3. Liga3. Liga: Zurück auf dem Boden

Erfurt/MZ - Anton Müller war am Sonnabend einer der ersten, die nach dem Abpfiff im Erfurter Steigerwaldstadion vom Platz in die Kabine huschten. Wortlos, mit eiserner Miene, ohne aufzuschauen ging er an den wartenden Journalisten ...

Von Ronny BAnas 28.07.2013, 20:18

Anton Müller war am Sonnabend einer der ersten, die nach dem Abpfiff im Erfurter Steigerwaldstadion vom Platz in die Kabine huschten. Wortlos, mit eiserner Miene, ohne aufzuschauen ging er an den wartenden Journalisten vorbei.

Gut möglich, dass Müller schon ahnte, welche Fragen auf ihn warteten. Bei der 0:3-Niederlage gegen Rot-Weiß Erfurt war er nicht ganz unbeteiligt daran, dass kurz vor der Pause die Vorentscheidung fiel. In einem Zweikampf mit dem Erfurter Aykut Öztürk im eigenen Strafraum ging er ein bisschen unbeholfen ans Werk und stocherte in dessen Beinen herum. Öztürk nutzte die Gelegenheit, ließ sich fallen und holte einen Elfmeter heraus. Kapitän Nils Pfingsten-Reddig verwandelte nach 36 Minuten zum 2:0. Das Spiel war entscheiden, auch wenn sich der HFC vor allem zu Beginn der zweiten Halbzeit bei fast unmenschlichen Temperaturen auf dem Platz redlich mühte.

"So etwas darf uns nicht passieren"

Vor allem über die nimmermüden Andy Gogia und Sören Bertram lief viel. Einzig ein Tor fehlte. Wieder mal. Dabei war es nicht unbedingt die Offensive, die einem zu denken gab. Die Defensive des HFC war mit der gegen RB Leipzig am ersten Spieltag nicht zu vergleichen. Der Elfmeter war schon der zweite Patzer der halleschen Hintermannschaft. Auch beim 1:0 durch Mijo Tunjic (20.) sah das alles andere als souverän aus. Tunjic war nach einem Freistoß einen Schritt schneller dem Ball entgegengegangen als Innenverteidiger Adli Lachheb und tunnelte mit seinem Schuss Schlussmann Dominik Kisiel zur Führung.

Einmal nicht richtig aufgepasst, einmal etwas zu ungestüm agiert. Zwei Tore vor der Halbzeit, die schmerzten. Denn all das, was gegen Leipzig noch gut geklappt hat, schien wie weggeblasen. Die Abwehr agierte zeitweise unsicher und wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen. Das 3:0 durch Marius Strangl (90.) war ein glänzendes Beispiel dafür, auch wenn zu diesem Zeitpunkt der eine oder andere schon mit dem Spiel abgeschlossen hatte. Die Sicherheit schien dahin, die Mannschaft wirkte in großen Teilen nervös, noch nicht eingespielt. Die bittere Realität hat den HFC eingeholt. Nach zwei Spielen stehen null Punkte und kein Tor zu Buche.

Kapitän Maik Wagefeld war einer der wenigen, die nach dem Spiel reden wollten und sprach von Geschenken, die seine Mannschaft den Erfurtern machte. „So etwas darf uns nicht passieren. Ein 0:2 holst du bei so einer Hitze nicht wieder auf, auch wenn das jetzt keine Ausrede sein soll.“ Das Wort Fehlstart wollten weder er noch einer seiner Kollegen aussprechen. Sören Bertram immerhin drückte es so aus: „Wir haben die ersten zwei Spiele verloren. Das sagt doch alles.“

Lob aus dem RB-Spiel kam wohl nicht gut an

Bertram war es auch, der sich an so etwas wie einer Analyse des Desasters wagte. „Wir sind in der ersten Halbzeit nicht bissig genug in die Zweikämpfe gegangen. Das hat uns das Genick gebrochen.“ Das stimmt zwar, kann aber allein nicht das Dilemma erklären. Es scheint überall an etwas zu fehlen, auch wenn die Leistung der Mannschaft nicht so schlecht war, wie es das Ergebnis vermuten lässt. Trainer Sven Köhler fand noch eine andere Erklärung: „Dem einen oder anderen scheint das Lob vom RB-Spiel zu Kopf gestiegen zu sein“, sagte er etwas zerknirscht.

In zwei Wochen kommt der aktuelle Tabellenführer der dritten Liga, Wehen Wiesbaden, nach Halle. Die Wiesbadener schickten am Sonnabend die Stuttgarter Kickers mit 4:0 nach Hause. Gegen den HFC dürfte eine ähnliche starke Mannschaft auflaufen. Bis dahin wartet noch eine Menge Arbeit auf Köhler und seine Truppe. Vermutlich mehr als das, was Offensivspieler Sören Bertram als Richtung vorgab: „Wir müssen gegen Wiesbaden präsenter in die Zweikämpfe gehen.“