0:3-Pleite im DFB-Pokal

0:3-Pleite im DFB-Pokal: RB Leipzig blamiert sich in Unterhaching

Leipzig - Verdiente Pokal-Überraschung für die SpVgg Unterhaching, blamables Aus für RB Leipzig: Der Underdog aus der Regionalliga hat Zweitligist Rasenballsport mit 3:0 (2:0) bezwungen. RBL-Trainer Ralf Rangnick hatte neun Spieler aus der zweiten Elf in die Startformation beordert – zu viel Rotation, wie sich herausstellte. Die Gäste agierten verunsichert und fehlerhaft und verloren auch in dieser Höhe zu Recht. So schaffte das Team von Trainer Claus Schromm mit einer mutigen und spielstarken Leistung wie bereits in der ersten Runde gegen Bundesligist FC Ingolstadt auch gegen RB Leipzig die ...

Von Ullrich Kroemer 27.10.2015, 21:41

Verdiente Pokal-Überraschung für die SpVgg Unterhaching, blamables Aus für RB Leipzig: Der Underdog aus der Regionalliga hat Zweitligist Rasenballsport mit 3:0 (2:0) bezwungen. RBL-Trainer Ralf Rangnick hatte neun Spieler aus der zweiten Elf in die Startformation beordert – zu viel Rotation, wie sich herausstellte. Die Gäste agierten verunsichert und fehlerhaft und verloren auch in dieser Höhe zu Recht. So schaffte das Team von Trainer Claus Schromm mit einer mutigen und spielstarken Leistung wie bereits in der ersten Runde gegen Bundesligist FC Ingolstadt auch gegen RB Leipzig die Sensation.

Ausgangslage

Pokal-Power bei Viertligist Unterhaching: Die Protagonisten des Tabellenfünften der Regionalliga Bayern äußerten sich vor dem Duell gegen RB Leipzig durchaus zuversichtlich. „Ich glaube es wird ein 2:1”, hatte Jonas Hummels, derzeit verletzter Bruder von Nationalspieler Mats, vor dem Vergleich zwischen Viert- und Zweitligist bei Sport1 gesagt. RB Leipzigs Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick glaubte hingegen: „Die Mannschaft ist so gefestigt, dass wir keine Überraschung zulassen.” In den beiden bisherigen Aufeinandertreffen in der Drittligasaison 2013/14 trennten sich die Kontrahenten jeweils remis.

Personalien

Neun Neue! Ralf Rangnick rotierte ordentlich durch und beließ lediglich „Sechser” Stefan Ilsanker und Stürmer Davie Selke in der Startelf. Dafür gaben Torhüter Peter Gulacsi und Stürmer Nils Quaschner ihr Startelf-Debüt. Zum ersten Mal nach seiner Verletzung im DFB-Pokal-Skandal-Spiel gegen den VfL Osnabrück konnte auch Fünf-Millionen-Mann Atinc Nukan wieder auflaufen. Bei Unterhaching standen im Vergleich zum vergangenen 2:1 gegen Aschaffenburg fünf Neue in der ersten Elf.

Fans

5000 Fans waren in den Unterhachinger Sportpark gekommen, um den Pokalfight zu sehen. Darunter waren auch einige Hundert Leipziger Fans, die nach 25 Minuten sangen: „Wir woll’n Euch kämpfen seh’n.” Die Hachinger Zuschauer übten sich per Banner in der reflexhaften RB-Kritik („Tradition statt Kommerz”), feierten ihr Team aber bereits Mitte der zweiten Hälfte („So was ha’m wir lange nicht gesehen.”).

Spielverlauf und Analyse

Der Regionalligist untermauerte die offensiven Ansagen vor der Partie von Beginn an auch mit mutigen Aktionen auf dem Platz. Ehe sich die beinahe komplett neu formierte Elf von RB gefunden hatte, stand es bereits 1:0. Nachdem Rani Khedira ein Duell im zentralen Mittelfeld verloren hatte, rutschte der Ball dem von Beginn an unglücklich agierenden Anthony Jung unter dem Fuß durch. Haching spielte mutig und schnörkellos von der starken, rechten Angriffsseite in den Strafraum, wo Georg Teigl Hachings Stürmer Thomas Steinherr umstieß. Doch Referee Robert Kampka pfiff keinen Strafstoß, sondern ließ weiterlaufen und so war es Markus Einsiedler, der aus zehn Metern einnetzte (5.).

