RB Leipzig in Braunschweig

RB Leipzig in Braunschweig: 2:0 – „Rote Bullen“ haben den längeren Atem

Braunschweig - RB Leipzig hat seinen zweiten Sieg im zweiten Auswärtsspiel der Saison eingefahren. Gegen Eintracht Braunschweig trafen Davie Selke (68.) und Emil Forsberg (76.) zum 2:0 (0:0)-Endstand. 

Von Max Ohlert 15.08.2015, 13:00

RB Leipzig hat seinen zweiten Sieg im zweiten Auswärtsspiel der Saison eingefahren. Gegen Eintracht Braunschweig trafen Davie Selke (68.) und Emil Forsberg (76.) zum 2:0 (0:0)-Endstand. 

Die 21.315 Zuschauer im Eintracht-Stadion in Braunschweig sahen dabei zwei völlig verschiedene Halbzeiten. Während die ersten 20 Minuten der Begegnung einem Offensivspektakel glichen, gab es spätestens in der zweiten Hälfte einen massiven Bruch im Spiel der Gastgeber und das erwartet ruppige Spiel - vier gelbe Karten auf jeder Seite - nahm seinen Lauf. 

Ausgangslage:
„Wenn wir die gesamte Saison über jeweils im Wechsel ein Spiel gewinnen und im nächsten unentschieden spielen, dann steigen wir auf.“, kommentierte RB-Teamchef Ralf Rangnick unter der Woche den Saisonstart seiner „Roten Bullen“. Was mit einem Augenzwinkern gemeint war, bewies jedoch auch: Schlecht war der Aufstiegsfavorit der 2. Bundesliga nicht in die Saison gestartet, auch wenn weder die Partie in Frankfurt noch das Heimspiel gegen Greuther Fürth Anlass zu überschwänglichem Lob gaben. Auch im Pokalspiel gegen den VfL Osnabrück taten sich die Leipziger bis zum Abbruch in der 71. Minute gegen den aggressiv und giftig verteidigenden Drittligisten schwer. Eine Spielweise, die Rangnicks Mannschaft wohl auch in Braunschweig erwarten würde. Die Eintracht war mit einer überraschenden 1:3-Niederlage gegen Sandhausen in die Saison gestartet, hatte dann aber dem starken 1. FC Kaiserslautern ein 0:0 am Betzenberg abgetrotzt und fand sich vor dem Duell - etwas unter den eigenen Erwartungen - auf Platz 15 wieder. Die Sachsen gingen als Tabellenvierter ins Spiel. 

Personalien:
Beide Kontrahenten hatten nach den aufreibenden Pokalduellen in der Vorwoche wichtige Ausfälle zu beklagen. Gastgeber Braunschweig musste auf Verteidiger Saulo Decarli verzichten, der mit einer Oberschenkelzerrung ausfiel. Zudem konnte Talent Niko Kijewski nach einem Schlag aufs Knie ebenfalls nur zuschauen. Bei den Leipzigern mussten, neben den Langzeitverletzten Marvin Compper, Terrence Boyd (beide Reha nach Knieverletzung) und Ken Gipson (Teilruptur des vorderen Syndesmosebandes), auch Stefan Hierländer und Atinç Nukan passen. Hierländer wurde nach einer Prellung geschont, Nukan fällt nach einer Innenbandverletzung aus dem Osnabrück-Spiel mindestens vier Wochen aus. Für Keeper Péter Gulacsi war die Partie gegen Braunschweig das letzte Spiel seiner abzusitzenden Vier-Spiele-Sperre. 

Aufstellung und Taktik:
Nach dem, durch den frühen Rückstand leider etwas misslungenen, 4-3-3-Experiment in Osnabrück, setzte Ralf Rangnick in Braunschweig wieder auf das gewohnte 4-2-2-2. Tim Sebastian ersetzte den verletzten Nukan, Georg Teigl gewann das Duell um den Platz des ebenfalls angeschlagenen Stefan Hierländer auf der rechten Abwehrseite gegen Lukas Klostermann. Auf dem Flügel nahm Yussuf Poulsen zunächst auf der Bank Platz und Neuzugang Massimo Bruno kam zu seinem Startelf-Debüt bei den „Roten Bullen“. 

Auch die Gastgeber stellten ihr System um. Durch die Verletzung von Abwehrmann Saulo Decarli verschob Trainer Torsten Lieberknecht sein 3-4-3 zu einem 4-2-3-1, Joseph Baffo und Phil Ofosu-Ayeh rückten in die Verteidigung. Pokal-Siegtorschütze Henrik Zuck ersetzte Salim Khelifi und Emil Berggreen rotierte im Tausch mit Mads Hvilsom zurück in den Sturm. 

Spielverlauf und Analyse:
„Bloß nicht wieder ein frühes Gegentor“ lautete die Devise bei RB Leipzig nach den frühen Rückständen gegen Osnabrück und Fürth. Fast wäre dieses Ziel auch gegen Braunschweig schief gegangen, denn knapp 30 Sekunden nach dem Anstoß donnerte Eintrachts DFB-Pokal-Siegtorschütze einen Distanzschuss nur knapp neben das Tor. Die „Roten Bullen“ ließen sich vom Eifer der Gastgeber diesmal jedoch nicht beeindrucken und so entwickelte sich bereits in den ersten Spielminuten so etwas wie ein offener Schlagabtausch – normalerweise eher in der Schlussphase eines Fußballspiels zu sehen. 

