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Kommentar zur Tabellenführung in der 2. Liga

Kommentar zur Tabellenführung in der 2. Liga: RB Leipzig kann jetzt auch dreckige Siege

Leipzig - Nach dem 2:1-Arbeitssieg beim SV Sandhausen beschworen die Protagonisten von RB Leipzig vor allem ihre kämpferischen Tugenden. Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick sprach von einem „Abnutzungskampf”. Mittelfeldmann Rani Khedira nannte den vierten Sieg in Serie eine „Willensleistung”: „Es war harte Arbeit, bis wir die zwei Tore gemacht hatten.” Und Kapitän Dominik Kaiser sagte: „Wir haben so dagegen gehalten, wie es sich auswärts ...

Von Ullrich Kroemer 02.11.2015, 08:53

Nach dem 2:1-Arbeitssieg beim SV Sandhausen beschworen die Protagonisten von RB Leipzig vor allem ihre kämpferischen Tugenden. Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick sprach von einem „Abnutzungskampf”. Mittelfeldmann Rani Khedira nannte den vierten Sieg in Serie eine „Willensleistung”: „Es war harte Arbeit, bis wir die zwei Tore gemacht hatten.” Und Kapitän Dominik Kaiser sagte: „Wir haben so dagegen gehalten, wie es sich auswärts gehört.”

Keine Frage, RB Leipzig hat in den vergangenen Spielen begriffen, worauf es im Aufstiegskampf in der 2. Liga ankommt: eine kompakte Defensive, aggressives Auftreten und Effizienz beim Torabschluss. Die Statistik spiegelt das treffend wider: RBL hat nicht nur die meisten Torschüsse aller Teams abgegeben (221), sondern auch die meisten Fouls (256) verübt. Diese Mischung aus Angriffswucht und Defensivstabilität macht derzeit den Erfolg der Leipziger aus – das 0:3-Debakel im Pokal mit beinahe komplett veränderter erster Elf einmal ausgenommen.

Klick gemacht hat es beim 1:0-Auswärtssieg beim damaligen Tabellenführer VfL Bochum Mitte Oktober. Stabilität und Aggressivität, mit denen Rasenballsport im Ruhrpott auftrumpfte, waren stilprägend für die weiteren Auftritte. Die Gegner kommen gegen die Leipziger Abwehr kaum noch zu Torchancen, und in der Offensive ist das von Red Bull gesponserte Millionenteam schwer ausrechenbar. Mal trifft Sabitzer, mal Forsberg oder wie am Sonntag Linksverteidiger Halstenberg, der das Siegtor nach einem Eckball erzielte. Wenn spielerisch mal kein Durchkommen durch die engen Abwehrreihen ist, kann RB neuerdings auch Tore nach Standards erzielen – auch ein Erfolgsgeheimnis der letzten Wochen.

Nun steht RB erstmals seit dem 3. Spieltag der Saison 2014/15 wieder an der Tabellenspitze. Mit 26 Punkten liegt die Rangnick-Elf genau im angepeilten Zwei-Punkte-Schnitt. Wenn nun noch die spielerische Klasse des 40-Millionen-Euro-Kaders dauerhaft zum Vorschein kommt, wird RB auf dem Weg in die Bundesliga nicht zu stoppen sein. Bisher hatte Rasenballsport so wie beim 3:2-Spektakel gegen Nürnberg nur angedeutet, wozu das Team spielerisch in der Lage ist. Doch nach der Akklimatisierungsphase zum Saisonstart haben Rangnick und sein Team verinnerlicht, dass es in dieser Saisonphase nicht auf Zauberfußball, sondern auch mal auf dreckige Siege, bisweilen garniert mit einem Quäntchen Glück, ankommt.