Professor für Fankultur

Professor für Fankultur: Neue Strategie gegen die Niveau-Schere beim HFC

Leipzig - Harald Lange, Gründer des deutschen Institutes für Fankultur, beschäftigt sich aus soziologischer, pädagogischer und psychologischer Sicht mit Fanszenen.

03.05.2017, 08:00
HFC-Fans im Erdgas Sportpark
HFC-Fans im Erdgas Sportpark imago sportfotodienst

Harald Lange, Gründer des deutschen Institutes für Fankultur, beschäftigt sich aus soziologischer, pädagogischer und psychologischer Sicht mit Fanszenen. Der Würzburger Professor sagt: „Ein richtiger Fan würde niemals den Verein wechseln, und sich schon gar nicht einem Klub in der Nachbarstadt oder dem Lokalrivalen zuwenden.“

Harald Lange: Gewaltiger Niveauunterschied zwischen RBL und dem HFC

Dass dies doch in Mitteldeutschland zu passieren scheint, hat laut Lange mit dem gewaltigen Niveauunterschied zwischen RBL und dem HFC zu tun. Die Schere zwischen einem Drittligaklub und einem künftigem Champions-League-Teilnehmer sei so groß, „da ist ein Kategoriensprung drin, das nehmen Fans wie zwei unterschiedliche Sportarten wahr“, erklärt Lange. „Das wichtigste Motiv ist der Reiz, nationalen und internationalen Spitzenfußball sehen zu wollen“, sagt der 49-Jährige. „Fans wollen auch am Medienereignis Bundesliga oder Champions League teilhaben – gerade, wenn es vor der Haustür stattfindet.“

Zudem gewinne die Perspektive, die ein Klub seinen Fans bieten kann, an Bedeutung. „Auch beim letzten Fußballfan ist im Bewusstsein, dass es nicht mehr nur um das reine Spiel geht, sondern auch um das Spiel drumherum“, sagt Lange. Fans beobachteten deutlich intensiver als noch vor Jahren, wie ein Verein organisiert und geführt wird, welche wirtschaftlichen und sportlichen Konzepte dahinterstehen, um erfolgreich zu sein. „Das ist ein Argument, weshalb man sich bindet oder abwendet“, sagt Lange.

Problem wird noch größer

Laut dem Wissenschaftler könnte sich das Problem verschärfen. Da die aktuell Elf- bis 14-Jährigen mit RB Leipzig aufwachsen, werde es verstärkt ab 2022 einen „großen Sog nach Leipzig“ geben. „Je erfolgreicher RB wird, desto größer wird die Sogwirkung. Im Umkreis von 150 Kilometern wird alles von Rasenballsport abgegrast“, so Lange.

Als Konsequenz müsse der HFC Gegenmaßnahmen ergreifen, sich fragen: „Wen spreche ich wie an, welche PR-Strategie fahre ich dabei, wie positioniere ich den Verein und welche Perspektiven kann ich meinen Fans anbieten?“ (mz/uk)