Pfiffe der Fans, Druck von OB Wiegand

Pfiffe der Fans, Druck von OB Bernd Wiegand: HFC-Kicker wehren sich gegen Kritik von außen

Halle (Saale) - Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand macht Druck, Fans pfiffen nach der Niederlage gegen Großaspach. Der Hallesche FC muss mit Druck umgehen.

Von Fabian Wölfling 27.02.2017, 20:00

Am Morgen danach schaltete sich auch noch das Stadtoberhaupt ein. Auf seiner Internetseite äußerte sich Bernd Wiegand, der sportaffine Oberbürgermeister der Stadt Halle, am Sonntag zur Lage beim Halleschen FC nach dem 0:1 im Heimspiel gegen Großaspach. Der HFC habe „ohne Mut und Selbstvertrauen“ agiert, schrieb der OB. Es habe nach dem Rückstand an Ideen gefehlt, gefehlt habe „auch ein Torjäger“.

Der fehlende Torjäger brachte Wiegand zu seiner provokanten Grundsatzfrage: Will der HFC überhaupt aufsteigen? Für ihn ist die Sache klar: Nein, will er nicht. „Es scheint, alle haben sich gut in der dritten Liga eingerichtet“, schreibt er. Als Indiz dient ihm eben die Tatsache, dass in der Winterpause kein neuer Stürmer, kein neuer Torjäger verpflichtet wurde.

HFC-Präsident Michael Schädlich: „Erwartungen verkrampfen das Team“

Aber auch Aussagen von HFC-Präsident Michael Schädlich, getätigt gegenüber der MZ vor dem Spiel gegen Großaspach. Schädlich hatte vor zu großen Erwartungen gewarnt. Durch die sei das Team „verkrampft“. Verkrampft ob der Erwartung, dass der HFC wie eine Spitzenmannschaft auftreten, den Zweitliga-Aufstieg schon in dieser Saison bewerkstelligen soll.

Immerhin: Am Montag hat der Verein neben der Drittliga-, auch die Zweitligalizenz eingereicht. Für Schädlich soll der Fokus aber dennoch darauf liegen, das vor der Saison ausgegebene Ziel von 48 Punkten schnellstmöglich zu erreichen - statt von Höherem zu träumen.

Wiegand findet das den falschen Weg. Der OB vermisst „Optimismus“, „klare Ziele“, das Streben nach sportlich Höherem. So, wie er es beim benachbarten Bundesligisten RB Leipzig beobachtet hat. Deren Boss Oliver Mintzlaff hatte, ebenfalls in der MZ, erklärt, „dass sportlicher Erfolg nie schnell genug kommen“ könne. Für Wiegand die genau richtige Einstellung.

Nun könnte man das Statement des OB als Profilierungsversuch eines Politikers abtun. Nur: Alleine steht Wiegand mit seiner Kritik nicht da. Vielmehr fügte er sich ein in eine breite Masse von HFC-Fans, die sich ebenfalls am Understatement der Vereinsführung stört. Die auch, wie Wiegand, das Streben nach Höherem vermisst. Deren Erwartungshaltung, auch deren Anspruch an die Mannschaft, mit der bis dato überraschend starken Spielzeit des HFC, rapide gewachsen ist.

HFC-Fans pfeifen nach Niederlage gegen Großaspach die Mannschaft aus

So rapide, dass am Samstag nach dem Spiel gegen Großaspach sogar viele Pfiffe im Erdgas Sportpark zu vernehmen waren. Nach der wohlgemerkt ersten Punktspiel-Heimniederlage der Saison. Nach einer durchaus engagierten, wenn auch wieder mal äußerst ineffizienten Leistung des HFC. Viele Chancen wurden vergeben.

Während Trainer Rico Schmitt die Unmutsbekundungen abtat: „95 Prozent der Fans haben uns sehr gut unterstützt. Die paar Pfiffe muss man akzeptieren“, sagte er, echauffierte sich Fabian Franke beim vereinseigenen HFC-TV: „Ich glaube, die Fans sollten mal die Kirche im Dorf lassen, Realität walten lassen. Wir sind eine neu formierte Mannschaft. In der Hinrunde hat vieles geklappt. Jetzt haben wir mal ein, zwei kleine Dämpfer und dann kann ich absolut nicht verstehen, warum hier gepfiffen wird“, sagte der Abwehrmann.

HFC-Kapitän Klaus Gjasula: „Hoffentlich kehrt Ruhe ein“

Die großen Erwartungen von den Fans, von Außenstehenden, wie Wiegand, sie beschäftigen die Mannschaft. Sie hemmen sie auch. Kapitän Klaus Gjasula hoffte daher nach der Niederlage gegen Großaspach: „Vielleicht kehrt jetzt ein wenig Ruhe ein und keiner redet mehr über die vorderen Plätze. Damit sich die Mannschaft auf die einzelnen Spiele konzentrieren kann.“ Und sich nicht mehr mit der großen Erwartungshaltung auseinandersetzen muss.

(mz)