Auswärtspunkt in Augsburg

FC Augsburg gegen RB Leipzig: Rote Bullen mit Unentschieden zufrieden

Leipzig - Nach dem Remis von Rasenballsport Leipzig in Augsburg können die Leipziger mit dem Punktgewinn durchaus leben, trotzdem beide Teams 25 Punkte trennen.

Von Martin Henkel 04.03.2017, 14:39
Timo Werner (RB Leipzig) bejubelt sein Tor zum 1:1 Ausgleich.
Timo Werner (RB Leipzig) bejubelt sein Tor zum 1:1 Ausgleich. imago sportfotodienst

Es war die Frage des Abends, und keine kleine. Hatte RB Leipzig in Augsburg einen Punkt gewonnen. Oder zwei liegen gelassen. Die Sachsen hatten gegen den FCA am Freitagabend 2:2 (1:1) gespielt.

Immer mal waren sie dran gewesen an einer Niederlage, so wie nach dem 1:0 durch Konstantinos Stafylidis (19.) und so wie nach dem 2:2 durch Martin Hinteregger (60.), als Stafylidis sechs Minuten vor dem Ende einen Spitzwinkel-Ball an den Pfosten wuchtete.

Die Tabellenzweiten waren aber auch dran am Dreier. Timo Werner (25.) und Marvin Compper (52.) hatten die Partie gedreht, und Werner hätte das dritte einfach nur einschieben brauchen, als ihm Marcel Sabitzer kurz vor dem Ausgleich einen Ball auf den Fuß servierte, den ein Blinder getroffen hätte. Sagt man so, ist natürlich Nonsens, jeder Stürmer weiß, wie tückisch Grashalmspitzen sein können. Werner wurde vom Ball getunnelt.

FC Augsburg gegen RB Leipzig: „Wir sind nicht zufrieden“

Also? Die Antworten der Leipziger umfassten das ganze Spektrum: Frust, Zufriedenheit und Demut. Stefan Ilsanker meinte: „Das 2:2 fühlt sich an wie eine Niederlage.“

Marcel Halstenberg sagte: „Wir sind nicht zufrieden.“ Compper konnte mit dem Remis leben: „Also wir hätten gerne gewonnen, die Möglichkeit gab es. Aber wir gehen auch gerne mit dem einen Punkt nach Hause.“

Und Trainer Ralph Hasenhüttl? Sah wie immer über den Augenblick hinaus. „Es ist schade, wir hatten auch die Chance auf das 3:2. Aber meine Enttäuschung hält sich in Grenzen. Wenn wir als Aufsteiger auswärts nicht mehr mit einem Punkt leben können, dann hätten wir ein Problem.“

FC Augsburg gegen RB Leipzig: Eher Punktgewinn für die Roten Bullen

Hasenhüttl hatte natürlich das letzte Wort, so steht es ihm zu. Dementsprechend war die allgemeine Lesart des Unentschiedens: Haut schon irgendwie hin, ein Punkt auf jeden Fall gewonnen, schließlich ist ja nicht viel passiert mit Blick auf drüber und drunter in der Tabelle.

Die Bayern noch vom Thron stoßen zu können, ist eine Mediengeschichte. Intern hält man solche Überlegungen für realitätsfern. Und der Abstand auf Dortmund und Hoffenheim ist auch noch komfortabel. Alles im Rahmen also.

Zumal jeder, der das Spiel gesehen hatte, nicht umhin kam, Remis und Spielverlauf für angemessen zu halten. Augsburg nämlich war bei weitem besser gewesen als seine 25 Punkte Unterschied zum Aufsteiger.

FC Augsburg gegen RB Leipzig: Augsburger Taktik verlangt Rote Bullen alles ab

Trainer Manuel Baum hatte hinten eine Dreierkette gestellt, davor fünf Mann postiert und im Angriff mit Koo und Ji zwei Feinfüße postiert, deren Aufgabe es war, den Rammbock-Stürmer Raul Bobadilla ins Szene zu setzen.

RB hatte gut zu tun mit dieser Taktik trotz ihres dominanten Vortrages und 67 Prozent Ballbesitz. Im Mittelfeld ging nicht viel, weil es eng war und Augsburg hoch, aggressiv und lauffreudig presste.

Die Leipziger konnten nur ein Mal gelungen umschalten, als Naby Keita Werner mit einem Pass scharf wie ein Messer durch die Dreierkette hindurch zum 1:1 bediente.

FC Augsburg gegen RB Leipzig: Zufall mischt bei Torchancen kräftig mit

Ansonsten hatte der Zufall bei den Torchancen das Sagen. Stafylidis wuchtete das 1:0 aus 30 Metern in Peter Gulacsis Maschen, weil ihn Keita zuvor mit einem Querpass bedient hatte. Das 2:1 durch Compper folgte auf eine Ecke von Emil Forsberg, das 2:2 entsprang einem Pingpong-Konter der Augsburger, den bezeichnenderweise mit Hinteregger ein Abwehrspieler abschloss.

Dieser Treffer schmerzte doppelt. Einerseits, weil Leipzigs Hintermänner ihre Befreiungsschläge zwei Mal an die Körper der Gegner hauten, Willi Orban bezeichnete es am Samstag deshalb als „Slapstick-Tor“.

Und andererseits: Hinteregger, Och nö! Der Österreicher kam im Sommer von Red Bull Salzburg und stänkerte danach, lieber würde er mit dem FCA absteigen als mit RB Meister werden. Das Absaugen des Salzburger Kaders durch die Leipziger Filiale finde er, gelinde gesagt, zum Kotzen.

Hinteregger verkniff sich nach dem Spiel Kommentare, die irgendwer hätte als Hohn auslegen können. Man schied freundlich voneinander. Und war auf beiden Seiten doch recht guter Laune.

Mehr noch am Tag danach. Auslaufen am Cottaweg: Willi Orban kam noch einmal vor die Mikrofone. Wie fühlt es sich an das 2:2 einen Tag später? „Wie ein Unentschieden“, sagte der Vize-Kapitän. Und sonst so? „Wir freuen und alle, dass die Sonne scheint. Es ist ein sehr schöner Tag.“ (mz)