Handball-2.Liga

Spiel ohne Abwehr - DRHV holt bei 76-Tore-Spektakel gegen Bietigheim einen wichtigen Punkt

Von Tobias Grosse 18.11.2021, 09:49 • Aktualisiert: 18.11.2021, 11:02
Yannick Danneberg (hinten) und seine DRHV-Kollegen haben gegen Bietigheim zu selten beherzt zugepackt.
Yannick Danneberg (hinten) und seine DRHV-Kollegen haben gegen Bietigheim zu selten beherzt zugepackt. Foto: Storch

Dessau/MZ - Im Vergleich zu den anderen ganz großen Teamsportarten ist die Halbzeitpause im Handball eher kurz gehalten. Zehn, zwölf Minuten dauert es in der Regel nur, bis es weitergeht - was nicht selten dafür sorgt, dass einige Zuschauerinnen und Zuschauer die erste Phase des zweiten Spielabschnitts verpassen.

So ging es am Mittwochabend auch einigen der fast 900 Fans in der Anhalt-Arena. Das Ungewöhnliche diesmal daran: In der Zweitliga-Partie zwischen dem Dessau-Roßlauer HV und der SG BBM Bietigheim verpassten sie in den ersten nicht einmal zwei Minuten nach dem Seitenwechsel bereits fünf Treffer. Beide Mannschaften lieferten sich ein tempo- und torreiches Spektakel, das am Ende 36:36 endete.

Nur in zwei Spielen in dieser Saison in der zweiten Liga hat es mehr Tore gegeben

Die insgesamt 72 Tore im Duell der vorherigen Tabellennachbarn, wurden ligaweit in der laufenden Saison nur zweimal getoppt. Im Oktober, als der VfL Gummersbach gegen den TV Hüttenberg mit 40:36 gewann, und am Mittwochabend, erneut in einem Spiel mit Beteiligung des Spitzenreiters, der mit dem gleichen Ergebnis beim starken Aufsteiger VfL Eintracht Hagen verlor (siehe „Ergebnisse und Tabelle“). Logisch also, dass ein Satz in der Analyse von DRHV-Cheftrainer Uwe Jungandreas lautete: „Wir haben heute ein Spiel gesehen, in dem beide Abwehrreihen nicht funktioniert haben.“

Seine Mannschaft hatte nach ungewöhnlich langen drei Wochen ohne ein Pflichtspiel anfangs ein paar Probleme reinzukommen. „Man hat uns die Pause angemerkt“, fand Jungandreas. Nach etwas mehr als zehn Minuten hatten die Gäste, die seit Sommer vom früheren spanischen Weltklassespieler Iker Romero trainiert werden und mittelfristig wieder Richtung erste Liga schauen wollen, erstmals mit drei Treffern geführt (8:5), weil der DRHV nicht ins gewohnte und gefürchtete Tempospiel gekommen war und defensiv Lücken offenbarte. „Wir wollten eigentlich alles etwas schneller machen“, so Jungandreas, aber: „Unser Spiel war sehr zerfahren.“

Das änderte sich in der ersten Halbzeit erst spät. Nachdem Dessau-Roßlau sogar mit vier Treffern zurück gelegen hatten (7:11, 16.), drehten die Gastgeber ab der 22. Minute auf und machten aus einem 11:15-Rückstand - angeführt vom Top-Torschützen Max Emanuel (vier Tore in dieser Phase, zehn am Ende) - bis zur Pause ein 18:18. „Wir hatten dann mehr klare Aktionen“, lobte Jungandreas die Offensive seiner Mannschaft, in die der lange verletzten Oliver Seidler (Syndesmosebandriss) zurückgekehrt war.

Dessau und Bietigheim sind das hohe Tempo über 60 Minuten gegangen

Im zweiten Durchgang änderte sich das Bild des Spiels nicht. Beide Teams gingen hohes Tempo, hatten aber weiter keine funktionierenden Deckungen. „Wir haben zu viele Zweikämpfe verloren“, sagte Uwe Jungandreas zu den Gründen. Vor allem nach einfachen Kreuzbewegungen und Pässen an den Kreis kam Bietigheim immer wieder zu Torerfolgen. Und: „In so einem Spiel können am Ende Kleinigkeiten entscheiden“, so Jungandreas.

Wie die letzte Chance zum Beispiel: Sieben Sekunden vor dem Ende hatten die Gäste noch einmal einen Freiwurf aus einer aussichtsreichen Position. Als es jedoch darauf ankam, stand die Abwehr des DRHV, blockte den Versuch von Sven Weßeling und sicherte damit den Punkt, da der Nachwurf daneben ging. „Damit können beide Mannschaften leben“, sagte Jungandreas.

DRHV: Ambrosius, Malek; Löser (1), Hrstka (9/1), Sohmann (4/1), Bielzer, Haeske (1), Danneberg (2), Scheithauer (4), Gansau (n.e.), Emanuel (10), Seidler (1), Pust (3), Leu (1)