HFC im freien Fall

Retter mit halleschem Herzen gesucht

Sonderschicht gegen den Kaiserslautern-Frust: Julian Guttau blieb nach der Trainingseinheit der HFC-Mannschaft am Mittwoch noch einige Minuten länger auf dem Platz und schoss mit weiteren Mitspielern Bälle auf das Tor von Ersatzkeeper Tom Müller.

Der Ärger über seine Nichtnominierung für das Spiel vom Samstag (1:3) war beim Mittelfeldspieler immer noch nicht ganz verflogen: „Ich war natürlich ziemlich enttäuscht. Das ist aber ja als Fußballer ganz normal - man will schließlich spielen. Jetzt will ich aber umso mehr beweisen, dass die Entscheidung mich nicht mitzunehmen falsch war. Ich denke, ich habe mich im Training ganz gut gezeigt.“ Guttau schob eine klare Ansage hinterher: „Am Freitag gegen Uerdingen will ich wieder angreifen.“

Die prekäre sportliche Lage seines Jugendvereins, der bei einer Niederlage gegen die Krefelder auf einen Abstiegsplatz abrutschen könnte, ist für das HFC-Eigengewächs dabei keine Bürde. sondern viel mehr eine zusätzliche Motivation. „Wir brauchen jetzt dieses Erfolgserlebnis für den Verein und die Mannschaft, um wieder mehr Ruhe zu bekommen. Der Abstand auf die Abstiegsplätze ist jetzt schon sehr, sehr knapp“, weiß Guttau.

HFC: Julian Guttau leidet mit den Fans

Angesichts von nur noch drei Zählern Abstand auf die Super-Gau-Zone der dritten Fußball-Liga herrscht Unruhe. Längst hat der Klub eine Trainer-Diskussion zu managen. Gleichzeitig solidarisieren sich die Anhänger mit ihrem Verein und initiierten eine Letzte-Hemd-geben-Aktion am Erdgas Sportpark.

Die aufgeladene Stimmung rund um den HFC bekommt Guttau natürlich aus nächster Nähe mit: „Es ist traurig, dass den Fans wieder Angst und Bange werden muss, dass wir runter gehen. Wir wollen als Mannschaft alles geben, haben es selbst in der Hand.“ Er wisse wie viel den Fans an dem Verein liegt: „Man sieht ja, was sie hier auf die Beine stellen. Ich habe die Videos von den Pyro-Aktionen auf der Fahrt zum Kaiserslautern-Spiel gesehen und auch, was sie vor dem Stadion aufgehängt haben. Das ist schon geil und eine Extra-Motivation.“

Auch Niklas Kastenhofer, der dem HFC abgesehen von einem zweijährigen Jena-Jugend-Intermezzo schon seit Jahren angehört, betont seine besondere Verbundenheit zu den Rot-Weißen. „Ich denke schon, dass ich noch eine etwas andere Verbindung zu dem Verein habe. Wenn man hier aufgewachsen ist und den Klub schon seit der Regionalliga begleitet hat, dann ist das noch einmal etwas Besonderes. Aus der Mannschaft sieht aber natürlich jeder die Fan-Aktionen, wir alle wissen worum es geht, und wie viele Jobs hier am Klub hängen.“

HFC-Talente mit Extra-Motivation

Mit einem Sieg am Freitag könne wieder ein „ganz guter Abstand“ hergestellt werden, so Kastenhofer. Damit das gelingt, will der Verteidiger unbedingt helfen - nicht nur als Sprachrohr der Fans, sondern auf dem Platz. „Ich hoffe umso mehr, dass ich zeigen kann, dass ich hier hin gehöre.“

Erhört HFC-Trainer Florian Schnorrenberg das deutliche Hufescharren der Hallenser Jungs und setzt im Abstiegskampf auf den Extra-Ehrgeiz der ehemaligen HFC-Jugendspieler? Dass die mentale Verfassung im für den Trainer wohl Job entscheidenden Spiel ein wichtiger Faktor ist. das ist für Schnorrenberg klar: „Der Kopf spielt natürlich eine wichtige Rolle, gerade in einer solchen Situation, in der wir uns befinden.“

Wer schon wie lange das HFC-Wappen trägt, das ist bei den Überlegungen des Coaches in puncto Aufstellung aber nicht ausschlaggebend. „Es kommt eher darauf an, wer gerade in welcher Verfassung ist, und nicht, wer hier wie verwurzelt ist.“ Alle Spieler wüssten welche Verantwortung sie für den Klub und die vielen Arbeitsplätze haben. Letztendlich sei es ein Spagat: Wer hat die nötige Lockerheit und wer ist mit dem nötigen Ernst bei der Sache?

Beim Schnorrenberg-Debüt glänzten die Hallenser im Team

Vielleicht erinnert sich Schnorrenberg aber an seinen Einstand im „Schicksalsspiel“ für den HFC in der vergangenen Saison. In dem Duell am 31. Spieltag gegen Mannheim, waren es die Hallenser, die am 3:0-Sieg maßgeblich beteiligt waren: Toni Lindenhahn schoss das 1:0. Der ehemalige HFC-A-Junior Dennis Mast, damals als ungewohnter Sechser-Position ungemein positiv auffällig, legte das 2:0 von Terrence Boyd auf. Und das 3:0 hatte Guttau markiert.

In der Abwehr räumte Niklas Kastenhofer auf der rechten Seite kompromisslos ab. Bis auf den verletzten und als Motivator auf dem Feld schmerzlich vermissten Lindenhahn, sind die anderen Kicker noch in der Mannschaft. Dazu ist nun noch Braydon Manu gekommen, der ebenfalls ein Herz für den Klub hat. An der Saale wurde er Profi-Fußballer, hier fand er seine große Liebe, hier würde die Leihgabe von Darmstadt 98 auch gern bleiben - in der dritten Liga.

Aber alle waren zuletzt zu Zuschauern degradiert. Flügelsprinter Manu wegen seiner muskulären Oberschenkel-Verletzung. Das Trio Guttau, Mast, Kastenhofer hatte Schnorrenberg für das Spiel in Kaiserslautern wegen Formschwäche und wenig berauschender Trainingsleistungen nicht mal mit in den Reise-Bus gelassen. Jetzt wollen sie ihm beweisen, dass sie doch helfen können. (mz/Christopher Kitsche und Christoph Karpe)