Handball-2.Liga

Nicht im Kampfmodus - DRHV verliert das Auswärtsspiel bei Schlusslicht Ferndorf

Der Dessau-Roßlauer HV verliert in Ferndorf, weil er zu spät richtig dagegen hält. Warum sich die mitgereisten Fans dennoch wie Sieger fühlen können.

Von Tobias Grosse 11.10.2021, 17:57
Der DRHV hat gegen Ferndorf zu wenig direkte Zweikämpfe gewonnen, wie hier Vincent Sohmann  gegen Jonas Faulenbach, der später verletzt mit einer Trage vom Feld musste.
Der DRHV hat gegen Ferndorf zu wenig direkte Zweikämpfe gewonnen, wie hier Vincent Sohmann gegen Jonas Faulenbach, der später verletzt mit einer Trage vom Feld musste. Foto: Mathias M. Lehmann

Ferndorf/MZ - Man kann den Fans des Dessau-Roßlauer HV ja vieles nachsagen. Dass sie sich in den sozialen Medien hier und da mal zu sehr von ihrer Emotionen leiten lassen, zum Beispiel. Oder dass sie sich ab und zu in der Wortwahl vergreifen. Am Samstagabend, als der DRHV beim TuS Ferndorf gespielt hat und von einem ganzen Bus voller Anhängerinnen und Anhänger unterstützt wurde, haben sie jedoch einmal mehr ein ganz feines Gespür bewiesen.

Als sich Ferndorfs Jonas Faulenbach in der 52. Minute beim Spielstand von 28:23 wohl schwer am Knie verletzt hat und am Boden lag, haben sie Sprechchöre für den 31-Jährigen angestimmt, der mit auf einer Trage aus der Halle gebracht werden musste - trotz drohender Niederlage. „Würde in der 2. Handball-Bundesliga ein Fairplay-Preis jenseits des sportlichen Tuns vergeben, die Fans des Dessau-Roßlauer HV hätten ihn verdient“, kommentierte Sportredakteur Lutz Großmann in der „Westfalenpost“ anerkennend.

DRHV-Fans dürfen sich trotz der Niederlage als Gewinner fühlen

Obwohl Dessau-Roßlau die Partie am Ende mit 27:32 verloren und Ferndorf damit den ersten Saisonsieg eingefahren hat, konnten sich zumindest die vielen mitgereisten Fans als kleine Gewinnerinnen und Gewinner fühlen. Punkt gibt aber freilich keine, die hat die Mannschaft von Cheftrainer Uwe Jungandreas am Samstagabend bereits in der ersten Halbzeit verspielt. „Wir haben es nicht geschafft, in den Kampfmodus zu kommen“, sagte Jungandreas nach der Partie. Das Duell mit dem bis dato Tabellenletzten sei eine Art Vorgeschmack auf den Abstiegskampf gewesen, sagte der Trainer. Das hat der DRHV zu spät angenommen. „Wir wollten vieles spielerisch lösen, das ging in die Hose.“

Ferndorf machte von Beginn an einen wacheren und spritzigeren Eindruck und führte bereits früh mit 4:1 (5.). Hatte die im Sommer einstudierte 5:1-Abwehr des DRHV in den vergangenen Wochen noch mehrfach gut funktioniert, bekam sie diesmal keinen Zugriff. „Ferndorf hat die Zweikämpfe im Angriff und in der Abwehr gewinnen können“, sagte Jungandreas, der erstmals in dieser Saison Timo Löser nach seinem Fingerbruch in der Vorbereitung einsetzen konnte, der mit sechs Toren direkt erfolgreichster Werfer war.

Allerdings musste der Trainer dafür auf Max Emanuel (Wade) sowie auf die Langzeitverletzten Oliver Seidler, Daniel Schmidt und Libor Hanisch verzichten. Zu allem Überfluss sah Emanuel-Ersatz Lennart Gliese kurz vor der Halbzeitpause nach einem Foul die Rote Karte. Der DRHV lag beim Gang in die Kabine mit fünf Toren zurück (12:17). „Das ging in Ordnung“, so Uwe Jungandreas. Die vielen personellen Ausfälle trugen „sicherlich zu allem bei“.

DRHV konnte nur noch auf zwei Tore verkürzen - mehr gelang nicht

Im zweiten Abschnitt verbesserte sich Jungandreas’ Mannschaft jedoch. Die Abwehr stand nach der Umstellung auf eine 6:0-Formation stabiler, so dass die Gäste in der 40. Minute auf zwei Tore Differenz verkürzen konnten. Ferndorf brauchte allerdings nur eine Minute, um wieder auf plus Vier zu stellen. „Wir hatten dann noch zweimal die Chance bis auf zwei Tore heranzukommen, haben allerdings entweder den Ball verloren oder die freie Chance nicht reingemacht“, so der Trainer.

Somit stand für den Dessau-Roßlauer HV am Ende die dritte Niederlage in dieser Saison zu Buche. „Es hat verdient die Mannschaft gewonnen, die das vom Kampf her einen Tick mehr wollte“, meinte Jungandreas, der mit seiner Mannschaft am kommenden Wochenende den VfL Lübeck-Schwartau in der Dessauer Anhalt-Arena erwartet, der ebenfalls 4:6 Punkte hat.

DRHV: Ambrosius, Malek; Löser (6), Hrstka (5), Sohmann (6/4), Bielzer (1), Haeske, Gliese (2; Rot, 30., Foulspiel), Danneberg (2), Neumann, Scheithauer (2), Pust (2), Leu (1)