußball beim HSV zurückgekehrt?
Adler: Natürlich spielt es sich einfacher und freier, wenn man Erfolg hat und mit Rückenwind spielen kann. Wir sind jetzt aber auch gefordert, diesen Rückenwind mitzunehmen. Das sollte der Anspruch sein. Man kann nicht jedes Spiel 3:0 gewinnen. Aber die Basics – Leidenschaft und Emotionen – sollte man in einem Bundesligaspiel immer bringen. Daran sollten wir uns messen lassen, und dann werden wir auch weiter erfolgreich sein. (mz)