Kommunikation

Veränderte Kommunikation: Apps verdrängen E-Mails und Telefonate

Mehr als 170 Jahre lang diente das Telefon vor allem zum Telefonieren. Über ein Vierteljahrhundert war das Schreiben von elektronischen Nachrichten die beliebteste Art der Nutzung von miteinander verbundenen Datennetzen. Doch so sehr das Telefon mit dem Siegeszug des Smartphones seinen Hauptzweck geändert hat, so deutlich ändert sich nun auch die Art und Weise, wie Menschen die Möglichkeiten des Internets nutzen.

Mehr als 170 Jahre lang diente das Telefon vor allem zum Telefonieren. Über ein Vierteljahrhundert war das Schreiben von elektronischen Nachrichten die beliebteste Art der Nutzung von miteinander verbundenen Datennetzen. Doch so sehr das Telefon mit dem Siegeszug des Smartphones seinen Hauptzweck geändert hat, so deutlich ändert sich nun auch die Art und Weise, wie Menschen die Möglichkeiten des Internets nutzen.

Immer weniger Telefonate und Mails

Noch vor zehn Jahren führten die Deutschen pro Jahr etwa 200 Milliarden Minuten Telefongespräche an Festnetzapparaten. Seitdem explodierte die Zahl der Smartphone-Besitzer von nahe Null auf rund 50 Millionen - und die Gesprächsdauer über das Festnetz brach um ein Viertel ein.

Der guten alten E-Mail, 1971 vom Computertechniker Ray Tomlinson für das Arpanet des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums entwickelt, droht dasselbe Schicksal. Noch wächst zwar die Zahl der geschriebenen und versendeten Mails kontinuierlich - in den zurückliegenden 16 Jahren versechzehnfachte sie sich von 32 Milliarden auf inzwischen 537 Milliarden.

Doch nach aktuellen Zahlen des Social Media-Atlas 2015/2016 der Hamburger Kommunikationsberatung Faktenkontor und der Marktforschungsagentur Toluna könnte es das schon bald gewesen sein.

Messenger-Dienste gefragt

Denn für junge Internet-Nutzer ist die E-Mail keine Alternative mehr, um im Kontakt mit Familie, Freunden und Bekannten zu bleiben. Bei sogenannten Web-2.0-affinen Menschen unter 30 sind Messenger-Dienste wie Whats-App oder Threema heute schon der meistgenutzte Kanal für die Kommunikation mit Freunden und Familie.

81 Prozent der 14- bis 19-jährigen und 75 Prozent der 20- bis 29-jährigen Social-Media-Nutzer in Deutschland verwenden die Messenger-Dienste für den Kontakt zum privaten Umfeld. E-Mails dagegen schreiben junge Internet-Nutzer kaum noch. Lediglich neun Prozent der 14- bis 19-Jährigen und 14 Prozent der 20- bis 29-Jährigen verfassen häufig E-Mails an ihre Freunde, Familie oder Bekannte.

Mails bei Älteren beliebter

Je jünger und social-media-begeisterter, desto weniger Chancen hat die gute alte E-Mail. Mit zunehmendem Alter dagegen zieht die E-Mail-Nutzung an, während die Instant Messenger immer weniger zum Einsatz kommen.

In der Altersgruppe der über 60-Jährigen schreiben deutsche Nutzer heute noch häufiger E-Mails an ihr privates Umfeld als Messenger-Nachrichten. Knapp siegt die E-Mail hier noch über Dienste wie WhatsApp oder Threema: 39 Prozent schreiben häufig E-Mails, nur 34 tippen lieber in den Messenger.

Dabei wurden hier allerdings 3.518 Internet-Nutzer befragt, die sich selbst als Social-Media-Nutzer bezeichnen und damit für einen wachsenden Anteil der Besitzer von Internetanschlüssen in Deutschland stehen.

Getrennte Internetnutzer

Das sind im Augenblick etwa 56 Millionen Menschen, von denen mittlerweile etwa 35 Millionen in einem sozialen Netzwerk angemeldet sind. 111 Minuten verbringen die Deutschen nach der letzten Onlinestudie von ARD und ZDF täglich im Netz - 42 Minuten davon allein beim Marktführer Facebook. Dahinter liegen der Bloganbieter Tumblr, die Foto-Plattformen Pinterest und Instagram und der Kurznachrichtendienst Twitter.

Weil die Zahlen aus unterschiedlichen Erhebungen stammen, ergeben sie addiert sogar eine höhere Verweildauer in Netzwerken als im Netz. Die Richtung aber stimmt.

Aus den offenen Anfängen der Netzkultur, als es nirgendwo eine Anmeldepflicht gab, ist ein Nebeneinander von abgeschirmten Plattformen und Apps geworden, deren Mitglieder nicht einmal mehr miteinander kommunizieren könnten, wenn sie es wollten.

Threema-Nutzer erreichen nur Threema-Nutzer, Telegram-Nutzer nur Telegram-Nutzer, der Facebook-Messenger gehört derselben Mutterfirma wie WhatsApp, kann dort aber sowenig gelesen werden wie ein Google+-Chat, eine Twitter-Mitteilung oder eine Pinterest-Nachricht. (mz/stk)