Conference League

Rote Fahnen am Olympiastadion: Union feiert den Machtwechsel

Der 1. FC Union Berlin hat den Einzug in die Gruppenphase der Conference League praktisch sicher. Nach dem 4:0 im Hinspiel geht es nur noch um den Vollzug. Doch es brodelt es in Berliner Fußball-Herzen.

Von Arne Richter und Frank Thomas, dpa
Rote Fahnen am Olympiastadion: Der 1. FC Union Berlin nutzt die Heimstätte von Hertha BSC.
Rote Fahnen am Olympiastadion: Der 1. FC Union Berlin nutzt die Heimstätte von Hertha BSC. Matthias Koch/dpa

Berlin - Als wäre für Hertha BSC als Bundesliga-Schlusslicht nicht alles schon schlimm genug. Jetzt wehen auf dem Olympiastadion auch noch rote Fahnen.

Lokalrivale 1. FC Union Berlin hat es sich für das selbst ausgerufene „Sch(l)üsselspiel“ in der Conference League erstmal in der riesigen Heimspiel-Arena des chronisch erfolglosen Big City Clubs bequem gemacht. „Es geht los...“, verkündeten die Eisernen in einem Online-Clip und zeigten ihr im Sonnenschein wehendes Banner.

Vor dem Playoff-Rückspiel gegen Kuopio PS am Donnerstag (20.15 Uhr/RTL Nitro) versuchte der ewig mahnende Trainer Urs Fischer trotz des 4:0-Sieges vor einer Woche in Helsinki den Zeigefinger aus sportlicher Sorge noch einmal zu heben. „Die Ausgangslage ist verlockend“, sagte Fischer, dennoch werde man das Spiel „wie ein 0:0 angehen. Es gilt, den Fokus hinzubekommen“, sagte Fischer. Spannender sind die feinen Spitzen, die vor dem Gastauftritt der Köpenicker im Westen der Hauptstadt die Berliner Fußball-Seele beschäftigen.

„Schauplatz für die Rückkehr der Eisernen auf die internationale Fußball-Bühne in Berlin ist das städtische Olympiastadion, und natürlich wird das leuchtende Union-Rot dort die dominierende Farbe sein“, verkündete man und lieferte als Beweis die Bilder von Umbauarbeiten im Spielertunnel gleich mit. Leuchtendes Union-Rot, überall. Das Hertha-Blau kommt gerade ziemlich matt daher.

Union-Fahne auf Hertha-Wohnzimmer

Die Union-Fahnen auf dem Dach der Arena habe er „schon vom Weiten gesehen“, sagte Verteidiger Marvin Friedrich. „Da musste ich leicht schmunzeln, das sieht nicht so schlecht aus.“

Bei der Hertha will man das Spiel irgendwie verdrängen. „Es ist ein bisschen ein komisches Gefühl. Aber wir drücken die Daumen. Sollen sie erfolgreich sein und von mir aus bis zum Finale das Stadion nutzen“, sagte Pal Dardai ein wenig trotzig. Der Chefcoach der Hertha mag grundsätzlich keine Sentimentalitäten. Die große Rivalität werde ohnehin nur von außen aufgebauscht, meinte er.

Den innerhalb von zwei Jahren rapide vollzogenen Machtwechsel im Berliner Fußball kann aber auch Dardai nicht übersehen. Union hat die mit 375 Millionen Euro Investoren-Geld alimentierte Hertha als Nummer eins sportlich abgelöst und spielt, wenn auch nur im drittrangigen Europacup - da, wo die Hertha sehnsüchtig hin will: International.

Eisernes Volksfest im Olympiastadion

„Union spielt international“, dieser Schriftzug prangt auf den natürlich knallroten T-Shirts, die am Donnerstag an die Fans in der eigentlich ungeliebten Riesen-Arena am anderen Ende der Stadt verteilt werden. Mit mehr als 20.000 Besuchern toppt Union definitiv die Marke der Hertha beim ersten Saisonheimspiel am Samstag gegen den VfL Wolfsburg (1:2), als nur 18.241 Zuschauer kamen. Es wird ein eisernes Volksfest im Olympiastadion.

Mit keiner Silbe wird bei Union die Hertha genannt. Unerwähnt bleibt auch, dass man quasi nur zur Untermiete spielt, weil das eigene Stadion den UEFA-Kriterien nicht entspricht. Es fehlt an Sitzplätzen. Fast logisch, dass dieser Makel das Tor öffnet für eine süffisante Retourkutsche. „Wenn die Not haben, sollen sie es nutzen, aber den Rasen bitte nicht kaputt machen“, befahl Dardai. Fischers verbaler Konter: „Ich hoffe, der Rasen ist in einem guten Zustand. Wir werden ihn sicherlich bearbeiten.“