Eil

RB Leipzig vs. FC St. Pauli

RB Leipzig vs. FC St. Pauli: Rasenballer enttäuschen mit 0:1 vor voller Hütte

Leipzig - Zweiter gegen Dritter: Das Spiel gegen den ohnehin schon attraktiven Gegner FC St. Pauli versprach aufgrund der Tabellenkonstellation noch interessanter als ohnhin schon zu werden. In der vergangenen Saison hatte RB das Hinspiel mit 4:1 dominiert; im Rückspiel mussten die „Roten Bullen” ihre Aufstiegsträume durch eine Niederlage am Millerntor endgültig begraben. Für beide Seiten also Gelegenheit zur ...

Von Ullrich Kroemer 23.08.2015, 13:38

Zweiter gegen Dritter: Das Spiel gegen den ohnehin schon attraktiven Gegner FC St. Pauli versprach aufgrund der Tabellenkonstellation noch interessanter als ohnhin schon zu werden. In der vergangenen Saison hatte RB das Hinspiel mit 4:1 dominiert; im Rückspiel mussten die „Roten Bullen” ihre Aufstiegsträume durch eine Niederlage am Millerntor endgültig begraben. Für beide Seiten also Gelegenheit zur Revanche.

Personalien

Ralf Rangnick verzichtete wie bereits gegen Eintracht Braunschweig zunächst auf Stürmer Yussuf Poulsen und setzte stattdessen auf Massimo Bruno im zentralen Mittelfeld. In der zweiten Hälfte durfte der Däne dann ran, dafür musste Innenverteidiger Tim Sebastian seinen Platz räumen, weil Leipzigs Trainer und Sportdirektor sein System umstellte.

Taktik

Beide Teams duellierten sich zunächst im 4-2-3-1-System. St. Pauli überließ den Leipzigern zunächst viele Räume im Mittelfeld. Die wussten jedoch nach der Anfangsoffensive zu wenig damit anzufangen und scheiterten an der gut stehenden Viererkette der Paulianer. In Hälfte zwei opferte Rangnick Innenverteidiger Tim Sebastian, versetzte Sechser Ilsanker in die Abwehr und schuf so einen zusätzlichen Platz im Sturm für Poulsen. RB agierte in den zweiten 45 Minuten in einer 4-1-3-2-Formation. St. Pauli stand tief und sicher und beschränkte sich aufs Kontern.

Fans

Einen Tag nach dem Konzert der Toten Hosen auf der Festwiese direkt vor der Leipziger Arena vor 70.000 Fans strömten erneut Zehntausende zum Sportforum. Wie die Altpunks aus Düsseldorf ziehen auch die Fußballpunks vom Millerntor noch immer eigene und gegnerische Fans in Strömen an. 41.795 Zuschauer sorgten dafür, dass das Stadion das erste Mal bei einem Ligaspiel von RB Leipzig ausverkauft war. Da noch einige Lücken im Stadion zu sehen waren, hatten wohl nicht alle Fans ihre Karten auch eingelöst. Die RB-Fans begrüßten den Hamburger Kultklub mit einer Science-Fiction-Choreografie. „Den Rasenballsport Du fühlen musst” stand in Anlehnung an ein Filmzitat auf einem Banner. Auch die etwa 5000 St.-Pauli-Fans sorgten wie bereits im Vorjahr für beste Stimmung im Stadion. 

Spielverlauf und Analyse

Die Gastgeber begannen äußerst druckvoll, wuchtig und mit viel Zug zum Tor. Stürmer Davie Selke hatte in der Startphase gleich zwei Gelegenheiten (2. und 5. Minute). Kurz darauf schloss Emil Forsberg nach einer Ecke von Kapitän Dominik Kaiser gefährlich ab (7.). Die größte Gelegenheit für RBL hatte erneut Forsberg, als er nach der schönsten Kombination der ersten Hälfte nur den Pfosten traf. Davie Selke hatte per Hacke auf Marcel Sabitzer abgelegt, der den agilen Forsberg fand. Der ließ seinen Gegenspieler mit gekonnt aussteigen und verfehlte das Tor nur um Zentimeter. 

