Nach Spielabbruch gegen RB Leipzig

Nach Spielabbruch gegen RB Leipzig: Osnabrück droht Fans mit Choreo-Verboten und Teilausschluss

Leipzig - Einen Tag, nachdem sich RB Leipzigs Trainer Ralf Rangnick zu den Vorfällen rund um den Spielabbruch in Osnabrück geäußert hat, stellten sich auch die Osnabrücker Verantwortlichen der Öffentlichkeit. Dabei kündigten VfL-Präsident Hermann Queckenstedt und Osnabrücks Geschäftsführer Jürgen Wehlend kompromisslose Aufklärung und harte Konsequenzen für die Fans an. In der 71. Minute  hatte ein aus der Osnabrücker Ostkurve geworfenes Feuerzeugs Schiedsrichter Martin Petersen am Kopf getroffen, woraufhin der Referee die Partie ...

Von Ullrich Kroemer 12.08.2015, 10:25

Einen Tag, nachdem sich RB Leipzigs Trainer Ralf Rangnick zu den Vorfällen rund um den Spielabbruch in Osnabrück geäußert hat, stellten sich auch die Osnabrücker Verantwortlichen der Öffentlichkeit. Dabei kündigten VfL-Präsident Hermann Queckenstedt und Osnabrücks Geschäftsführer Jürgen Wehlend kompromisslose Aufklärung und harte Konsequenzen für die Fans an. In der 71. Minute  hatte ein aus der Osnabrücker Ostkurve geworfenes Feuerzeugs Schiedsrichter Martin Petersen am Kopf getroffen, woraufhin der Referee die Partie abbrach.

Der sonst so beherrschte Geschäftsführer Wehlend sagte: „Mich kotzt das an. Wir machen seit Jahren gute Arbeit mit den Fans, und jetzt werden wir durch Einzelne in ein Licht gerückt, das der Stadt Osnabrück und dem Verein nicht gerecht werden.” Präsident Queckenstedt, der bereits am Montagabend die richtigen Worte gefunden hatte, sagte: „So etwas ist erheblich Image schädigend. Es ist nicht förderlich für das Friedensstadt-Image, wenn so etwas hier in Osnabrück geschieht. Wir haben erheblich Arbeit zu leisten.”

„Das wird einschneidende Konsequenzen haben”

Wehlend wurde deutlicher. „Das wird einschneidende Konsequenzen haben”, kündigte der Geschäftsführer an. „Wir werden mit Fangruppierungen in den Dialog treten, welche Maßnahmen wir treffen können, um derartiges zukünftig zu verhindern.” Das könne „bis zum Verbot von Choreos” und dem „Teilausschluss bestimmter Tribünenbereiche” führen, drohte Wehlend. „Wir wissen, dass es so nicht geht. Es ist eine Unart, die sich breitmacht, mit Gegenständen auf Aktive zu werfen, die wir unterbinden müssen.” Queckenstedt ergänzte: „Es haben im Stadion keine Gegenstände zu fliegen. Das ist komplett inakzeptabel.

An die Gäste aus Leipzig gerichtet sagte Queckenstedt: „Ich entschuldige mich ausdrücklich beim Verein Rasenballsport Leipzig für das Ungemach, welches an diesem Tag entstanden ist.” Das hat der VfL RB Leipzig auch per Brief mitgeteilt. Und weiter: „Es war uns im Vorfeld wichtig, ein guter Gastgeber zu sein und auf Verbalinjurien gegen RB zu verzichten.” Die groß angelegte Traditionskampagne sollte die Stärken des eigenen Klubs betonen, ohne die Gäste aus Sachsen zu verunglimpfen.

Gegen die Äußerung von RBL-Trainer Ralf Rangnick hingegen, wonach er sich im Osnabrücker Stadion mit Frau und Kindern nicht sicher gefühlt hätte, wehrten sich Queckenstedt und Wehlend. „Die Aussage möchte ich nicht so stehen lassen. Ich halte das nicht für gerechtfertigt in der derzeitigen Situation”, sagt Wehlend. „Jeder hat ein emotionales, aber im Rahmen der Bedingungen sehr friedliches Spiel gesehen. Dass auf den Tribünen eine extrem emotional geladene Situation herrscht, ist doch klar.” Queckenstedt betonte, seit 1999 bis in die Gegenwart mit seinen Kindern ins Stadion an der Bremer Brücke gegangen zu sein niemals Angst gehabt zu haben. „Ich würde auch mit meinen Enkeln in dieses Stadion gehen”, sagte der Museumsdirektor. Die Atmosphäre an der Brücke ist laut Wehlend „emotional, aber alles andere als feindlich”.

Zum aktuellen Stand der Ermittlungen konnten beide VfL-Chefs nichts Neues verkünden. „Wir gehen davon aus, dass es möglich sein sollte, den oder die Täter zu ermitteln”, sagte Wehlend. Den Osnabrückern ist bewusst, dass nicht nur ein Feuerzeug, sondern bereits das ganze Spiel über mehrere Gegenstände geworfen wurden. Wehlend erklärte: „Wenn wir von einem Einzeltäter gesprochen haben, meinten wir die konkrete Situation, die zum Spielabbruch geführt hat.” Große Hoffnungen auf ein Wiederholungsspiel hegen die Osnabrücker nicht. „Im Rahmen der verschuldensunabhängigen Haftung der Vereine stehen die Chancen gering, dass es zu einem Wiederholungsspiel kommt”, sagte Wehlend. RB hat seinen Anwalt Christoph Schickhardt eingeschaltet, um eine mögliche Neuauflage zu prüfen. Eine Entscheidung des DFB-Sportgerichts fällt frühestens am Freitag und wohl spätestens Anfang nächster Woche. Ob die Auslosung für die zweite DFB-Pokal-Hauptrunde am Freitagabend stattfinden kann, ist weiter unklar. (mz)