Frankfurt gewinnt DFB-Pokal

Frankfurt gewinnt DFB-Pokal: RB Leipzig gewaltig unter Zeitdruck

Berlin/Leipzig - Warum der Sieg von Frankfurt über München im DFB-Pokal den Sachsen Probleme bereitet und welche Rolle Matchwinner Ante Rebic dabei spielt.

Von Ullrich Kroemer 22.05.2018, 06:00

Spätestens seit Samstagabend ist Ante Rebic in Frankfurt ein Volksheld. Nach Rebics Doppelpack im DFB-Pokalfinale (11., 82.), das Eintracht Frankfurt mit 3:1 (1:0) gegen den FC Bayern München gewann, riefen sie am Main zu Ehren des Stürmers das „Antedankfest“ aus. Geschickt, schnell und wuchtig lief der Kroate der Bayern-Abwehr auf und davon und sicherte sich einen Platz in den SGE-Geschichtsbüchern.

Dass gerade Rebic für die Sensation sorgte, hat aus Sicht von RB Leipzig nun einen doppelt bitteren Beigeschmack: Zum einen hätten sie in Leipzig zuletzt auch einen so kaltschnäuzigen Angreifer wie Rebic gebraucht. 2014/15 kickte der schlitzohrige Angreifer für ein Jahr bei RB in der zweiten Liga.

Ante Rebic verließ RB Leipzig mit Wut im Bauch

Doch Rebic, der nicht eben ein Trainings-Weltmeister war, kam mit dem damaligen Trainer Alexander Zorniger nicht zurecht und brachte es auf nur zehn Einsätze. Ein Missverständnis auf ganzer Linie. Zorniger gelang es nicht, Rebics Talente zu heben.

Das damalige Talent bockte und verließ Leipzig mit Wut im Bauch. Die Wohnung, die der Klub ihm gestellt hatte, glich nach Rebics Auszug einem Schlachtfeld. „Viele haben ihm unterstellt, dass er ein schwieriger Charakter ist, ein schlimmer Finger“, sagte Eintracht-Trainer Niko Kovac nun. „Aber er ist ein ganz zahmer Bursche, ein netter Kerl. Man muss nur wissen, wie man ihn anfasst, und auch mal ein Auge zudrücken.“

Zum anderen schoss der Nationalspieler RBL fast im Alleingang aus der Gruppenphase der Europa League (EL) zurück in die zweite Qualifikationsrunde. Denn durch den DFB-Pokalsieg sicherten sich die Frankfurter den EL-Direktplatz; RB rutscht als Ligasechster in die Qualifikation. Hätten die Bayern gewonnen, wäre RB direkt für die Gruppenphase ab 20. September qualifiziert gewesen und Frankfurt ohne Europapokalplatz geblieben.

Nun beginnt die Saison für die Leipziger bereits am 26. Juli. Sechs Qualifikationsspiele muss RB absolvieren, um überhaupt in die Gruppenphase zu gelangen. Bis zum EL-Finale in Baku müsste der Klub 20 Partien absolvieren. Kommt RB weit, wartet auf Leipzig eine Endlos-Saison mit 55 Pflichtspielen und mehr.

RB Leipzig muss Vorbereitungsplan umplanen

Folglich muss RB seinen Vorbereitungsplan umschmeißen und eher als geplant ins Training einsteigen. Ursprünglich war der Start für den 9. Juli vorgesehen, das Trainingslager in Seefeld hätte am 24. Juli begonnen. Doch nun überlegen sie bei RB, ob überhaupt ein Trainingslager lohnt.

Denkbar ist auch, direkt aus dem Trainingslager zu den Quali-Spielen anzureisen. Dort warten dann Gegner, deren Namen selbst eingefleischte Kenner noch nie gehört haben: KF Trakai, Dritter in Litauen; KÍ Klaksvík, Ligazweiter der Effodeildin, der färöischen Liga; oder FC Alaschkert Martuni, Zweiter in Armenien. Für Groundhopper und Liebhaber exotischer Fußballziele vielleicht eine reizvolle Reise zu Europas Fußballzwergen.

Doch Klubbosse, Team und der noch zu findende Trainer könnten auf die Ochsentour, die RB in der zweiten Augusthälfte rund um die erste Pokalrunde und den Ligastart gleich zwei englische Wochen beschert, gut verzichten. Ein RB-Fan schrieb bei Twitter, die Quali-Spiele würden in der Fanszene aufgenommen „wie Campingurlaub mit der verhassten Schwiegermutter. Mit nur einem Wohnwagen!“

Weiteres Übel des vorgezogenen Saisonstarts: Sportdirektor Ralf Rangnick, der laut Leipziger Volkszeitung nicht selbst für das Traineramt infrage kommt, und Klubboss Oliver Mintzlaff stehen noch mehr unter Zeitdruck, was Trainersuche und Kaderplanung angeht. Im Normalfall soll der neue Chefcoach mitreden dürfen. Doch die benötigten Positionen und gesuchten Typen für das RB-Spielsystem sind auch ohne Mitsprache des neuen Trainers weitgehend klar. Bislang nicht auf dem Zettel: einer wie Ante Rebic. (mz)