Rückblick

Weihnachten in der DDR: 8 Dinge, die Sie garantiert nicht wussten

Halle (Saale) - Die DDR-Führung tat sich schwer mit Heiligabend und Weihnachten. Christlich grundierte Festivitäten passten nicht so recht in den atheistischen Arbeiter-und-Bauern-Staat.

Von Gero Hirschelmann Aktualisiert: 25.12.2021, 10:25
Eine Frau schaut auf die DDR-Schallplatte "Weihnachten in Familie" in Magdeburg
Eine Frau schaut auf die DDR-Schallplatte "Weihnachten in Familie" in Magdeburg dpa-Zentralbild

Halle (Saale) - Die DDR-Führung tat sich schwer mit Heiligabend und Weihnachten. Christlich grundierte Festivitäten passten nicht so recht in den atheistischen Arbeiter-und-Bauern-Staat.

So versuchte die SED bis in die 80er Jahre, das Familienfest säkular umzudeuten in ein „Fest der Friedens“ oder kürzer in „das Fest“. An dieser Stelle seien die kuriosen Auswüchse dieses Kampfes erzählt. 

Wann die DDR-Führung aufhörte, aktiv gegen Weihnachten zu kämpfen: Bereits 1958 erschien ein weltanschauliches Erbauungsbuch mit dem Titel „Friede schafft der Mensch allein“. Das bot „Material für Veranstaltungen zur Weihnachtszeit in Schulen, Betrieben, Pionier- und FDJ-Gruppen“ an. Das aus der Sowjetunion importierte „Großväterchen Frost“ wurde zu einem Folklore-Rivalen aufgebaut, das Weihnachtsgeld in Jahresendprämie umgewidmet. Es sollte nichts nützen. 1982 erklärte das SED-Politbüromitglied Kurt Hager im Gespräch mit westdeutschen DKP-Genossen: „Weihnachten haben wir längst verloren.“

 Woran das „Stollenschenkverbot“ scheiterte: DDR-Wirtschaftsfunktionär Alexander Schalck-Golodkowski forderte 1978 ein sogenanntes Stollenschenkverbot, da einige Zutaten wie Mandeln, Korinthen und Orangeat für teure Devisen aus dem Westen importiert werden mussten. Sein simpler Gedanke: Wenn es keinen Stollen gibt, müssen wir auch keine D-Mark ausgeben. Angesichts der Empfindlichkeiten, an die ein solches Verbot gerührt hätte, wurde der Vorschlag jedoch zu den Akten gelegt.

Warum bis heute nicht klar ist, ob es „geflügelte Jahresendfiguren“ wirklich gab: Geflügelte Jahresendflügelfigur soll ein offizieller Begriff für Weihnachtsengel der DDR gewesen sein. Ob der Begriff ironisch verwendet wurde oder staatlich verordnet war, ist strittig. Auch die Herkunft ist unklar. Die Schöpfung des Begriffs wird oft der einzigen DDR-SatirezeitschriftEulenspiegel zugeschrieben. Das Wort ist im 1986 erschienenen Buch „Wörtliche Betäubung“ des Eulenspiegel-Autors Ernst Röhl enthalten, in der bürokratische Auswüchse der DDR-Sprache aufs Korn genommen werden. Dem Historiker Bodo Mrozek zufolge geht Röhl davon aus, das Wort nicht erfunden, sondern tatsächlich an einem Verkaufsstand gesehen zu haben. Mrozek widmete dem Wort einen ausführlichen Artikel im ersten Band seines Buches Lexikon der bedrohten Wörter. Die genaue Herkunft lasse sich aber bis heute nicht belegen.

Wieso es in der DDR „U-Boot-Christen“ gab: Pfarrer konnten sich Weihnachten über volle Kirchen freuen – oder ärgern. Denn die meisten Kirchgänger in der Heiligen Nacht waren sogenannte U-Boot-Christen – das ganze Jahr auf Tauchfahrt, nur einmal im Jahr sichtbar auf offener See. 

Wie bei DDR-Weihnachtsliedern getrickst wurde: "Guten Abend, schön Abend, es weihnachtet schon …" war eines der beliebtesten Weihnachtslieder, die in der DDR verbreitet waren. Das Ehepaar Hans und Ilse Naumilkat hat dieses Lied in den 1950er Jahren geschrieben. Die Melodie, so sagten sie, stamme von einem Volkslied aus der Eifel, einem angeblich weltlichen Scherzlied. In Wahrheit stammte die Melodie von einem Lied aus Österreich – und das hatte schon einen christlichen Inhalt: "Gegrüßt seist Maria, jungfräuliche Zier, Du bist voll der Gnaden, der Herr ist mit Dir …" 

Wie bei DDR-Weihnachtsliedern getrickst wurde II: Die Trickserei trieb merkwürdige Blüten. So wurden auch alte Weihnachtslieder mit nichtchristlichem Inhalt geändert. In Hoffmann von Fallerslebens Lied "Morgen kommt der Weihnachtsmann" aus dem 19. Jahrhundert heißt es im Original: "Trommel, Pfeife und Gewehr, Fahn‘ und Säbel und noch mehr, ja ein ganzes Kriegesheer möchte‘ ich gerne haben!“ Hans Sandig, Leiter des Rundfunkkinderchors Leipzig, schrieb diesen Text um: "Wiege, Puppe, ei der Daus, Zuckerzeug und Knusperhaus, ja ein ganzes Puppenhaus möcht‘ ich gerne haben!" 

Wie der Seiffener Räuchermann zum Zahlungsmittel wurde: Mit einem originalen Seiffener Räuchermann konnte man mehr als nur schöne Gerüche und Weihnachtsstimmung verbreiten. Matthias Merten, der 1985 eine Räuchermann-Manufaktur in Seiffen gründete, erinnert sich: „Wir nannten das die 'Seiffener' Währung. Für 'n Nussknacker oder mal 'n Räuchermann bei uns, da konnten sie schon mal was dafür kriegen. Ob 's mal 'n Trabi-Reifen war, oder auch zum Beispiel Obst kam immer einer aus der Lommatzscher Gegend, weil er dort 'n Geschäft hatte, unsere Sachen dort verkaufte und der brachte immer mal was mit.“

Was ein Nazi-Bunker mit der DDR-Weihnacht zu tun hatte: Der ehemalige Reichsbahnbunker Friedrichstraße in Berlin-Mitte diente nach 1945 Textillager und wurde ab 1957 als Lagerraum für Trocken- und Südfrüchte aus Kuba durch den „Volkseigenen Betrieb Obst Gemüse Speisekartoffeln“ genutzt. Die Bevölkerung nannte das Gebäude daher „Bananenbunker“. In der Weihnachtszeit wurden dort neben Südfrüchten auch beispielsweise Mandeln gelagert. So wurde neben dem Namen „Bananenbunker“ auch der Name „Weihnachtsbunker" verwendet.