Die 5-Punkte-Analyse

Die 5-Punkte-Analyse: Woran es RB Leipzig derzeit fehlt

Leipzig - RB Leipzig nach Werder-Bremen-Spiel: Die 5-Punkte-Analyse beschreibt was dem Aufsteiger fehlt.

Von Ullrich Kroemer 20.03.2017, 14:00

Als Trainer Ralph Hasenhüttl am Tag nach RB Leipzigs 0:3 (0:1)-Niederlage bei Werder Bremen beantworten musste, wie es ihm und der Mannschaft gehe, antwortete der Chefcoach dies: „Den Umständen entsprechend.“ Das klang, als sei von einem Kranken die Rede. Und in gewisser Weise trifft das Bild vom Patienten auch auf den gegenwärtigen Zustand von RB Leipzig zu. Inklusive der damit verbundenen Schmerzen.

Während die vormals so kerngesunden Leipziger in der Hinrunde vor Kraft und Fitness strotzten, haben sich die Wehwehchen nach der vierten Rückrunden-Niederlage zu einem veritablen Leiden entwickelt. „Wir haben auf eine Art und Weise ein Spiel verloren, die wehtut“, sagte Hasenhüttl. Statt dem angepeilten Zwei-Punkte-Schnitt hat RB aus acht Spielen nur zehn Punkte geholt. In der Rückrunden-Tabelle rangiert Rasenballsport im unteren Mittelfeld. Fünf Symptome treten dabei aktuell zutage:

1. Die Chancenverwertung von RBL

In der guten  ersten halben Stunde gegen Werder Bremen fehlte RB Präzision und Konsequenz vor dem Tor. Timo Werner (11.), Emil Forsberg (26.) und Marcel Sabitzer mit seinem Pfostenschuss (39.) vergaben beste Chancen. „Vor dem Tor ist es nicht immer nur Glück, sondern auch die fehlende Coolness im Moment“, diagnostizierte Hasenhüttl. „Wir sind nicht mehr so frei, um das Tor mit der Selbstverständlichkeit herauszuspielen, wie es in der Hinrunde noch war.“

2. Defensive Fehler bei RBL

RB Leipzig leistete sich in der Defensive zwar nicht viele Fehler, aber die wurden zuletzt stets eiskalt bestraft. So wie bei den ersten beiden Bremer Toren, als die sonst gut funktionierende neu formierte Dreier- bzw. Fünferkette in der Abwehr nicht richtig stand, Bremens Robert Bauer flanken konnte und Stefan Ilsanker nur ungenügend auf den Fuß von Torschütze Zlatko Junuzovic abwehrte (34.).

Ebenso beim 2:0 nach einem kurz ausgeführten Freistoß, als sich Benno Schmitz von Florian Grillitsch düpieren ließ (59.).

3. RB-Probleme bei Rückständen

Nach Rückständen ist das Team derzeit nicht mehr in der Lage, sich wirksam gegen drohende Niederlagen zu stemmen. Zuletzt war es der Hasenhüttl-Elf im Januar gegen Hoffenheim geglückt, ein Spiel noch zu drehen. „Wenn du aus zwei Torschüssen zwei Tore kassierst, ist das mental nicht so einfach zu verkraften. Das ist schon ein Nackenschlag“, sagte Hasenhüttl. „Dass du da nicht locker flockig weiterspielst, ist verständlich.“

Wenn dann auch noch wie der gegen Bremen gelbgesperrte Stratege Naby Keita als Kopf des Teams fehlt, wirkt das Aufbauspiel der Leipziger zu hektisch, struktur- und ideenlos. „Wir müssen wieder eine Mentalität an den Tag legen, dass wir das schnell abschütteln und weiter nach vorn spielen“, forderte Vize-Kapitän Willi Orban.

4. Zu wenig Druck von der Bank bei RBL

Um Spiele noch auf ihre Seite zu ziehen, fehlen derzeit auch personelle Alternativen in der Offensive. Die formschwachen Davie Selke, Oliver Burke und Dominik Kaiser haben kein Selbstvertrauen, wirken abgehängt von der Stammelf. Der immens wichtige Yussuf Poulsen ist verletzt.

Längst ist der Kader nicht mehr so homogen wie in der Startphase. „Uns fehlt der Impuls, der uns ein Tor bringt. Das war anfangs besser, da haben wir oft durch Jokertore das Spiel für uns entschieden“, sagte Hasenhüttl. „Da müssen die Jungs, die ins Spiel kommen, versuchen, sich noch mehr einzubringen.“

5. RB-Spielern fehlt die Spritzigkeit im Kopf

Mit 114 gelaufenen Kilometern, davon 9,5 intensiv, waren die Leipziger gegen Bremen längst nicht so viel unterwegs wie noch in der Vorwoche gegen Wolfsburg, als Keita & Co. fast 123 Kilometer liefen. „Wir haben zwar eine gute Trainingssteuerung, aber ich denke, dass uns heute die Frische gefehlt hat“, sagte Mittelfeld-Dauerläufer Diego Demme. Und Orban ergänzte: „Es tut uns jetzt mental und körperlich gut, in die Länderspielpause zu gehen, um dann neue Energie zu sammeln.“

Nicht vorrangig körperlich, vielmehr im Kopf fehlt den Leipzigern derzeit die letzte Spritzigkeit. Der angehende Nationalspieler Werner stellte fest, dass sein Team „nicht den letzten Willen hatte, um zu gewinnen“.

Hasenhüttl verordnete jenen zwölf Kickern, die er in der Länderspielpause bei sich hat, vor allem eine ausgeruhte Behandlung. „Wir versuchen auch mit dieser Phase genauso umzugehen wie zuvor: ganz nüchtern, ganz neutral die Dinge aufzuarbeiten, um wieder in die Spur zu finden.“ Der Österreicher ist zuversichtlich, dass die aktuelle Situation sogar heilsam sein kann. „Wir brauchen diese Delle, um die Siege, die danach wieder kommen werden, richtig wertschätzen zu können.“ (mz)