Leader bei RB Leipzig

Leader bei RB Leipzig: Naturbursche Stefan Ilsanker: „Ich bin so fit wie nie”

Belek - Spieler, die mit Athletiktraining nicht viel anfangen können, gibt es bei RB Leipzig nicht.

Von Ullrich Kroemer 19.01.2016, 14:49

Spieler, die mit Athletiktraining nicht viel anfangen können, gibt es bei RB Leipzig nicht.

Fitness und Laufbereitschaft sind schließlich die Grundlage des laufintensiven Spiels, das Trainer Ralf Rangnick lehrt. Doch wie bei jeder Mannschaft kristallisieren sich in einer Vorbereitung, die RBL aktuell im türkischen Belek absolviert, verschiedene Trainingslagertypen heraus. Stefan Ilsanker gehört zur Sorte „Kann einfach nicht genug kriegen”. Auf dem Weg vom Trainingsplatz zum Hotel berichtet der defensive Mittelfeldspieler: „Natürlich ist es anstrengend. Aber ich bin der Typ, der es richtig geil findet, sich körperlich ans Limit zu bewegen, um zum Rückrundenstart topfit zu sein.” Zusätzlich zu den täglichen Trainingseinheiten absolviert er noch ein persönliches Trainingspensum. „Ich habe meine Ernährung umgestellt, schaue, dass ich für meine Beweglichkeit und Rumpfstabilität täglich zusätzlich Übungen mache und absolviere Extra-Krafttraining”, sagt Ilsanker.

Duchschlagender Erfolg

Offenbar mit durchschlagendem Erfolg: „So fit wie jetzt war ich bislang noch nie”, sagt der Österreicher. Auch deswegen ist der 1,88 Meter große Modellathlet bei Ralf Rangnick gesetzt. Nicht nur wegen seiner fußballerischen Qualitäten, auch als Führungsspieler ist der 26-Jährige bei RB Leipzig zur wichtigen Säule geworden. In einem Gespräch hat Rangnick seinen Stamm-„Sechser” einmal ebenso wie Marcel Sabitzer als „Naturburschen” bezeichnet, die so schnell nichts aus der Bahn werfen könne. Das trifft es ganz gut, und genau deswegen hat Rangnick ihn auch zu Saisonbeginn zu Rasenballsport gelotst.

Lockerer Umgang mit Erwartungshaltung

Ilsanker geht mit der Erwartungshaltung auch deswegen so locker um, weil er selbst genau den gleichen Anspruch an sich hat wie sein Coach. „Marcel Sabitzer und ich sind beide Nationalspieler und sind von einem Klub gekommen, der in den vergangenen Jahren international gespielt hat”, sagt er. „Insofern ist es unser Anspruch, gerade in der jungen Mannschaft bei RB Leipzig Verantwortung zu übernehmen.” Während andere Spieler zu viel Führungsanspruch schon einmal von sich weisen, will der Mann mit dem schönen Spitznamen „Ilse” genau diese Leaderrolle einnehmen. Intelligent und reflektiert sagt der Mann aus Hallein im Tennengau, nahe Salzburg: „Auf meiner Position ist das sicherlich ein mitentscheidender Faktor: Ich habe viele Spieler vor mir, kurze Wege zu den Zehnern, kann die Stürmer erreichen und die Innenverteidiger unterstützen. Da ist es extrem wichtig, auf dem Spielfeld aktiv und aufmerksam zu sein.”

Ilsanker, neben Marvin Compper und Kapitän Dominik Kaiser der älteste Feldspieler bei RB, ist mit Profifußball aufgewachsen. Sein Vater Herbert war als Torwart einst Profi bei Austria Salzburg und dem damaligen Zweitligisten FSV Mainz 05. „Schon als mich meine Mama ins Stadion mitgenommen hat, hat mich das Fußballfieber gepackt”, erzählt er. „Zu den Mitspielern meines Vaters habe ich aufgeschaut, das waren meine Idole. Bereits damals wollte ich unbedingt auch mal dahinkommen.” So hat Stefan Ilsanker bereits die Vereinsgründung von Red Bull Salzburg 2005 miterlebt – ein Kind des Red-Bull-Fußballs. „Ich war von Anfang an dabei und bin den Weg inzwischen über sieben, acht Jahre mitgegangen”, sagt Ilsanker. Die nahezu unbegrenzten Möglichkeiten haben ihn stets fasziniert; ebenso die Affinität des Investors zu anderen Sportarten. „Ich bin ein extrem interessierter Mensch, lasse mich leicht begeistern und habe riesigen Respekt vor anderen Sportlern oder auch Künstlern”, sagt Ilsanker.

