VfL Osnabrück vs. RB Leipzig

VfL Osnabrück vs. RB Leipzig: Stimmen zum Spielabbruch - „Das möchte keiner sehen"

Leipzig - Erst etwa 30 Minuten nachdem ein Feuerzeug aus einem Osnabrücker Block Schiedsrichter Martin Petersen (Stuttgart) am Kopf getroffen hatte, wurde der Spielabbruch auch im Stadion an der Bremer Brücke verkündet. Hermann Queckenstedt, Präsident des VfL Osnabrück, trat auf den Rasen und sagte den 13.000 Zuschauern: „Dies ist für mich der bitterste Tag in meiner Amtszeit als VfL-Präsident. Das Spiel ist hiermit ...

10.08.2015, 20:01

Erst etwa 30 Minuten nachdem ein Feuerzeug aus einem Osnabrücker Block Schiedsrichter Martin Petersen (Stuttgart) am Kopf getroffen hatte, wurde der Spielabbruch auch im Stadion an der Bremer Brücke verkündet. Hermann Queckenstedt, Präsident des VfL Osnabrück, trat auf den Rasen und sagte den 13.000 Zuschauern: „Dies ist für mich der bitterste Tag in meiner Amtszeit als VfL-Präsident. Das Spiel ist hiermit beendet.” 

Der Museumsdirektor fand klare Worte für die Attacke. „Ich entschuldige mich ausdrücklich im Namen des VfL Osnabrück bei Schiedsrichter Martin Petersen”, sagte Queckenstedt. „Diese Aktion schadet dem VfL, diese Aktion schadet dem Fußball. Das ist etwas was keiner hier in diesem Stadion und in Deutschland sehen möchte.” Die enttäuschten, aber weitgehend friedlichen VfL-Anhängern bat er: „Ich bitte Euch, ohne jede Gewalt nach Hause zu gehen. Trinkt noch ein Bier und verarbeitet den Abend.” 

„Das ist natürlich ein Debakel für uns“, sagte der Osnabrücker Manager Lothar Gans. „Das ist einer von 13.000 im Stadion, aber das ist nicht zu entschuldigen. Es tut mir sehr leid.“ Die Leipziger stellten fest: „Wir müssen die turbulenten Ereignisse auch erst einmal verarbeiten, sind einigermaßen sprachlos.“

Die Osnabrücker werden mit größter Wahrscheinlichkeit das Spiel am Grünen Tisch verlieren und eine harte Strafe bekommen. Das ist für den finanziell angeschlagenen Club doppelt bitter.

Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat unmittelbar nach dem Abbruch die Ermittlungen aufgenommen. „Über die Spielwertung wird dann das DFB-Sportgericht entscheiden. Daneben geht es um die sportrechtliche Sanktion gegen den Verein, dem der Vorfall zuzurechnen ist“, teilte DFB-Mediendirektor Ralf Köttker mit.

Herbert Fandel, der Vorsitzende der Schiedsrichterkommission, verteidigte Petersens Entscheidung: Es habe sich um einen „tätlichen Angriff“ auf den Schiedsrichter gehandelt. „Der Spielabbruch ist dann die logische und notwendige Konsequenz.“

Weitere Reaktionen

VfL-Trainer Maik Walpurgis (kicker.de): "Ich spüre Frust, Wut und Enttäuschung. Die Gesundheit des Schiedsrichters geht vor. Im Sinne des Fußballs hatte ich gehofft, dass der Vierte Offizielle übernehmen könnte"

VfL-Präsident Hermann Queckenstedt (Sky): „Es ist eine fürchterliche Enttäuschung. Der ein oder andere in der Kabine war den Tränen nah. Die Mannschaft und alle dahinter sind von einem einzelnen Chaoten um ihre Früchte gebracht worden.“

Ex-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer (Bild.de): „Ein absolutes Unding, was da passiert ist! Der Spielabbruch ist die logische Konsequenz. Schiedsrichter dürfen einfach nicht tätlich angegriffen werden.“

VfL-Spieler Nicolas Feldhahn (von tagesschau.de): "Wir sitzen alle in der Kabine und sind total erschüttert und traurig. So etwas habe ich noch nie erlebt. Wir sind uns sicher, dass wir das Spiel gewonnen hätten. Was jetzt passiert, weiß ich auch nicht.“ 

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (von welt.de): "Jedem Stadionbesucher muss klar werden, dass solche Aktionen niederträchtig sind, und strafbar dazu. Die oder derjenige muss hart bestraft werden."

RB Leipzig wollte sich am Montagabend auf der Rückreise nach Leipzig nicht mehr zu den Vorfällen äußern. Ralf Rangnick wird am Dienstagmittag zum skandalösen Spielabbruch Stellung nehmen. Die Partie war beim Stande von 1:0 für den Underdog aus Osnabrück beendet worden. (mz/dpa/uk)