RB auf Trainersuche

Fußball-2. Liga: 3:1-Sieg für RB Leipzig gegen den VfL Bochum

Leipzig - Die Webseite sport1.de hatte vermeldet, dass der derzeitige Augsburger Trainer Markus Weinzierl RB Leipzig abgesagt habe – angeblich, weil er nicht mit Rangnick zusammenarbeiten wolle.

Von Ullrich Kroemer

Leipzigs 3:1-Sieg gegen den VfL Bochum war gerade erst wenige Minuten alt, da fand auf dem Rasen eine spontane Konferenz zwischen Ralf Rangnick und Oliver Mintzlaff statt. Während viele der 32.244 Fans im Stadion die Mannschaft auf ihrer Ehrenrunde hochleben ließen, debattierten die beiden Chefstrategen von RBL heftig miteinander.

Es ging nicht etwa um die glänzende zweite Hälfte dieser Fußball-Zweitliga-Partie, in der RB den VfL Bochum komplett an die Wand gespielt hatte, sondern um die Trainersuche für die kommende Saison.

Denn noch während das Spiel lief, hatte die Webseite sport1.de vermeldet, dass der derzeitige Augsburger Trainer Markus Weinzierl RB Leipzig abgesagt habe – angeblich, weil er nicht mit Rangnick zusammenarbeiten wolle. Ein Affront gegen die Leipziger, der nach den spektakulären zweiten 45 Minuten sozusagen eine dritte Halbzeit in den Stadionkatakomben einläutete.

Wo sonst nur die Spieler von ihren Eindrücken der Partien berichten, trat RBL-Vereinsvorstand Mintzlaff aus dem Kabinentrakt vor die Mikrofone. Der 40-Jährige war spürbar entrüstet über die Meldung. Denn laut Mintzlaff sei es RB Leipzig gewesen, das Weinzierl eine Absage erteilt hatte.

„Wir haben uns tatsächlich mit Markus Weinzierl auseinandergesetzt“, bestätige Mintzlaff erstmals. „Aber vielleicht hat sein Berater Roman Grill etwas falsch verstanden, weil ich derjenige war, der ihn angerufen hat.“ Mintzlaff habe Weinzierls Manager am Freitagabend „klar und deutlich“ mitgeteilt, „dass wir nicht mit Markus Weinzierl planen und die Gespräche abbrechen“.

Augsburg ärgert „Störfeuer“

Weinzierl selbst äußerte sich kurz darauf in der ARD-Sportschau: „Ich habe mich nicht mit Leipzig beschäftigt. Ich wusste ja, dass die mich haben wollen, aber mich hat es nicht interessiert. Und deshalb habe ich mich mit Leipzig auch nicht beschäftigt. Dass sie jetzt absagen, ist neu, interessiert mich aber auch nicht.“ Auch Weinzierls Arbeitgeber FC Augsburg mischte sich ein. „Das ärgert uns, weil das permanente Störfeuer sind. RB Leipzig hätte zunächst einmal mit uns sprechen müssen“, sagte FCA-Manager Stefan Reuter.

Weshalb Zweitliga-Tabellenführer RBL dem vielumworbenen Weinzierl abgesagt haben will, blieb vage. Mintzlaff wiederholte nur: „Wir suchen eine Eins-A-Lösung auf jeder Position und haben letztlich gemeinsam beschlossen, dass wir einen anderen Weg einschlagen.“

Details wollten weder Mintzlaff, noch Sportchef Rangnick, der nicht einmal die Gespräche mit dem Augsburger Coach bestätigen wollte, preisgeben. Doch wenn sich zwei für Professionalität bekannte Parteien so widersprüchlich äußern, liegt es nahe, dass verletzte Eitelkeiten im Spiel sind.

Eine der besten zweiten Hälften dieser Saison

Dass RB gegen Bochum eine der besten zweiten Hälften dieser Saison absolvierte, geriet angesichts des Weinzierl-Wirrwarrs fast etwas aus dem Fokus. Doch dass die Rangnick-Elf nach zäher erster Hälfte wieder einmal mit Wucht, Effektivität und nötigem Glück aus der Kabine kam, ist der entscheidende Erfolgsfaktor dieser Spielzeit.

Gleich an allen drei Toren war der bisher so unglücklich agierende Massimo Bruno beteiligt. Der Italo-Belgier war bereits in der 19. Minute ins Spiel gekommen, weil sich Rani Khedira bei einem Zweikampf eine Adduktorenverletzung zugezogen hatte. Und Bruno avancierte zum Matchwinner.

Zunächst war es sein abgeblockter Schuss, der zur Vorlage für den wiedergenesenen Kapitän Dominik Kaiser wurde, der aus über 20 Metern traf (51.). Beim folgenden RB-Powerplay erzielte Spielmacher Bruno seinen Premierentreffer per Außenrist (54.) und legte per Kopf nach (63.). „Die lange Zeit ohne Tore waren schwer für mich, aber heute bin ich nach meinen beiden Toren einfach nur glücklich“, sagte der 22-Jährige.

Extramotivation durch Fragen

Trainer Rangnick hatte den Edeltechniker noch einmal extra angespornt. Auf dem Weg zurück aufs Spielfeld sei Bruno in der Pause direkt vor ihm gelaufen, berichtete der 57-Jährige. „Ich habe ihn gefragt: Wie viele Tore hast du in Anderlecht und Salzburg geschossen? Und wie viele für RB Leipzig?“ Ganz offensichtlich haben den sensiblen Offensivakteur die Fragen angespornt und nicht zusätzlich unter Druck gesetzt.

Rangnick erklärte nach der Partie: „Die zwei Tore haben uns gut getan, auch der Psyche unserer Mannschaft. Dass wir allerdings nach dem dritten Tor nicht noch etwas fürs Torverhältnis getan haben, hat mich etwas geärgert.“ Stattdessen kam Bochum noch zum Ehrentreffer per Kopf durch Anthony Losilla (88.).

Ehrengast Dietrich Mateschitz konnte dennoch zufrieden auf der Tribüne jubeln. Der Red-Bull-Gründer war erst zum zweiten Mal überhaupt im Leipziger Stadion. Nach der Partie gratulierte der 71-jährige Investor den Spielern in der Kabine und schwebte danach wieder von dannen. Öffentlich äußern mochte sich der medienscheue Multi-Milliardär nicht. Aber es hatte in und um dieses Spiel auch ohne Mateschitz-Auftritt genügend Aufreger gegeben. (mz)