Vom FC St. Pauli zu RB Leipzig

Vom FC St. Pauli zu RB Leipzig: So lief der Halstenberg-Deal wirklich

Leipzig - Marcel Halstenberg musste seine neuen Kollegen bei RB Leipzig an seinem ersten Arbeitstag zunächst aus der Ferne beobachten. Um nach einer Blessur kein Risiko einzugehen, trainierte der Neuzugang vom FC St. Pauli zunächst ...

Von Ullrich Kroemer
Nico Halstenberg im Trikot von RB Leipzig

Marcel Halstenberg musste seine neuen Kollegen bei RB Leipzig an seinem ersten Arbeitstag zunächst aus der Ferne beobachten. Um nach einer Blessur kein Risiko einzugehen, trainierte der Neuzugang vom FC St. Pauli zunächst individuell.

Doch bereits an diesem Mittwoch darf der 23-Jährige gemeinsam mit den anderen „Bullen” auf die Weide, am Freitag beim Testspiel gegen Dukla Prag (16.30 Uhr, Markranstädt) soll er bereits eine Halbzeit spielen. „Er kennt die Liga, ist Deutscher und kann sowohl kurz- als auch mittelfristig spielen”, erklärt sein Chef Ralf Rangnick den Last-Minute-Deal.

Doch so kurzfristig wie zunächst dargestellt, lief der Wechsel gar nicht ab. Bereits zwei Wochen vor dem Heimspiel gegen den FC St. Pauli wurde bei RB beschlossen, um Halstenberg zu werben. „Aus Gründen des Anstands und der Fairness haben wir uns entschlossen, ihn nicht vor dem Spiel gegen uns zu kontaktieren”, sagt Rangnick.

Vor einer Woche dann habe sich Halstenberg erstmals wirklich mit dem Gedanken beschäftigt, nach Leipzig zu wechseln und schaute sich gemeinsam mit Freundin, Vater und Bruder am RB Trainingsgelände um. Obwohl den dynamischen Linksverteidiger auch diverse Erstligisten umwarben – unter anderem Mainz 05 und Hannover 96 –, entschied er sich am Donnerstagabend für den Umzug nach Sachsen.

„Ich war nach meinem Besuch hier davon überzeugt, dass in Leipzig etwas Großes entsteht, und dementsprechend schnell habe ich zugesagt”, sagt Halstenberg. Mit Gehaltsvorteilen, beteuert Rangnick, habe die Entscheidung des Niedersachsen „gar nichts zu tun”, eher mit der Perspektive, die ihm der Red-Bull-Klub bietet. Der RB-Macher achte streng auf die Gehaltshygiene im Kader, heißt es, hohe Saläre sollen erst in der 1. Liga an die Kicker fließen.

Rekorddeal für St. Pauli

Die Ablösesumme dagegen ist konkurrenzlos hoch; für St. Pauli der Rekorddeal der Vereinsgeschichte. Die „nicht unerhebliche” (Rangnick) Ablöse in Höhe von 3 Millionen Euro, zu denen im Aufstiegsfall noch 100.000 Euro Zuschlag kommen, habe entgegen anderer Darstellungen bereits am Freitag festgestanden, sagt der RBL-Sportdirektor.

„Der Deal war am Freitag zu Ende verhandelt, Samstagnachmittag hat Marcel unterschrieben.” St. Paulis Manager Thomas Meggle hatte die Einigung noch am Sonntag geleugnet und zu Hamburger Medien gesagt: „Wir haben eine hohe Schmerzgrenze. Und diese Summe ist aktuell nicht erreicht.

Wenn die Schmerzgrenze erreicht ist, schlagen wir ein.“ Rangnick nahm die Darstellung seines Kollegenverwundert zur Kenntnis: „Mit dem chronologischen Ablauf und der Wahrheit ist das nicht deckungsgleich.”

Während der Wechsel von Kultklub St. Pauli zum Marketingprojekt RB Leipzig für viele Fans einem Ritt zwischen Himmel und Hölle gleichkommt, betrachtet Halstenberg seinen neuen Job ganz professionell: „Ich gehe meine Aufgabe hier genauso engagiert an wie bei St. Pauli”, sagt der beidfüßige 1,87-Meter-Mann. „Leipzig ist ein sehr attraktiver Verein, der hoffentlich in naher Zukunft zu den Topklubs in Deutschland gehört.”

Übrigens: Auch der nach langer Verletzung im Aufbautraining befindliche RB-Stürmer Terrence Boyd hat eine Aktie an der Verpflichtung des neuen Kollegen. Beide kennen sich aus der gemeinsamen Zeit bei Borussia Dortmund II. Boyd habe ihm geraten, sich zumindest mal in Leipzig umzuschauen. Mit Erfolg. (mz)