Handball-2.Liga

DRHV steht vor dem Auswärtsspiel in Ferndorf und setzt auf das Tempo von Neuzugang Yannick Pust

Der DRHV hat in den letzten Wochen zum gefürchteten Tempospiel zurückgefunden. Welche Rolle Neuzugang Yannick Pust dabei spielt.

Von Tobias Grosse 09.10.2021, 10:00
Yannick Pust ist aktuell einer der besten Gegenstoß-Spieler der Liga.
Yannick Pust ist aktuell einer der besten Gegenstoß-Spieler der Liga. Foto: Marian Storch

Dessau/MZ - Wenn der Dessau-Roßlauer HV einen Gegentreffer kassiert, passieren mehrere Dinge relativ zeitgleich. Im Kopf von Trainerfuchs Uwe Jungandreas läuft die erste kurze Analyse, wo der Fehler war und wie er zu beheben ist. Die Fans des Handball-Zweitligisten ärgern sich derweil, während der Torwart, entweder Philip Ambrosius oder Julian Malek, den Ball aus dem Netz holt. Und Yannick Pust steht in diesem Moment schon wieder an der Mittellinie - bereit für den Gegenangriff. „Das bringt meine Position mit sich“, meint der seit Juli neue Rechtsaußen des DRHV.

Es klingt so lapidar, wenn der 22-Jährige, der aus Wilhelmshaven kam, darüber spricht - ist es aber nicht. Das Tempo, das Pust regelmäßig nach vorne geht, ist in den vergangenen Jahren kaum ein anderer Dessau-Roßlauer gegangen. Ob beim schnellen Anwurf nach einem Gegentreffer oder im Konter nach einem Ballgewinn in der Abwehr: Pust ist immer vorne mit dabei, auch wenn er den Ball nicht hat oder bekommt.

DRHV geht wieder verstärkt auf Tempo

Die gesamte Spielanlage des DRHV hat sich in den zurückliegenden Wochen etwas verändert. Die Mannschaft von Jungandreas hat wieder zum einst so gefürchteten Tempospiel gefunden. „Das hat eine Weile gefehlt“, sagte der Coach vor ein paar Wochen nach dem starken Heimsieg gegen Bundesligaabsteiger Ludwigshafen und fügte an: „Ich hoffe, dass wir es wieder zu unserer Haupteigenschaft machen.“ Die Partien in Gummerbach und zu Hause gegen Eisenach haben gezeigt, dass die Mannschaft ihrem Trainer diesen Wunsch erfüllt. „Wir gehen echt Mordstempo“, sagt Pust.

Er selbst ist so etwas wie eine Initialzündung dafür. Der 22-Jährige hat bereits sieben seiner 21 Saisontore nach Tempogegenstößen erzielt und liegt damit in dieser Statistik ligaweit auf Rang drei hinter Coburgs Florian Billek (14) und Gummersbachs Hakon Styrmisson (9). Es ist eine Sache der Kausalität: Dass der DRHV wieder schnelleren Handball spielt, „kommt meiner Spielweise entgegen“, sagt Pust. Das es so sein kann, liegt aber auch unmittelbar daran, dass Dessau-Roßlau mit Pust einen Spieler dazugewonnen hat, mit dem man so spielen kann. „Ich denke, ich setze das, was der Trainer fordert, gut um.“

Vor allem beim zweiten Saisonsieg gegen Eisenach in der letzten Woche hat der Linkshänder ein starkes Spiel gemacht. Zehn Treffer standen am Ende für ihn auf dem Bogen, bei nur zwei Fehlwürfen. Diese Sicherheit war bis dato nicht die Regel. In den ersten drei Partien hat Pust nur elf von 19 Versuchen im Tor unterbringen können. „Für die gesamte Bewertung eines Spielers zählen zwar auch noch andere Dinge, wie die Abwehr, aber die Quote ist natürlich auch ein wichtiger Indikator.“ Und klar, die nicht mal 60 Prozent „haben mich genervt“, so Dessau-Roßlaus neuer Flügelspieler vor dem Auswärtsspiel bei TuS Ferndorf an diesem Samstagabend (19 Uhr, live auf sportdeutschland.tv). Aber: „Ich bin noch jung und kann noch viel lernen.“

Ungewöhnliche Zusatzlast - Pust absolviert noch Bankkaufmann-Ausbildung

Das macht Yannick Pust mit der Zusatzbelastung einer Lehre. Während andere Zweitliga-Spieler in seinem Alter neben dem Profisport meist „nur“ studieren, ist er bei der Volksbank im dritten Jahr seiner Bankkaufmann-Ausbildung. „Es sind zwar oft sehr lange und anstrengende Tage“, erzählt der 22-Jährige, „aber ich bekomme große Unterstützung von meinem Arbeitgeber und weiß auch, wofür ich es mache.“ Pust denkt bereits an die Zukunft. Genauso, wie er nach einem Gegentor gedanklich schnell schon wieder im eigenen Angriff ist.