HFC-Sportdirektor im Interview

HFC-Sportdirektor im Interview: Stefan Böger sucht jugendliche Wucht

Halle (Saale) - Sportdirektor Stefan Böger erklärt im Interview, wie der Kader für die kommende Saison aussehen soll und was er für die letzten Spiele erwartet.

Von Christoph Karpe 27.04.2017, 06:23

Am Mittwoch gab der Hallesche FC bekannt, mit welchen Spielern er nicht mehr für die nächste Drittliga-Saison plant. Über die sich daraus ergebenden Konsequenzen und über die aktuelle sportliche Situation vor dem Derby am Sonnabend gegen Magdeburg, darüber gab Sportdirektor Stefan Böger Auskunft.

Dass bei einigen Spielern die Verträge nicht verlängert wurden, ist nachvollziehbar. Aber warum wird Florian Brügmann, der immer prima Leistungen gezeigt hat, weggeschickt?
Böger: Wir schicken niemanden weg. Es gibt Vertragslaufzeiten. Und wenn Verträge enden, kann und muss man sich mit ihnen auseinander setzen. Gegen Florian hat nichts gesprochen. Aber er bekam kein neues Angebot, weil wir beim neuen Kader das Gesamtkonzept, die Altersstruktur und die Anforderungen auf den einzelnen Positionen berücksichtigen müssen.

Wie sieht das spielerische Konzept für die kommende Saison aus?
Böger: Es geht uns dann in der Spielanlage noch mehr um Wucht, Tempo, Robustheit - auch um Größe der Profis. Und wir müssen die U-23-Regel berücksichtigen. In diesem Bereich suchen wir nach Qualität, nach Spielern wie Marvin Ajani, nach jungen Profis, die aus dem Stand dritte Liga spielen können.

Das klingt danach, dass der HFC nach jungen Spielern in der Regionalliga sucht. Welche Klubs sind interessant?
Böger: Generell sind die zweiten Mannschaften von Profiklubs interessant. Also etwa von RB Leipzig, Hamburger SV oder Wolfsburg. Aber auch Saarbrücken und Cottbus. Wir schauen uns überall um.

Auf welchen Positionen soll die Mannschaft verstärkt werden?
Böger: Wir suchen Spieler für die Offensive, die Geschwindigkeit und Dynamik mitbringen. Wir suchen für die Zentrale nach frischem Blut, nach Spielern, die an der Seite von Klaus Gjasula und Nick Fennell wachsen können. Und wir brauchen punktuelle Verstärkungen für die Defensive, da der Zeitpunkt der Rückkehr von Fabian Franke nach seiner Achillessehnen-Operation ungewiss ist.

Werden in den nächsten Tagen bald Zugänge bekannt gegeben?
Böger: Vor Ablauf der Saison wird nichts verkündet. Die Spieler sind mit ihren Vereinen ja noch im Spielbetrieb, da wollen wir keine Unruhe erzeugen. Wir haben aber inzwischen schon einige Gespräche mit Spielern und Beratern geführt und werden das auch mit Hochdruck weiterhin tun.

Gestandene Zweitliga-Profis, die den HFC in die zweite Liga führen können, kommen nicht infrage?
Böger: Ich will zwar nicht ausschließen, dass sich eventuell etwas ergibt, aber solche Spieler sind wirtschaftlich für den HFC kaum darstellbar - und wenn sie über den Zenit sind, passen sie nicht. Fertige Spieler mit hoher Qualität werden wir nicht bezahlen können. Es ist schon jetzt so, dass die jungen Spieler, um die wir uns bemühen, auch bei anderen Vereinen im Fokus stehen. Da geht es dann ums Geld. Wir werden und können sicherlich bei einem Wettbieten nicht mitmachen.

