Hallescher FC

Hallescher FC: Die große Ungewissheit

Halle (Saale)/MZ - Vor einem Fußballspiel wie dem mitteldeutschen Derby bei RB Leipzig geben sich auch beim Halleschen FC die Kamerateams die Klinke in die Hand. So auch gestern. Und weil ein erfahrener Spieler wie HFC-Kapitän Daniel Ziebig weiß, was die TV-Reporter vor diesen Prestige-Duellen für gewöhnlich hören wollen, tat er ihnen auch den Gefallen. Als sie ihn dabei filmten, wie er sich aus dem am Spielfeldrand stehenden Getränkefass etwas Erfrischendes holte, zeigte er mit dem Finger auf den Becher und meinte: „Da ist die ganze Woche Red Bull ...

Von Karl Ebert 17.12.2013, 21:50

Vor einem Fußballspiel wie dem mitteldeutschen Derby bei RB Leipzig geben sich auch beim Halleschen FC die Kamerateams die Klinke in die Hand. So auch gestern. Und weil ein erfahrener Spieler wie HFC-Kapitän Daniel Ziebig weiß, was die TV-Reporter vor diesen Prestige-Duellen für gewöhnlich hören wollen, tat er ihnen auch den Gefallen. Als sie ihn dabei filmten, wie er sich aus dem am Spielfeldrand stehenden Getränkefass etwas Erfrischendes holte, zeigte er mit dem Finger auf den Becher und meinte: „Da ist die ganze Woche Red Bull drin.“

Die Stimmung beim Fußball-Drittligisten war gelöst. Die Niederlage gegen Erfurt schien abgehakt. Jetzt freut sich jeder beim HFC auf den Jahresabschluss bei RB Leipzig, auf ein Fußball-Fest vor einer möglichst großen Kulisse. Aber von diesem Spiel hängt bei den Rot-Weißen einiges ab. Es wird darüber entscheiden, ob der Klub in die Abstiegszone rutscht, was große personelle Konsequenzen die Mannschaft betreffend nach sich ziehen dürfte: Wird der Klub auf dem Transfermarkt tätig? Wenn ja, auf welcher Position? An diesem Punkt scheiden sich die Geister. Fakt ist nur, das Budget gibt kaum Hochkaräter her.

Letzte Woche meinte Präsident Michael Schädlich, dass man „über die Kreativzone und auch über die Abteilung Attacke nachdenken muss“. Die Fans auf der Tribüne wünschen sich mehr Konkurrenzkampf im Angriff, Entlastung für den nach der Verletzung von Pierre Merkel einzig verbliebenen Stürmer Timo Furuholm, „der im Moment nicht jene Galligkeit hat, die wir von ihm kennen“, wie Ralph Kühne findet.

Der Manager selbst aber würde die Vereins-Schatulle am liebsten geschlossen halten, „weil ich meine drei, vier richtigen Verpflichtungen im Sommer tätigen will“. Doch er gibt auch zu bedenken, dass man die Tagesaktualität nicht aus dem Auge verlieren dürfe. „Wenn wir nach dem Spiel in Leipzig auf einem Abstiegsplatz stehen, sieht die Welt wieder anders aus“, gibt er zu. Trainer Sven Köhler hat unabhängig davon schon einen ganz besonderen Weihnachtswunsch. „Wenn ich die Wahl hätte, dann würde ich mir einen kreativen, defensiven Mann wünschen. Einen, der unser Spiel gestalten, aber die Truppe auch führen kann. Die ordnende Hand eines Maik Wagefeld fehlt uns“, sagt er. Der Kapitän ist seit Monaten verletzt, sein Rückkehrdatum offen.

Fakt ist, der HFC beobachtet den Spielermarkt mit Argusaugen. Neben den bereits seit längerem gehandelten Christian Beck stehen wohl auch die Stürmer Soufian Benyamina (23) vom Zweitligisten Dynamo Dresden und Benjamin Förster (24) vom Ligarivalen Chemnitzer FC auf Kühnes Beobachtungsliste. Förster hatte die Chemnitzer in der Saison 2010/11 mit 25 Toren fast im Alleingang in die dritte Liga geschossen. Auf ihn angesprochen, meint der HFC-Manager: „In Chemnitz gibt es einige Spieler, die für uns interessant sind. Und es gibt vielleicht sogar welche, die gewillt sind, zu uns zu kommen. Aber der CFC hat ja sogar noch einen Punkt weniger geholt als wir“, sagt er und meint: Klassespieler sind auch dort rar.

Der Termin für die Beratung von sportlicher Leitung und Präsidium in der nächsten Woche steht. Der Ausgang des Derbys wird darüber entscheiden, wieviel Arbeit die Beteiligten über die Weihnachtsfeiertage haben werden. Der finanzielle Spielraum wird auch davon abhängen, ob Spieler, die beim HFC aktuell unter Vertrag stehen, kaum spielen, unzufrieden sind und deshalb den Verein verlassen wollen. Adli Lachheb und Anton Müller sind in Kühnes Augen solche Kandidaten. Aber er sagt auch: „Wir werden keinen Spieler auffordern den Verein zu wechseln, wie wir das im Vorjahr mit Telmo Teixeira und Andis Shala getan haben. Denn selbst wenn Lachheb und Müller unzufrieden sein sollten, sind sie immer noch drittliga-taugliche Alternativen, wenn auf ihren Positionen andere Spieler ausfallen.“