RB Leipzigs Stefan Ilsanker

RB Leipzigs Stefan Ilsanker: Wann mutiert Ösi „Ilse” zu Rangnicks Raubtier?

Leipzig - Ralf Rangnick verglich ihn mal mit einem „Raubtier auf der Jagd”, er selbst bezeichnet sich als „Krieger”. RB Leipzigs Sechser Stefan Ilsanker – 1,89 Meter groß, 86 Kilogramm schwer – soll dem Zweitligisten auf dem Platz Ausstrahlung, Kraft und Aggressivität verleihen. In den ersten Spielen in der 2. Liga war Ilsanker als Bindeglied zwischen Mittelfeld und Abwehr ...

Von Ullrich Kroemer

Ralf Rangnick verglich ihn mal mit einem „Raubtier auf der Jagd”, er selbst bezeichnet sich als „Krieger”. RB Leipzigs Sechser Stefan Ilsanker – 1,89 Meter groß, 86 Kilogramm schwer – soll dem Zweitligisten auf dem Platz Ausstrahlung, Kraft und Aggressivität verleihen. In den ersten Spielen in der 2. Liga war Ilsanker als Bindeglied zwischen Mittelfeld und Abwehr gesetzt.

Wenn es gut läuft, kann Ilsanker die Bälle aktiv antizipieren, das Spiel des Gegners zerstören und eigene Angriffe einleiten – der perfekte Gegenpressing-Spieler. Leipzigs Trainer und Sportdirektor Rangnick sagt über den 26-Jährigen: „Stefan ist ein Spieler, dessen enorme Stärken dann zum Tragen kommen, wenn unser Spiel gegen den Ball funktioniert. Dafür hat er die nötige Dynamik, aber vor allem das Auge.” Bisher jedoch konnte auch Ilsanker noch zu wenig Akzente setzen.

Ilsankers Weg als Fußballprofi war früh vorgezeichnet. Sein Vater Herbert war als Torhüter Profi, spielte unter anderem für Mainz 05. Und auch Stefan Ilsanker kickte in dieser Zeit im Nachwuchs der 05er. Nach seiner Rückkehr nach Österreich probierte er sich ebenfalls bis zu seinem 15. Lebensjahr als Keeper, ehe die Trainer seine Stärken im Mittelfeld entdeckten. Seit 2001 spielte der gebürtige Halleiner für Austria Salzburg. Bei der Übernahme durch Red Bull 2005 war Ilsanker bereits dabei – ein echtes Red-Bull-Urgestein.

Nach zwei Jahren beim SV Mattersburg kehrte „Ilse” mit den Amtsantritten von Ralf Rangnick und Ex-Coach Roger Schmidt zurück und schaffte den Durchbruch. Im Mai 2014 absolvierte er im Alter von 25 Jahren sein erstes Länderspiel für sein Heimatland. Es folgten sieben weitere. Und auch für die Länderspiele in der kommenden Woche ist Ilsanker nominiert. „Ich weiß, dass ich auf meiner Position mit David Alaba und Julian Baumgartlinger starke Konkurrenz habe”, sagt Ilsanker. „Aber ich freue mich natürlich riesig, dass ich wieder zum Team fahren darf, meine Freunde dort sehe und für Österreich auflaufen darf.”

Zuvor steht jedoch bei Union Berlin Leipzigs erste Schlüsselpartie der Saison auf dem Spielplan. Nach der 0:1-Premierenschlappe gegen den FC St. Pauli musste auch Ilsanker Kritik einstecken. Beim Videostudium am Dienstag wurden ihm ebenso wie den Kollegen seine Fehler zum Ende der ersten Hälfte aufgezeigt. „Ich habe gesehen, dass ich teilweise nicht perfekt positioniert war und im Aufbauspiel zu leicht Bälle hergegeben habe”, sagt Ilsanker. Sein Chef Rangnick urteilt: „Für ihn gilt das Gleiche wie für alle: Wir sind noch lange nicht da, wo wir sein wollen. Auch bei ihm ist noch Luft nach oben. Das hängt auch mit der Spielweise der gesamten Mannschaft zusammen.”

Da Innenverteidiger Tim Sebastian mit einer Zerrung weiter ausfällt, ist es gut möglich, dass Ilsanker in Berlin genau wie in der zweiten Hälfte gegen St. Pauli in die Innenverteidigung rückt. Da auch Dominik Kaiser wegen eines Magen-Darm-Virus’ für das Spiel bei den „Eisernen” fehlt, würden dann mit Rani Khedira und Diego Demme zwei neue Sechser ins Team rutschen.

Ilsanker selbst hofft trotz der ausbaufähigen Leistung weiterhin auf das Vertrauen des Trainers, „gerade nach einer Niederlage, um es im nächsten Spiel besser machen zu können”. Bei seiner Premiere in der Alten Försterei freut sich Ilsanker „auf ein schönes enges Stadion mit sehr stimmgewaltigen Fans” – trotz des angekündigten Protests. Spielerisch, sagt Ilsanker, könnten auch viele Teams aus Österreichs erster Liga in der 2. Liga hierzulande mithalten.

„Ein Riesen-Unterschied sind allerdings die Stadien, die Fans – vor 42.000 Leuten wie bei unserem letzten Spiel gegen St. Pauli habe ich in Österreich noch nicht gespielt”, sagt er. „Die Begeisterung rundherum ist hier viel größer.” Auch deshalb entschied sich Ilsanker für den Zwischenschritt 2. Liga – und natürlich wegen der glänzenden Perspektiven. „Wenn Leipzig in die 1. Liga aufsteigt, wird das kein Verein sein, der nur mitläuft, sondern überraschend wird.

Privat ist Ösi „Ilse” übrigens ein sehr sympathischer, reflektierter und äußerst höflicher Typ. Auf dem Platz – so wünschen es sich die Verantwortlichen – soll er am Freitag gegen Union Berlin endlich zum „Raubtier” und „Krieger” mutieren.