Andere Klubs haben sich da in der Vergangenheit auch übernommen - wenn man nur mal Chemnitz nimmt, das vom Lizenzentzug bedroht ist...
Böger: Eines muss man mal sagen: Bei uns wird klasse gewirtschaftet. Unsere Zahlen sind in Ordnung, uns wurde ja auch für die zweite Liga die Wirtschaftlichkeit pro forma bestätigt - auch, weil wir nur bis zu einem gewissen Punkt mitgehen, wenn sich Klubs beim Gehalt für eine begehrten Spieler gegenseitig übertrumpfen.

Beim HFC werden aber nicht nur Spieler gesucht.
Böger: Richtig. Wir brauchen einen neuen Torwart-Trainer, suchen einen Nachwuchsleiter und warten die Entscheidung von Chefscout Gerd Schädlich ab, dessen Vertrag ausläuft. Aber das sind Themen, die wir nach der Saison angehen. Erst einmal muss die Mannschaft stehen.

Und wie steht es um Sie, gehen Sie im Sommer als U-Auswahltrainer nach China?
Böger: Es hielt sich ja in den vergangenen Wochen das Gerücht, ich hätte meinen Urlaub in China verbracht. Da staune ich. Ich habe Deutschland in diesem Zeitraum nämlich nicht verlassen. Fakt ist: Es gab eine Anfrage und es liegt seitdem kein Angebot vor. Der Prozess läuft ohne mein Zutun.

Inwieweit hat das Halbfinal-Aus im Landespokal gegen Magdeburg den finanziellen Handlungsspielraum eingeschränkt?
Böger: Sicherlich ist es dadurch bei der Spielersuche finanziell nicht leichter geworden. Aber auch sportlich ist es einfach bitter, bei der ersten Runde nur zuschauen zu müssen.

Muss man nicht überhaupt mit der schwachen Rückrunde unzufrieden sein?
Böger: Für eine Saison-Analyse ist es der falsche Zeitpunkt. Das geschieht später. Was passiert ist, kann ich nicht genau sagen. Nur: Wir haben nicht mehr die Ergebnisse der Hinrunde geliefert, damit sind wir überhaupt nicht zufrieden. Aber die Saison ist nicht zu Ende. Die letzten vier Spiele haben noch enorme Bedeutung. Es geht um den finalen Eindruck bei Fans und Sponsoren. Wir wollen uns auch nicht nachsagen lassen, wir verzerrten den Wettbewerb, weil wir es austrudeln lassen. Wir haben die verdammte Pflicht, weiterhin alles zu geben. Schließlich wollen wir immer noch den einstelligen Tabellenplatz und 48 plus x Punkte erreichen. Am besten schon am Sonnabend gegen Magdeburg. Nach zwei Niederlagen müssen wir gegen den FCM den Bock umstoßen. Ich erwarte, dass die Mannschaft alles raushaut. Nicht zuletzt brauchen wir als Management auch Argumente, um Spieler zu begeistern. Das geht mit einem achten Platz besser als mit einem 14..

Mit welchem Ziel geht der HFC in die nächste Saison?
Böger: Es soll nach vorn gehen. So sieht es unser Dreijahresplan vor. Je nachdem wo wir letztlich landen wäre dann der Kampf um Platz sechs herum der nächste Schritt.

Sextett muss gehen: HFC trennt sich von Spielern

Was sich seit Wochen angedeutet hat, ist nun perfekt: Die sechs Spieler des HFC, bei denen zum Saisonende die Verträge auslaufen, bekamen allesamt kein neues Angebot und müssen den Verein verlassen: Florian Brügmann (26/ im Verein seit 2013), Sascha Pfeffer (30/2014, Dorian Diring (25/2015), Tobias Müller (23/2015), Selim Aydemir (26/ erstmals 2009), Andre Wallenborn (22/2015). Bei Lukas Stagge, derzeit an Merseburg 99 ausgeliehen, steht die Vertragsauflösung bevor. Auch dass Torwart Tom Müller bleibt, ist unwahrscheinlich. 

Aus den A-Junioren rücken nach Martin Ludwig auch Kapitän Pascal Pannier und Justin Neumann in den Profikader. Sie bekamen einen Vertrag bis 2018. (mz)