„Kracher“ statt Kontinuität im Tor

Vertrags-Ärger bei den Saale Bulls: Klub muss plötzlich personell umplanen

Die Saale Bulls verpflichten mit Timo Herden einen Goalie aus der DEL2. Warum er Jakub Urbisch ersetzen wird, der erst im Februar in Halle verlängert hatte.

Von Fabian Wölfling 19.08.2022, 08:14
Goalie Timo Herden verstärkt die Saale Bulls beim Unternehmen DEL2-Aufstieg.
Goalie Timo Herden verstärkt die Saale Bulls beim Unternehmen DEL2-Aufstieg. (Foto: Imago/Kolb)

Halle (Saale)/MZ - Ende Februar, noch Mitten in der lange sehr erfolgreichen Spielzeit 2021/22, gaben die Saale Bulls eine erste wichtige Personalentscheidung bekannt. Es ging um eine Vertragsverlängerung, „Kontinuität zwischen den Pfosten“, betitelte der Eishockey-Oberligist aus Halle die Meldung.

Goalie Jakub Urbisch hatte seine Unterschrift unter einen neuen Vertrag gesetzt. Anfang Juni folgte Sebastian Albrecht, der sich gleichberechtigt mit Urbisch den Torwart-Job in den vergangenen beiden Spielzeiten geteilt hatte. Die Planungen schienen damit abgeschlossen, die Kontinuität im Tor beim Hauptrunden-Meister schien eigentlich gesichert.

Timo Herden: Vier Erstliga-Spiele für Düsseldorfer EG

Eigentlich. Am Mittwoch vermeldeten die Saale Bulls nämlich den Transfer von Timo Herden. Der ist ebenfalls Goalie und für Oberliga-Verhältnisse sogar ein überaus namhafter. In der Vita des 27-Jährigen finden sich vier DEL-Spiele für die Düsseldorfer EG und dazu 262 DEL2-Spiele. Vier Jahre stand Herden für Rosenheim zwischen den Pfosten, zuletzt war er vier Jahre bei den Bayreuth Tigers.

Als „absoluten Kracher“ bezeichnet Kai Schmitz, Sportchef der Bulls, den Transfer. „Timo Herden ist ein Top-Torwart, mit ihm haben wir einen der besten der Oberliga in unseren Reihen.“ Die Verpflichtung des ehemaligen Nachwuchsnationalspieler Herden zusätzlich zum zuverlässigen Duo Urbisch/Albrecht klingt nach ausschweifendem Luxus. In etwa so, als würde sich ein einzelner Autoliebhaber zusätzlich zu zwei Mercedes-Karossen auch noch einen Porsche in die Garage stellen.

So gestaltet sich die Lage bei den Saale Bulls aber nicht. Mit dem Transfer von Timo Herden hat sich ein Gerücht zumindest in Teilen bewahrheitet, das schon seit Wochen durch die gut vernetzte Eishockey-Gemeinschaft wabert. Da hieß es: Jakub Urbisch, gerade mal 26 Jahre alt, will nur wenige Monate nach seiner Vertragsverlängerung bei den Bulls seine Karriere beenden. Die „Kontinuität zwischen den Pfosten“ hätte sich damit erledigt.

Ärgerlich für Saale Bulls: Auch Philipp Halbauer ist plötzlich weg

Stimmt und stimmt auch wieder nicht ganz, sagt Daniel Mischner, Präsident der Saale Bulls. „Jakub Urbisch ist im Frühjahr auf uns zugekommen, mit dem Wunsch seinen Vertrag aufzulösen, weil er seine Karriere beenden will“, bestätigt der Vereinschef. „Die Torwartposition ist eine der wichtigsten im Verein. Daher haben wir reagiert und Timo Herden verpflichtet.“ Allerdings: „Inzwischen ist der Agent von Jakub Urbisch auf uns zugekommen und hat uns informiert, dass er doch weiterspielen will.“

Eine Entwicklung, die Mischner massiv ärgert. „Mit Vertragstreue ist es nicht mehr weit her“, schimpft er. Denn mit Verteidiger Philipp Halbauer hat ein weiterer Spieler seinen Rücktritt erklärt. Er hätte noch ein Jahr bei den Bulls unter Vertrag gestanden.

Verein und Spieler haben sich auf eine Auflösung des Arbeitspapiers geeinigt, nachdem sich Halbauer zur Zahlung einer finanziellen Entschädigung bereiterklärt hat. „Wir werden erstmal keinen Ersatz verpflichten, auch weil der Verteidiger-Markt gerade ziemlich leer gefegt ist“, sagt Kai Schmitz. Eine Nachverpflichtung im Saisonverlauf sei aber denkbar.

Saale Bulls: Goalie Eric Steffen geht, Jakub Urbisch wird wohl folgen

Warum sich Jakub Urbisch nach einer der stärksten Spielzeiten seiner Laufbahn, mit einer Fangquote von 92,1 Prozent war er der zweitbeste Goalie der Oberliga Nord, urplötzlich erst zum Rücktritt und dann genauso überraschend zum Rücktritt vom Rücktritt entschieden hat, bleibt offen. Auf eine Anfrage der MZ hat der Deutsch-Tscheche bis Donnerstagabend nicht reagiert.

Im Ergebnis haben die Saale Bulls nun drei namhafte Goalies unter Vertrag - die beschriebene Luxussituation. Bei der wird es aber nicht bleiben, zu teuer wäre es, diese Torwartrotation zu finanzieren. Zumal immer nur ein Goalie auf dem Eis stehen kann.

Daher wird Urbisch den Verein aller Voraussicht nach tatsächlich verlassen. „Sein Agent sucht gerade nach einem neuen Klub für ihn“, verrät Mischner. Eine Ablösesumme, wie sie im Fußball gängig ist, werden die Bulls nicht verlangen. Die würde kein interessierter Verein bezahlen, entscheidend ist, dass nicht drei Gehälter gestemmt werden müssen.

Mit Eric Steffen verlässt zudem ein weiterer Goalie den Verein. In diesem Fall aber in beidseitigem Einverständnis. Das 21-jährige Talent benötigt für seine persönliche Entwicklung mehr Spielzeit.