Fußball-EM

Matthäus sieht England als Titel-Favorit - Lob für Italien

Mit den beiden Halbfinal-Spielen Italien gegen Spanien und England gegen Dänemark geht die Fußball-EM in die entscheidende Phase. Lothar Matthäus schätzt die im Turnier verbliebenen Teams ein.

Von dpa
Glaubt an England und lobt die Italiener: Lothar Matthäus.
Glaubt an England und lobt die Italiener: Lothar Matthäus. Sven Hoppe/dpa

Düsseldorf - Lothar Matthäus sieht die Engländer als Titelfavorit der Fußball-EM, spricht den Italienern aber das größte Lob aus.

„Von den vier Halbfinalisten hat mir Italien bisher am besten gefallen. Sie haben in meinen Augen die beste Mischung an Qualitäten in der Mannschaft. Da passt sehr viel zusammen“, schrieb der 60 Jahre alte ehemalige Profi in einer exklusiven Kolumne für den internationalen Dienst der Deutschen Presse-Agentur vor der Partie der Squadra Azzurra am Dienstag (21 Uhr/ARD und MagentaTV) in London gegen Spanien.

Erster Anwärter auf den EM-Triumph sind nach Meinung des deutschen Rekordnationalspielers jedoch die Three Lions. „Dennoch ist England für mich nun leichter Favorit auf den Titel, weil sie zu Hause spielen. Der Faktor Publikum ist gerade in der heißen Phase des Turniers nicht zu unterschätzen. Ohne den Heimvorteil der Engländer würde ich die Italiener vorne sehen.“

Sieg gegen DFB-Team als Mutmacher

Matthäus verwies zudem auf den gewachsenen Mut des Teams von Trainer Gareth Southgate, das am Mittwoch (21.00 Uhr/ZDF und MagentaTV) ebenfalls im Wembley-Stadion auf Dänemark trifft: „Das 2:0 im Achtelfinale gegen den bisherigen Angstgegner Deutschland scheint sie befreit und ihnen viel Selbstvertrauen gegeben zu haben.“

Bei aller Wertschätzung für Spanien hat er beim Italien-Gegner Defizite ausgemacht: „Die Spanier haben eine hohe Qualität, das zeigt sich schon daran, dass sie stets sehr viel Ballbesitz haben. Aber sie sollten ihre Effizienz verbessern, sonst wird es schwer im Halbfinale gegen die kompakten Italiener.“

Am meisten überrascht hat Matthäus bisher der vierte Halbfinalist Dänemark. „An den Dänen sieht man auch, wie wichtig es ist, dass ein Trainer System und Taktik auf seine Mannschaft zuschneidet und die Spieler auf jenen Positionen spielen, auf denen sie am besten sind. Die Dänen probieren nichts aus, was sie nicht können“, urteilte der Weltmeister von 1990 und Europameister von 1980. „Jetzt sind sie allerdings der krasse Außenseiter, aber in dieser Rolle fühlen sie sich wohl.

Rangnick als Italien-Fan

Vor dem Halbfinale zwischen Spanien und Italien hat sich auch der ehemalige Bundesliga-Coach Ralf Rangnick als Fan der Italiener geoutet. „Sie vereinen alles, was modernen Fußball ausmacht: Nach vorne Tempo mit Tiefe und Spielwitz, trotzdem frühes Gegenpressing - und nach hinten eine richtig gute Restverteidigung“, sagte der 63-Jährige in einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“. Neben Dänemark seien die Azzurri „die Mannschaft, bei der das Zuschauen am meisten Spaß macht - während ich sonst auf der Couch einige Male eingenickt bin“.

Spanien bezeichnete Rangnick vor dem Duell mit Italien am Dienstag (21.00 Uhr/ARD) und Magenta TV) in London als „Sonderfall“ unter den vier Halbfinalisten. „Spitz formuliert: Sie genießen alle Nachteile ihres Ballbesitzfußballs. Aufgrund der hohen Qualität ihrer Spieler sind sie trotzdem in der Lage, Italien zu schlagen und Europameister zu werden“, sagte er. Das zweite Halbfinale am Mittwoch (21.00 Uhr/ZDF und Magenta TV) bestreiten England und Dänemark.