HFC-Offensive

HFC-Offensive: Die verflixte Ladehemmung

Halle (Saale)/MZ - Die Personifizierung der Krise des Halleschen FC trug bei der 0:2-Niederlage gegen Rot-Weiß Erfurt weiße Fußballschuhe, schwarze Handschuhe und die Rückennummer 14. Timo Furuholm ist derzeit meilenweit von seiner Bestform entfernt. Gegen Erfurt verstolperte der Finne wie schon gegen Burghausen mehrere Großchancen und agierte recht ungeschickt. Zuweilen hätte man den Eindruck bekommen können, Furuholm habe die falschen Treter angezogen. Seine Gestik und Mimik auf dem Platz verrieten den Rest. Der Finne meckerte, beschwerte sich und haderte wohl mehr mit sich selbst, als mit seinen Mitspielern. Es ist gerade nicht die beste Phase des Timo ...

Von Ronny Banas
Tony Schmidt spielte gegen Rot-Weiß Erfurt als zweiter Stürmer, blieb aber glücklos.

Die Personifizierung der Krise des Halleschen FC trug bei der 0:2-Niederlage gegen Rot-Weiß Erfurt weiße Fußballschuhe, schwarze Handschuhe und die Rückennummer 14. Timo Furuholm ist derzeit meilenweit von seiner Bestform entfernt. Gegen Erfurt verstolperte der Finne wie schon gegen Burghausen mehrere Großchancen und agierte recht ungeschickt. Zuweilen hätte man den Eindruck bekommen können, Furuholm habe die falschen Treter angezogen. Seine Gestik und Mimik auf dem Platz verrieten den Rest. Der Finne meckerte, beschwerte sich und haderte wohl mehr mit sich selbst, als mit seinen Mitspielern. Es ist gerade nicht die beste Phase des Timo Furuholm.

Das wiederum scheint auf die gesamte Mannschaft auszustrahlen. Es krankt gewaltig in der Offensive des HFC. Seit dem letzten Tor im Auswärtsspiel beim MSV Duisburg sind nun 320 Minuten vergangen. Und in der Heimtabelle wird die ganze Misere deutlich: In den bisherigen zehn Auftritten im Erdgas-Sportpark schaffte der HFC ganze neun Treffer - so wenig wie kein anderes Team der dritten Liga. Mit ganzen 19 Toren insgesamt ist der Klub zweitschlechtester - Elversberg hat 17. Kein Wunder, dass die Rot-Weißen inzwischen wieder im Abstiegskampf angekommen sind.

Das allein Furuholm zuzuschreiben, wäre allerdings zu eng gegriffen. Denn Sven Köhler versuchte gegen Erfurt alles. Mit Björn Ziegenbein im offensiven Mittelfeld und Tony Schmidt im Sturm neben Furuholm warf der Trainer alles nach vorn, was bei der derzeitigen Personalsituation geht. Pierre Merkel, Robert Schick und Toni Lindenhahn sind verletzt. Dennoch blieben die Versuche, ein Tor zu schießen, eher unbeholfen.

Ziegenbein noch nicht ganz fit

Denn vor allem auch hinter den Spitzen hapert es mächtig- trotz technisch hoch veranlagter Profis. Beispiel Björn Ziegenbein: Bei seinem ersten Spiel von Beginn an nach der Verletzungspause schaffte er es noch nicht, entscheidende Akzente zu setzten. Ein Gewaltschuss aus 30 Metern war in der Summe das Gefährlichste, das Ziegenbein zustande brachte. „Ich war nach 70 Minuten einfach leer“, sagte er. Die Kraft habe einfach noch nicht gereicht. Die Entschuldigung zählt. Für ihn kam Mustapha Amari, der konnte aber in 13 Minuten nicht viel mehr ausrichten, als alle anderen. Auch Andy Gogia und Sören Bertram sind normalerweise immer wieder für ein Tor gut. Aber von Normalform scheinen auch die beiden Offensiv-Wirbler weit entfernt.

Zu beobachten ist das auch an der erschreckenden Harmlosigkeit von Eckbällen und Freistößen, für die Bertram und Gogia zuständig sind. Kaum etwas kam genau an. Köhler hat das erkannt: „Die Wahrscheinlichkeit, dass Sören Bertram gute Ecken schießt, ist nicht schlecht. Er versucht, die Bälle auf den kurzen Pfosten zu schlagen. Aber manchmal fehlen fünf oder zehn Zentimeter.“ Doch auch bei den Pässen fehlt die Präzision. Der Leidtragende ist Timo Furuholm, der über weite Strecken des Spiels in der Spitze zu versauern scheint, nicht nur wegen der Ecken.

Trainer Sven Köhler macht aus seiner Enttäuschung über Furuholms Leistungen in den letzten Spielen auch keinen Hehl. „Die Erwartungen an Timo waren immens hoch, als er wieder zu uns kam. Am Anfang hat es ja geklappt, und ihm ist es gelungen, einzuschlagen“, sagt Köhler. Und jetzt? „Auch ich hatte die Hoffnung, dass er bei dieser Quote bleibt. Aber als Stürmer hast du hin und wieder so eine Phase und es kann nur dir selbst gelingen, dich davon wieder zu befreien.“ Der verhinderte Torjäger benötigt offenbar dringend die Winterpause.

Schädlich mahnt zur Geduld

Inzwischen wird auch der Ruf nach Verstärkungen wieder lauter. Präsident Michael Schädlich weiß, dass seiner Mannschaft frisches Blut guttun würde, mahnt aber noch zur Ruhe. „Wir sollten jetzt nicht aus der Spontaneität heraus handeln. Das würde die Situation nicht wesentlich ändern. Wir müssen in Ruhe abwägen.“ Schädlich ist davon überzeugt, dass die Torflaute des HFC nicht allein ein Problem der Stürmer ist. „Die Offensive ist nicht allein Sache der Angreifer. Das fängt schon weiter hinten an“, sagt er und nimmt die ganze Mannschaft in die Pflicht. Denn auch präzise Flanken und Torvorlagen - etwa der Außenverteidiger - fehlen im Spiel des HFC dringend.