Kommentar zum Saisonstart RB Leipzigs

Kommentar zum Saisonstart RB Leipzigs: Das Warten auf den Rangnick-Effekt

Leipzig - Nach fünf Spieltagen in der 2. Liga muss Ralf Rangnick mit einem Zähler bei Union Berlin und insgesamt acht Punkten halbwegs zufrieden in die Länderspielpause gehen. Das war vor dem Saisonstart nicht zu erwarten gewesen. Schließlich hatte der Leipziger Trainer und Sportdirektor sein Team ausgestattet wie einen Erstligisten. Doch nach der perfekten Vorbereitung kam unter Wettbewerbsbedingungen plötzlich vieles abhanden, was schon erarbeitet schien. Mal gab es Probleme im Spiel mit dem Ball, dann gegen den Ball. Konfuse Abwehrarbeit, undiszipliniertes Positionsspiel, schlechte Spieleröffnung und Schlafmützigkeit in der Anfangsphase wechselten sich ab. Und zuletzt in Berlin fehlte der letzte, präzise Pass, um nicht nur viel Ballbesitz zu haben, sondern auch Torchancen zu ...

Von Ullrich Kroemer

Nach fünf Spieltagen in der 2. Liga muss Ralf Rangnick mit einem Zähler bei Union Berlin und insgesamt acht Punkten halbwegs zufrieden in die Länderspielpause gehen. Das war vor dem Saisonstart nicht zu erwarten gewesen. Schließlich hatte der Leipziger Trainer und Sportdirektor sein Team ausgestattet wie einen Erstligisten. Doch nach der perfekten Vorbereitung kam unter Wettbewerbsbedingungen plötzlich vieles abhanden, was schon erarbeitet schien. Mal gab es Probleme im Spiel mit dem Ball, dann gegen den Ball. Konfuse Abwehrarbeit, undiszipliniertes Positionsspiel, schlechte Spieleröffnung und Schlafmützigkeit in der Anfangsphase wechselten sich ab. Und zuletzt in Berlin fehlte der letzte, präzise Pass, um nicht nur viel Ballbesitz zu haben, sondern auch Torchancen zu kreieren. 

Bislang haben RB Leipzigs Kicker ihren Chef in jedem der sechs Pflichtspiele mit neuen Unzulänglichkeiten überrascht. Nicht ein oder zwei Schwachstellen, an denen sich konsequent arbeiten lässt, sondern ein ganzer Blumenstrauß an Problemen zeigt sich dieser Tage im RB-Spiel. Die „Roten Bullen” dürften sich jedenfalls nicht beschweren, hätten sie statt der acht nur vier oder fünf Zähler auf dem Konto. Ohne den Spielabbruch von Osnabrück wären die Sachsen wohl zudem früh im DFB-Pokal gescheitert.

Spieler mit System überfordert?

Was Transfers angeht, spricht man bei RBL vom „Rangnick-Trumpf”. Auf dem Platz hingegen greift der Rangnick-Effekt bislang noch nicht wie gewünscht. Wenn seine Spieler die komplexe und intensive Spielphilosophie nicht optimal umsetzen, bot das System bisher zahlreiche Angriffsflächen für die Gegner. Bisweilen wirkte es, als seien Rangnicks Spieler zu sehr damit beschäftigt, sich in dem komplizierten Spielsystem zurechtzufinden und hätten darüber vergessen, Fußball zu spielen. Zudem scheint es den Gästetrainern nicht sonderlich schwer zu fallen, ihre Mannschaften auf die Leipziger einzustellen; doppelt motiviert ist gegen den wenig beliebten Ligafavoriten RB ohnehin jeder Gegner.

Die große Anfangseuphorie in Leipzig ist jedenfalls nach dem 0:1 gegen St. Pauli vor ausverkauftem Haus fürs Erste gewichen. Rangnick und sein Team werben daher um Geduld und beschwören, emsig an der Umsetzung des Spielsystems zu arbeiten. Rangnick-Teams seien Spätzünder heißt es angesichts der komplexen Anforderungen des Startrainers. Nicht umsonst gilt der Fußballlehrer als Entwickler für Spieler, Mannschaften, Klubs. Immerhin zeigt der spielerische Trend nach oben. Bislang jedoch war der große Unterschied zur Vorsaison noch nicht auszumachen. Der Beweis, dass Rangnick und sein Team die Liga prägen können, steht noch aus. (mz)