Doch nach etwa 25 Minuten brach RB Leipzig seine bis dahin schwung- und druckvolle Vorstellung ab und ließ den FC St. Pauli besser ins Spiel kommen. Die erste Gelegenheit hatte Paulis Marc Rzatkowski per Freistoß, den RB-Keeper Fabio Coltorti wegbaggerte wie beim Volleyball (11.).

Danach gab es gleich eine ganze Reihe von gefährlichen Situationen für die Gäste. Ein Freistoß sowie eine Ecke (38. und 41.) sorgten bereits für Alarm im Bullen-Strafraum, ehe Lennart Thy kurz vor dem Pausenpfiff die Führung erzielte. Nach einem gewonnen Zweikampf von Rzatkowski landete der Ball bei Thy, der Ilsanker an der Strafraumgrenze aussteigen ließ und mit einem satten Schuss vollendete (44.). 

Die erste Großchance der zweiten Hälfte hatte RB Leipzig, als der eingewechselte Yussuf Poulsen sich robust durchsetzte und seinen Sturmpartner Selke freispielte. Doch der Ex-Bremer zielte aus halbrechter Position zu ungenau und schoss den Ball deutlich links neben den Kasten (51.). St. Pauli konterte kurz darauf, als FCP-Stürmer Waldemar Sobota nach schönem Angriff aus kurzer Distanz nur knapp neben den Kasten traf. Danach verlor das Spiel an Attraktivität und wurde dafür ruppiger. Wegen vieler Unterbrechungen konnte kein Team mehr über einen längeren Zeitraum geordnet aufbauen und kombinieren. Rasenballsport tat sich schwer, zu gefährlichen Möglichkeiten zu kommen.

Entweder verhinderten die abwehrstarken Gäste mögliche Chancen oder individuelle Fehler der RB-Offensive bei Ballannahme, Vorlagen oder Abschlüssen. Zwar versuchte RBL bis zuletzt, zu spielerischen Lösungen zu kommen, doch auch die Einwechslungen der Offensivkräfte Zsolt Kalmar und Nils Quaschner brachten keine neuen Impulse. In der Schlussphase inklusive fünf Minuten Nachspielzeit hatte zunächst RB eine Gelegenheit nach Kaiser-Freistoß (87.). Danach verpasste St. Pauli nach einem Konter mit Überzahl die Entscheidung. Pauli-Keeper hielt einen Distanzschuss von Zsolt Kalmar und vereitelte damit auch die letzte Chance der „Roten Bullen”. 

Fazit

Insgesamt leistete RB in der zweiten Hälfte viel zu wenig Gegenwehr gegen die Niederlage. Aus dem starken Start zog die Rangnick-Elf viel zu wenig Profit. Unverständlich, weshalb RB nach 25 Minuten aufhörte, Fußball zu spielen. Dass St. Pauli den zweiten Tabellenplatz festigt und RB auf Rang fünf abrutschte, ist die logische Konsequenz. 

Ausblick

Das nächste Spiel muss RB Leipzig am Freitagabend beim 1. FC Union Berlin bestreiten (18.30 Uhr). Im Stadion an der alten Försterei erwartet den Red-Bull-Klub erneut ein ausverkauftes Haus und hitzige Atmosphäre. Der Tabellenzweite St. Pauli spielt auswärts beim FSV Frankfurt. (mz)

Statistik

RB Leipzig: Coltorti – Teigl, Orban, Sebastian (46. Poulsen), Jung (84. Quaschner) – Kaiser (C), Ilsanker – Bruno, Forsberg (76. Kalmár) – Selke, Sabitzer
FC St. Pauli: Himmelmann – Nehrig (C), Sobiech, Ziereis, Buballa – Alushi, Rzatkowski – Sobota (90. Deichmann), Buchtmann (77. Choi), Maier (84. Verhoek) – Thy
Schiedsrichter: Bastian Dankert (Rostock)
Tor: 0:1 Thy (44.)
Gelbe Karten: Ilsanker (3)- Sobota (1), Maier (1), Thy (1)
Zuschauer: 41.795 in der Red Bull Arena | ausverkauft