RB Leipzig in der Remis-Falle

RB Leipzig in der Remis-Falle: Georg Teigl: „Manchmal ist es ein Krampf”

Leipzig/Mücheln - Davie Selke ist ein cooler Typ, normalerweise um keinen lockeren Spruch verlegen. Nach dem 2:2 (1:1) von RB Leipzig bei 1860 München jedoch war der 20 Jahre alte Jungstar der Leipziger ziemlich baff. „Ich weiß gerade gar nicht, was ich dazu sagen soll”, antwortete Selke ratlos. „Fakt ist: Wir haben viel zu wenig Punkte – nicht, weil wir schlecht spielen, sondern weil wir es nicht geschickt genug anstellen. Wir dürfen uns niemals das zweite Gegentor einschenken ...

Von Ullrich Kroemer

Davie Selke ist ein cooler Typ, normalerweise um keinen lockeren Spruch verlegen. Nach dem 2:2 (1:1) von RB Leipzig bei 1860 München jedoch war der 20 Jahre alte Jungstar der Leipziger ziemlich baff. „Ich weiß gerade gar nicht, was ich dazu sagen soll”, antwortete Selke ratlos. „Fakt ist: Wir haben viel zu wenig Punkte – nicht, weil wir schlecht spielen, sondern weil wir es nicht geschickt genug anstellen. Wir dürfen uns niemals das zweite Gegentor einschenken lassen.” 

Aufstiegsfavorit RB Leipzig war mit dem Anspruch in die englische Woche gegangenen, in Heidenheim, gegen den SC Freiburg und in München neun Punkte einzufahren. Stattdessen spielten die „Roten Bullen” gegen 1860 zum dritten Mal in Serie unentschieden. Nun steht das Team von Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick nach neun Spieltagen mit vier Punkten Rückstand auf die Aufstiegsränge lediglich auf Platz fünf.

Präsent, wach und mutig

Dabei war die Rangnick-Elf in München genauso ins Spiel gestartet, wie sie sich das vorgenommen hatte: präsent, wach und mutig – zumindest in der Offensive. Bereits nach sechs Minuten erzielte Forsberg nach Hereingabe von Selke den Führungstreffer. Die RB-Abwehr hingegen war in den ersten Minuten weniger konzentriert als die Offensivkollegen. Nur zwei Minuten später patzte Innenverteidiger Willi Orban gleich zweimal, verlor erst das Laufduell gegen 1860-Stürmer Okotie und ließ sich dann naiv an der Grundlinie vernaschen. So konnte Okotie unbedrängt nach innen passen, wo Marius Wolf den Ball gegen die unsortierte RBL-Abwehr ins Tor schob (8.).

Nach ganz ähnlichem Schema fielen die Tore in Hälfte zwei. Nachdem RB gegen den engagierten Gastgeber mit großem läuferischen und kämpferischen Aufwand und schöner Vorarbeit von Marcel Halstenberg das 2:1 durch Selke erzielt hatte (67.), war 1860 im Grunde geschlagen. Doch ein haarsträubender Ballverlust von Marcel Sabitzer leitete einen Konter ein, bei dem sich die RB-Defensive erneut zu unclever gegen Okotie anstellte, der den Ball aus der Distanz einfach ins Tor schoss (78.). RB-Rechtsverteidiger Georg Teigl sprach von „blöden und einfachen Gegentoren”. Das 2:2 sei „Wahnsinn” gewesen, sagte der Österreicher. 

RB verschenkt vier Punkte

Während die RB-Spieler und –Verantwortlichen das 1:1 gegen den SC Freiburg unter der Woche noch als Entwicklungsschritt betrachteten, regierte in den Stadionkatakomben der Allianz-Arena Frustration bei RBL. „Offensichtlich gehört es zur Entwicklung dieser Mannschaft, dass sie sich um die Früchte ihrer Arbeit bringt”, sagte RB-Chefentwickler Rangnick bitter. „Wir haben heute und beim 1:1 in Heidenheim vier Punkte verschenkt.”

Auch wenn das bei RB keiner sagt: Erklärungsansätze für die Blockade bietet wohl am ehesten der Druck, der auf dem neu zusammengestellten und jungen Team (Durchschnittsalter 24 Jahre) lastet. „Uns fehlt momentan die Leichtigkeit vor dem Tor und die letzten Pässe kommen nicht an”, sagte Teigl. „Manchmal ist es derzeit ein Krampf.” Noch am Freitag hatte Rangnick Potenzial und Entwicklungsfähigkeit seiner Mannschaft beschworen. Der frühere Sport- und Englischlehrer sagte: „Wir haben bisher nur Klassenarbeiten gehabt, das Versetzungszeugnis gibt es nächstes Jahr im Mai. Nach acht Wochen Schule hat noch kein Schüler gesagt bekommen, wo er steht.” Schon am Sonntag gegen Nürnberg sollte der Lehrling RB in den Fächern Abwehrarbeit und Chancenverwertung Fortschritte zeigen. Sonst enteilen die Konkurrenten dem vermeintlichen Primus immer mehr. (mz)