RB Leipzig unterliegt FC St. Pauli

RB Leipzig unterliegt FC St. Pauli: Die maximale Enttäuschung

LEIPZIG - Sonnenblumen-Gelb symbolisiert normalerweise Lebensfreude und Wärme. Am Sonntagnachmittag in den Leipziger Stadionkatakomben stand Gelb für Enttäuschung. RB Leipzigs Torhüter Fabio Coltorti musste nach dem Spiel in seiner knallgelben Torwartkluft Fragen dazu beantworten, weshalb sein Team im vierten Saisonspiel mit 0:1 (0:1) gegen den FC St. Pauli verloren hatte. Und das, obwohl das Stadion erstmals seit Vereinsgründung in einem Ligaspiel mit 41.795 Zuschauern offiziell ausverkauft ...

Von Ullrich Kroemer 23.08.2015, 16:07

Sonnenblumen-Gelb symbolisiert normalerweise Lebensfreude und Wärme. Am Sonntagnachmittag in den Leipziger Stadionkatakomben stand Gelb für Enttäuschung. RB Leipzigs Torhüter Fabio Coltorti musste nach dem Spiel in seiner knallgelben Torwartkluft Fragen dazu beantworten, weshalb sein Team im vierten Saisonspiel mit 0:1 (0:1) gegen den FC St. Pauli verloren hatte. Und das, obwohl das Stadion erstmals seit Vereinsgründung in einem Ligaspiel mit 41.795 Zuschauern offiziell ausverkauft war.

Der 34-Jährige, baumlange Schweizer wurde gefragt, ob es besonders ärgerlich gewesen sei, vor ausverkauftem Haus zu verlieren. „Mehr ärgerlich geht nicht”, sagte Coltorti bitter – maximal enttäuscht. „Wir hatten ein ausverkauftes Haus mit einer super Ausgangslage und wollten das Spiel für die Fans und für unsere Tabellensituation gewinnen”, sagte Coltorti.

„30 Minuten richtig gut”

Dabei hatte RB Leipzig so inspiriert begonnen, wie noch nie in dieser Saison. „Ich habe zu Beginn des Spiels sehr viele gute Dinge gesehen, das war 30 Minuten lang unsere beste Saisonleistung”, sagte Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick.

RB hatte durch Davie Selke (2. und 6.) und zwei Mal Emil Forsberg (7. und 22.) gute Gelegenheiten, die Führung zu erzielen. In der 22. Minute boten die Rasenballer die schönste Kombination des gesamten Spiels, als Selke mit der Hacke auf seinen Kollegen Marcel Sabitzer ablegte und der auf Forsberg passte. Der ließ seinen Gegenspieler aussteigen und verfehlte das Tor bei seinem Pfostentreffer nur um Zentimeter. „Die ersten 30 Minuten waren wir richtig gut”, sagte Innenverteidiger Tim Sebastian.

„Das war genau das Spiel, das wir uns vorgestellt haben. Wir waren komplett in der gegnerischen Hälfte drin, haben uns Chancen erarbeitet, viele zweite Bälle gewonnen, eine starke Restfeldverteidigung gezeigt. Da hatte ich ein richtig gutes Gefühl auf dem Platz, dass da überhaupt nichts passiert.”

Doch nicht nur Tim Sebastians Gefühl kippte. Weshalb RB das Spiel nach einer halben Stunde dem Gegner überließ, ist das große Rätsel dieses Spiels. Plötzlich hatte St. Pauli mehr Ballbesitz, stand höher, umspielte geschickter die engen Räume im Mittelfeld und kam zu Druckphasen und Chancen. Das Tor des Tages durch Lennart Thy (44.) resultierte aus einer Halbchance von St. Pauli, als der Ball zuvor nicht konsequent geklärt wurde und der Ex-Bremer aus 16 Metern unvermittelt abzog.

Coltorti war noch dran, hatte aber nicht mehr genügend Kraft in den Fingerspitzen, um den satten Schuss noch abzuwehren. In der zweiten Hälfte stemmte sich RB Leipzig zu wenig, hatte durch Davie Selke nach schöner Vorarbeit des eingewechselten Yussuf Poulsen allerdings noch eine Großchance, das Spiel zu drehen (51.). „Wenn man kurz vor der Halbzeit mit 0:1 in Rückstand gerät, ist das vor allem für den Kopf nicht einfach. Die Chance zu Beginn der zweiten Hälfte macht Davie Selke normalerweise. Das hätte uns geholfen, ins Spiel zurückzufinden”, sagte Rangnick.

Leipzig in der Heimkrise?

Bleibt die Frage, weshalb RB nach begeisterndem ersten Drittel plötzlich so nachließ. „Womit es zusammenhängt, dass wir alle etwas passiv waren, kann ich nicht genau sagen”, sagte Sebastian. „Ob es die Temperaturen waren oder ob wir uns gefragt haben, weshalb es mit dem Tor nicht klappt?”

Rangnick schätzte ein, dass sein Team nach der Startoffensive „nicht mehr die richtigen Mittel angewendet” habe. Stürmer Poulsen sagte: „Der letzte Pass, der Abschluss, einfach der letzte Kontakt hat nicht gepasst.” Das Team müsse daran arbeiten, „dass wir einfach kein Gegentor kriegen” und „wie wir gegen tief stehende Gegner agieren”.

So steht nach zwei Heimspielen für RB Leipzig nur ein glücklicher Punkt gegen Fürth zu Buche. „In der vergangenen Saison war das ganz anders, da haben wir hier fast kein Spiel verloren”, erinnerte Poulsen. „Wir müssen daran arbeiten, dass das wieder so wird.” Bevor Coltorti enttäuscht in die Kabine trabte, sagte der sonnenblumengelbe Hüne: „Wenn ein Tor gefallen wäre, wäre ich überzeugt gewesen, dass dann mit den Zuschauern im Rücken noch etwas gegangen wäre. Aber mit so viel ,wäre’ hat man nichts am Schluss.”