Gestärkte Rückkehr nach Salzburg

Doch er musste zunächst den Umweg über den damaligen Kellerklub SV Mattersburg nehmen, um wieder gestärkt nach Salzburg zurückzukehren. Erst unter dem damaligen Trainer Roger Schmidt ging sein Stern auf. Zuvor hatte er zwar regelmäßig mittrainiert, aber nie regelmäßige Einsatzzeiten bekommen. Als Rangnick und Schmidt 2012 begannen, war das die Initialzündung für Ilsanker. „Ich habe mich in den vergangenen Jahren extrem weiterentwickelt. Mit dem neuen System, das Ralf Rangnick und Roger Schmidt in Salzburg eingeführt haben, hat sich meine Leistung schlagartig verbessert.” Noch heute schwärmt der zwölfmalige österreichische Nationalspieler in den höchsten Tönen von Schmidt.

„Roger Schmidt war zu diesem Zeitpunkt der beste Trainer, den ich mir hätte wünschen können”, sagt Stefan Ilsanker. „Er hat nach meinem Empfinden als Spieler, den Fußball noch einmal ganz neu erfunden. So wie er hat trainieren und spielen lassen – das hatte ich zuvor noch nicht gesehen. Taktisch und menschlich hat mich seine Schule sehr geprägt.” Schmidt war es auch, der Ilsanker als Leader auserkor – die Transformation vom Talent zum Leitwolf vollzog sich bei Ilsanker plötzlich rasend schnell. „Unter Roger Schmidt habe ich schon in Salzburg mehr und mehr Verantwortung übernommen, mehr und mehr Präsenz auf dem Platz ausgestrahlt”, sagt er. „Ich möchte immer vorn weg gehen.”

Spiel profítiert von Mannschaftsleistung

Nach anfänglichen Eingewöhnungsschwierigkeiten im neuen Team zeigt Ilsanker das nun auch bei RB Leipzig in jedem Training und in jedem Spiel. „Es war von Anfang an nicht schlecht, aber mein Spiel profitiert von der gesamten Mannschaftsleistung”, sagt Ilsanker über seine Entwicklung in dieser Saison. „Das Ganze brauchte auch auf Grund der vielen Neuzugänge einfach ein wenig Zeit, das war ein Entwicklungsprozess.” Ilsanker ist keiner, der durch seine individuelle Technik besticht, sondern dessen Leistung vielleicht stärker als bei anderen auch von seinen Mitspielern abhängig ist. „Wenn wir vorne gut Druck ausüben”, sagt er, „kann ich noch viel aktiver und aggressiver ins Pressing gehen und Bälle erobern als ohne die volle Unterstützung des gesamten Teams.”

Stefan Ilsanker ist selbstbewusst und stark genug, um in der kommenden Saison auch eine Liga höher durchstarten zu können. „Wir wollen auch in der Bundesliga eine gute Rolle spielen”, sagt er ganz selbstverständlich. Die deutsche Eliteliga wäre zweifelsohne ein Traum für ihn, doch noch mehr schwärmt er von der englischen Premier League. „Ich wollte immer meinen Weg gehen”, sagt er, „nach Deutschland auch, aber mein großer Traum war immer England. Ich hoffe, dass ich mir dieses Ziel irgendwann noch einmal erfüllen kann.” Bei seinem ersten Klub im Ausland spielte der „Sechser” übrigens schon im zarten Alter von neun Jahren. Während sein Vater in Mainz Bälle fing, kickte Ilsanker drei Jahre für den Mainzer Nachwuchs. Eine tolle Zeit sei das gewesen, erinnert er sich. Damals spielte er allerdings ebenso wie sein Vater im Tor. Gut, dass er sich später noch anders entschieden hat. Als athletischer Leader im defensiven Mittelfeld ist Ilsanker für RB Leipzig heute wertvoller als im Tor. (mz)