Nur zwei Minuten nach Zucks Weckschuss hatte Startelf-Debütant Massimo Bruno gleich zwei Mal die Chance auf die Führung für die Leipziger. Zunächst wurde sein Schuss aus kurzer Distanz von einem Braunschweiger Abwehrbein abgewehrt, der folgende Befreiungsschlag landete über Stürmer Davie Selke erneut beim Belgier, der sich diesmal die Ecke aussuchen konnte und sich trotzdem Eintracht-Keeper Gikiewicz geschlagen geben musste (3.). 

Nun waren wieder die Gastgeber dran. Einen Freistoß von Mirko Boland schädelte Abwehrkante Joseph Baffo aus knapp drei Metern über das Tor (5.). Im Gegenzug dann wieder die „Roten Bullen“: Davie Selke kam nach schönem Zusammenspiel mit Sturmpartner Marcel Sabitzer vor Gikiewicz mit seinem etwas schwächeren linken Fuß zum Abschluss, scheiterte aber am wachen Braunschweiger Torhüter (6.). Noch keine zehn Minuten waren vergangen und in der Partie war offensiv richtig Feuer. 

Fünf Minuten später ging es direkt weiter. Dominik Kaiser leistete sich einen seltenen Fehlpass, den Emil Berggreen danken mitnahm, mit seinem Distanzschuss aber erneut neben dem Gehäuse von Fabio Coltorti landete. Der RB-Keeper hatte in der Folge Glück, dass der überragende Einsatz von Braunschweigs Rechtsverteidiger Phil Ofosu-Ayeh nicht mit der Führung für die Gastgeber gekrönt wurde. Erst tankte sich Ofosu-Ayeh auf der rechten Seite durch, bevor seine gute Flanke von Ilsanker zur Ecke geköpft wurde (15.), zwei Minuten später lief ein Konter der Eintracht erneut über den Deutsch-Ghanaer, dessen abgefälschter Schuss gerade noch so von Coltorti vor einem anlaufenden Braunschweiger gerettet werden konnte (17.) 

Nach diesem Angriffssturm der ersten Minuten zogen sich beide Teams zunächst merklich zurück, erst kurz vor dem Pausenpfiff wurde es noch einmal gefährlich, als ein Ausflug Coltortis fast von Berggreen erwischt wurde (43.) 

Die zweite Hälfte begann beinahe wie die erste, als Davie Selke unmittelbar nach Wiederanpfiff auf einmal mutterseelenallein vor Braunschweigs Torwart Gikiewicz auftauchte und ihn zu einer Glanzparade zwang. Die Gastgeber wirkten schockiert und die Partie entwickelte sich in der Folge nun doch zum erwarteten Kampfspiel, in dem die „Roten Bullen“ die Gejagten waren. Braunschweig attackierte die Leipziger von nun an aggressiv, aber oft auch fahrig und selten im Rahmen des Erlaubten. Die daraus resultierenden Freistöße für RB, brachten jedoch allesamt nichts ein – bis zur 68. Spielminute. Nach dem, laut Eintracht-Trainer Lieberknecht „ungefährlichsten Freistoß des Spiels“ konnte Davie Selke eiskalt zur Führung einköpfen. Zuvor hatte erneut der etwas glücklose Massimo Bruno die Führung auf dem Fuß, traf aber allein vor Gikiewicz nur den linken Innenpfosten (64.). 

Acht Minuten später versetzte Emil Forsberg nach fantastischer Einzelleistung den Braunschweigern den Todesstoß (76.). Die Gastgeber konnten davor und auch danach zu keiner Zeit ihre bärenstarke Leistung aus der Anfangsphase der Partie zurückgewinnen. Stattdessen hätte RB sogar noch auf 3:0 erhöhen können, Selke scheiterte in der 82. Minute jedoch nach einem Eckball einmal mehr am starken Rafal Gikiewicz. 

So bleibt RB Leipzig weiterhin gegen Eintracht Braunschweig ungeschlagen und übernachtet zumindest bis Sonntag auf Platz zwei der Tabelle. 

Ausblick:

Eine nicht minder anspruchsvolle Aufgabe wartet am kommenden Sonntag auf die „Roten Bullen“. In der heimischen Red Bull Arena geht es gegen den FC St. Pauli. Anstoß ist um 13.30 Uhr.

Eintracht Braunschweig – RB Leipzig 0:2 (0:0) 

Eintracht: Gikiewicz – Reichel, Ofosu-Ayeh, Correira (C), Baffo – Boland, Matuschyk – Schönfeld, Zuck, Hochscheidt – Berggreen.
RB: Coltorti – Teigl, Sebastian, Orban, Jung – Ilsanker, Kaiser (C) – Bruno, Forsberg – Sabitzer, Selke.
Einwechslungen: 63. Omladic für Zuck, 74. Hvilsom für Matuschyk, 83. Holtmann für Hochscheidt – 70. Klostermann für Teigl, 79. Khedira für Forsberg, 84. Poulsen für Bruno.
Tore: 0:1 Selke (68., Kaiser), 0:2 Forsberg (76., Bruno).
Chancen: 13:16 (6:4), Ecken: 9:4 (3:1).
Schiedsrichter: Deniz Aytekin (Oberaspach), Gelbe Karten: Correia (11.), Schönlein (34.), Matuschyk (50.), Ofosu-Ayeh (68.) - Ilsanker (53.), Orban (66.), Sebastian (73.), Jung (82.).
Zuschauer: 21.315 im Eintracht-Stadion