HFC gegen RB Leipzig

HFC gegen RB Leipzig: Bundesweit im Fokus

Halle/MZ - Neuzugang Nummer 14 kam gestern Mittag beim Halleschen FC an. Um die 2,20 Meter groß. Name: Hallotri. Und er ist ein alter Bekannter. Am Freitagabend beim Saisonauftakt der dritten Fußball-Liga im Erdgas Sportpark von Halle wird das Maskottchen des HFC sein Comeback feiern, nachdem es einige Zeit in der Versenkung verschwunden ...

Von Christian Elsaesser 18.07.2013, 17:56

Neuzugang Nummer 14 kam gestern Mittag beim Halleschen FC an. Um die 2,20 Meter groß. Name: Hallotri. Und er ist ein alter Bekannter. Am Freitagabend beim Saisonauftakt der dritten Fußball-Liga im Erdgas Sportpark von Halle wird das Maskottchen des HFC sein Comeback feiern, nachdem es einige Zeit in der Versenkung verschwunden war.

Einen würdigen Rahmen für dieses Comeback gibt es allemal. Die Partie gegen den mitteldeutschen Rivalen RB Leipzig ist das Eröffnungsspiel der Liga. Das Stadion wird mit rund 15 000 Zuschauern ausverkauft sein, das Fernsehen überträgt live. Und bundesweit gibt es kaum konkurrierende Fußball-Spiele. Mehr Fokus geht nicht. Nicht für den Drittliga-Fußball, nicht für den Halleschen FC als Gastgeber dieses Spektakels.

Vom Amateur- zum Profiverein

Für die Hallenser beginnt das zweite Jahr in der dritten Liga. Es wird ein entscheidendes. Nicht nur sportlich für die Mannschaft, sondern auch strukturell für den Verein, der genau an der Schwelle steht, sich vom Amateur- zum Proficlub zu wandeln. Dass die Mannschaft fast komplett ausgewechselt worden ist - 15 Spieler sind weg, 13 neue sind gekommen -, ist Beleg dafür. Ebenso der Versuch, die finanziellen Möglichkeiten langsam zu steigern. Das wird sogar in Frankfurt (Main), in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), mit Freude beobachtet. „Der Verein wirtschaftet seriös und versucht, sich über Konstanz zu etablieren“, sagt Ulf Schott, der Direktor Spielbetrieb beim Verband, im Gespräch mit der MZ.

5,5 Millionen Euro Jahres-Etat hat der Gesamtverein HFC, auf die Profi-Mannschaft entfallen etwa 3,2 Millionen Euro. Was viel klingt, ist in der dritten Liga aber eher hinteres Mittelfeld. „Wir sind wirtschaftlich limitiert“, sagt Präsident Michael Schädlich und fügt mit Blick auf die aktuellen Kaderplanungen an: „Es gibt Grenzen. Und an die sind wir gestoßen.“

Konkret heißt das: Einige Spieler, die das Team sportlich aufgewertet hätten, haben abgesagt. Bekannt geworden sind die Fälle von Marc Hensel und David Solga. Mit den beiden Zweitliga-Spielern von Erzgebirge Aue und Dynamo Dresden war sich der HFC schon fast einig. Gewechselt sind sie aber zum Chemnitzer FC und in die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund. Beide sind Liga-Konkurrenten der Hallenser. Besser betuchte Konkurrenten.

Die finanziellen Spielräume Stück für Stück zu verbessern, ist eine Sisyphusarbeit. Doch schon im vergangenen Jahr hat sich gezeigt: Durch das neue Stadion haben sich dem HFC in vielen Bereichen neue Möglichkeiten dafür erschlossen. Die Arena ist längst Rückgrat für die Entwicklung geworden. „Halle hatte im ersten Jahr einen bemerkenswerten Schnitt von 7 700 Zuschauern“, sagt Schott. Allein durch die Ticketverkäufe, die im alten Stadion bei unter 3 000 pro Spiel lagen, so eine Rechnung im Verein, sei eine Etat-Aufstockung von 800 000 bis 900 000 Euro möglich geworden.

Die Fans sind ein nicht zu unterschätzender Faktor. Als wirtschaftlicher Baustein, aber auch als Imageträger. Veranstaltungen wie das Fanforum am vergangenen Dienstag bekommen dadurch einen immensen Stellenwert.

Wegen des großen Interesses hatten die Vereinsverantwortlichen erstmals die Haupttribüne des Stadions als Veranstaltungsort ausgesucht. Unten in Reih und Glied gesammelt saßen die Neuzugänge und erklärten einer nach dem anderen ihre Ziele und warum sie sich denn für den HFC entschieden haben. Ganz am Rand der langen Reihe hörte auch Präsident Schädlich genau zu. Und hatte schließlich auch seinen Beitrag, als er aus den Reihen der Ultra-Fans gefragt wurde, warum es beim HFC für den harten Kern der Anhänger denn kein Vorkaufsrecht auf Karten gebe. Die Geschäftsstelle, argumentierte Schädlich, sei personell nicht gut genug aufgestellt für solche Aktionen. Und mit Blick auf diverse Sanktionen wegen Fan-Ausschreitungen im vergangenen Jahr sagte er: „Wir haben in der letzten Saison 25 000 Euro Strafe gezahlt. Davon hätte ich einen weiteren Mitarbeiter einstellen können.“

Michael Schädlich ist ein Mann mit großem diplomatischen Geschick. Er sagt solche Dinge nicht aggressiv, denn er sucht seit Jahren den Dialog mit den Problemgruppen unter den Fans. Unstrittig hat er dabei Erfolge erzielt. Die Fanszene in Halle gilt als deutlich gesitteter als bei vielen anderen Vereinen. Doch jeder Ausfall, das weiß der Präsident, schädigt das Image stärker, als es viele positive Auftritte verbessern könnten.

Umso schlimmer, dass schon in der Saisonvorbereitung Teile der Fans mit zwei schlimmen Aktionen auffielen. Beim Testspiel in Leipzig ging bei einer verbotenen Pyro-Choreographie ein Banner in Flammen auf. Und zuvor war ein Testspieler beim Trainingsauftakt im eigenen Stadion bepöbelt worden - nur weil er auch schon bei den Rivalen 1. FC Magdeburg und RB Leipzig unter Vertrag gestanden hatte.

Image-Pflege immer wichtiger

Gerade letzterer Fall zeigt beispielhaft den schwierigen Spagat für einen Schwellen-Verein wie den HFC. Sich selbst professionelle Strukturen zu geben, ist das eine, das Umfeld mitzunehmen, das andere.

Das Thema Image-Pflege ist deshalb hoch angesiedelt beim Halleschen FC. Und auch wenn es putzig klingt: Hallotri soll einen Teil in diesem Puzzle übernehmen. „Seit dem Umzug ins neue Stadion arbeiten wir verstärkt an dem Projekt ‚Familienfreundlicher Verein‘“, sagt Vize-Präsident Jörg Sitte. Die Einrichtung eines Familienblocks war Teil dieses Puzzles. Eine Spielecke wird hinzukommen. Und natürlich Hallotri.

Der MDR überträgt das Spiel gegen RB Leipzig ab 20.30 Uhr live.