Blamage in Unterhaching

Blamage in Unterhaching: Pokalkater bei RB Leipzig – „Wir haben alle versagt”

Leipzig - Eine Fußballmannschaft ist ein fragiles Gebilde. Die individuelle Qualität der einzelnen Spieler lässt sich nicht ohne weiteres summieren. Das weiß auch RB Leipzigs Trainer Ralf Rangnick. Dennoch entschied sich der 57-Jährige vor dem blamablen 0:3 bei Regionalligist Unterhaching dafür, seine Mannschaft gleich auf neun Positionen zu verändern. „Wenn wir die in so einem Spiel nicht bringen, dann nie wieder. Ich würde es wieder so machen”, rechtfertigte sich Rangnick bei Sky. „Hinterher ist man zwar schlauer, aber die Entscheidungen müssen vor Anpfiff getroffen ...

Von Ullrich Kroemer 28.10.2015, 09:47

Eine Fußballmannschaft ist ein fragiles Gebilde. Die individuelle Qualität der einzelnen Spieler lässt sich nicht ohne weiteres summieren. Das weiß auch RB Leipzigs Trainer Ralf Rangnick. Dennoch entschied sich der 57-Jährige vor dem blamablen 0:3 bei Regionalligist Unterhaching dafür, seine Mannschaft gleich auf neun Positionen zu verändern. „Wenn wir die in so einem Spiel nicht bringen, dann nie wieder. Ich würde es wieder so machen”, rechtfertigte sich Rangnick bei Sky. „Hinterher ist man zwar schlauer, aber die Entscheidungen müssen vor Anpfiff getroffen werden.”

Doch vor allem die vier Akteure in der komplett neu formierten Abwehrreihe leisteten sich grobe Schnitzer. Linksverteidiger Anthony Jung war ein Totalausfall, hatte das 1:0 ermöglicht, diverse Freistöße an der Strafraumgrenze verursacht und musste nach 25 Minuten Rot gefährdet ausgewechselt werden. Für seinen indisponierten Nebenmann Atinc Nukan kam der Einsatz nach langer Verletzungspause wohl zu früh; der Türke leistete sich ungelenke Unsicherheiten und versuchte es im Spielaufbau immer wieder mit langen Bällen nach vorn – das falsche Mittel.

Unerklärliche Patzer in der Defensive

Während sich Routinier Tim Sebastian noch einigermaßen schadlos hielt, patzte Georg Teigl vor dem 3:0 – der endgültige Todesstoß für das Team. Die Leistung seiner Viererkette war auch für Rangnick unerklärlich. „Alle vier waren bei uns schon absolute Stammspieler und haben trotzdem diese Fehler gemacht”, staunte der Fußballlehrer. „Wenn ich mir die Tore zum 1:0 und 3:0 anschaue – da war keine Gefahr. Aber wenn wir die Bälle unter der Sohle durchrutschten lassen oder zum Gegenspieler hinspielen, dann passieren solche Fehler und werden selbst auf dem Niveau bestraft.”

Im Angriff hatte Davie Selke die besten Gelegenheiten (48., 59.). Doch auch der U21-Nationalspieler wirkte gehemmt, brachte die Bälle nicht aufs Tor. Ganz zu schweigen von Yussuf Poulsen, der keine einzige gefährliche Gelegenheit hatte. Nils Quaschner mühte sich zwar, fand aber ebenso nicht in die Partie.

Kapitän Dominik Kaiser fand nach der Klatsche die deutlichsten Worte. „0:3 ist ein brutales Ergebnis, ein Riesen-Rückschlag, das tut richtig weh”, sagte der eingewechselte Spielführer. Die ungewöhnliche Aufstellung wollte er allerdings nicht verantwortlich für die schlechteste Saisonleistung machen. „Natürlich ist das immer nicht ganz einfach, die Mannschaft hat so in einem Pflichtspiel auch noch nicht zusammengespielt. Aber die individuelle Qualität war hoch”, sagte der 27-Jährige. „Die, die reinkamen haben es dann auch nicht geschafft, das noch zu wenden. Wir haben alle versagt, sind zu Recht ausgeschieden.”

Welche Auswirkungen das Pokal-Debakel nun auf den Auftritt von Rasenballsport am Sonntag in der 2. Liga beim SV Sandhausen (13.30 Uhr) hat, ist ungewiss. Nur darf als sicher gelten: Von den Reservisten, die gegen Unterhaching auf dem Platz standen, hat sich keiner für die Startelf angeboten. Im Gegenteil: Einige Kicker haben sich durch den blamablen Auftritt eher ins Abseits gespielt.