Die Gäste waren ob des frühen Rückstands beeindruckt; Haching drängte weiter über die linke Abwehrseite von RBL, wo Innenverteidiger Atinc Nukan und Jung überfordert waren. So hatten Steinherr (8.) und der agile Alexander Piller (11.) weitere Möglichkeiten. Aus zwei von Jung verursachten Freistößen von der Strafraumgrenze konnte Haching keinen Profit schlagen, ehe es in der 23. Minute zum zweiten Mal im Kasten von Gulacsi einschlug. Der Ungar war nach einem Freistoß aus seinem Tor geeilt, hatte aber keine Chance, den Ball zu erreichen. Aus einer Abwehrtraube heraus landete das Spielgerät bei dem erste 19 Jahre alten Marco Rosenzweig, der die Nerven behielt und aus 14 Metern ins leere Tor schoss.

Rasenballsport hatte auch nach dem zweiten Gegentreffer wenig Zugriff auf das Spiel. Teigl (31.), Quaschner (34.) und Massimo Bruno (39.) versuchten es mit Distanzschüssen. Doch Hachings Keeper Stefan Marinovic war ein sicherer Rückhalt seines Teams.

In der zweiten Hälfte reagierte Rangnick, nahm Nukan vom Platz, zog Ilsanker in die Innenverteidigung und brachte dafür Stürmer Marcel Sabitzer ins Spiel, der die Partie belebte. Der schwache Anthony Jung war bereits in der 25. Minute Rot gefährdet ausgewechselt worden. Kurz nach Wiederanpfiff hätte Davie Selke nach einer Hereingabe von Sabitzer dann den Anschluss für die Leipziger herstellen müssen. Doch der U21-Nationalspieler schoss den Ball aus wenigen Metern nur neben das Tor (48.). Und auch in der 59. Minute verpasste Selke das Gehäuse nur knapp, als er abermals nach Pass von Sabitzer aus halblinker Position von der Strafraumgrenze abzog (59.).

Zwar schnürten die Sachsen den Underdog aus Bayern in den zweiten 45 Minuten in der eigenen Hälfte ein. Doch die Bayern kamen durch die weit aufgerückte Abwehr der Rasenballer zu einigen gefährlichen Kontermöglichkeiten – immer wieder über den starken Piller. Die größte Möglichkeit hatte Alexander Sieghart, der per Direktabnahme Gulacsi prüfte (54.). Ilsanker schnappte sich den Abpraller vor dem lauernden Steinherr. Doch wenig später gelang dem beim FC Augsburg ausgebildeten Hachinger Offensivmann die Vorentscheidung. Nach einem Abwehrpatzer von RBL-Rechtsverteidiger Georg Teigl hatte Steinherr den Ball plötzlich am Fuß und überwand Gulacsi zum 3:0 (67.). RB konnte nicht mehr reagieren und ergab sich der peinlichen Pleite.

Ausblick

RB Leipzig muss am Sonntag beim Tabellensiebten SV Sandhausen Wiedergutmachung (13.30 Uhr). Ex-Bundesligist Unterhaching holt der Ligaalltag nach dem Triumph mit der Partie beim TSV Buchbach wieder ein (Samstag, 14 Uhr).

Statistik

SpVgg Unterhaching
Marinovic – Bauer, Welzmüller (C), Winkler, Taffertshofer, Sieghart, Dombrowka, Einsiedler, Steinherr, Piller (64. Marseiler), Rosenzweig (46. Nicu)

RB Leipzig:
Gulácsi – Teigl, Sebastian (C), Nukan (46. Sabitzer), Jung (25. Halstenberg) – Ilsanker, Khedira – Bruno (72. Kaiser) – Poulsen, Selke, Quaschner

Tore:
1:0 Einsiedler (5.), 2:0 Rosenzweig (23.), 3:0 Steinherr (67.)

Gelbe Karte:
Winkler, Nicu, Taffertshofer | Jung, Ilsanker

Schiedsrichter:
Robert Kampka (Mainz)
(mz)