Kadaver in der Arktis"Zombie-Virus" im ewigen Eis entdeckt: Forscher warnen vor uraltem Erreger

So manch archäologischer Fund wurde schon unter dicken Eisschichten in der Arktis frei gelegt. Jüngst erschienen durch das klimabedingte Schmelzen des Eises Tierkadaver, vor deren gefährlichen Viren Forscher nun warnen.

Aktualisiert: 30.11.2022, 11:58
Ein internationales Wissenschaftler-Team untersucht am 23.10.2007 im russischen Salechard (Jakutien) die Überreste des Mammut-Babys Ljuba, das in der Nähe des Ortes im Permafrostboden entdeckt wurde. Funde wie diese könnten unbekannte Viren freisetzen.
Ein internationales Wissenschaftler-Team untersucht am 23.10.2007 im russischen Salechard (Jakutien) die Überreste des Mammut-Babys Ljuba, das in der Nähe des Ortes im Permafrostboden entdeckt wurde. Funde wie diese könnten unbekannte Viren freisetzen. Foto: Tkachev Andrei/Archiv/Symbol/dpa

Magdeburg/DUR - Ein Team aus zwölf Forschern hat kürzlich eine bislang unveröffentlichte Studie auf „bioRxiv“ - eine Plattform für biowissenschaftliche Publikationen - hochgeladen. In dieser werden  Ergebnisse ihrer Funde aus dem Eis dargelegt.

Den Forschern soll es gelungen sein, 13 bislang unbekannte Virentypen aktiviert zu haben. Sie stammen aus den Eingeweiden eines eingefrorenen Wolfs und der Wolle von mehreren Mammuts. Das Wissenschaftsportal spektrum.de berichtete, dass hierbei sogar ein 50.000 Jahre altes Virus im Labor wiederbelebt wurde – ein neuer Weltrekord. In mehreren Medienberichten wird dieses Virus auch als "Zombie-Virus" betitelt.

"Zombie-Virus" im Permafrost: Details und Risiko noch unklar

Es handle sich um ein sogenanntes Riesenvirus, das lediglich primitive Einzeller, so zum Beispiel Amöben, infizieren würde. Doch die Forscher warnen dennoch. Es könnten noch weitere, unbekannte Viren im Permafrost freigelegt werden. Es sei daher nicht auszuschließen, dass manche auch für den Menschen eine Gefahr sein könnten.

Lesen Sie auch: RS-Virus bei immer mehr Kindern in Sachsen-Anhalt

Nicht sicher sei zudem, wie lange die Viren infektiös blieben, sobald sie im Freien mit Sauerstoff, Licht und Wärme in Berührung kommen. "Das Risiko wird jedoch im Zusammenhang mit der globalen Erwärmung steigen, wenn sich das Auftauen des Permafrosts weiter beschleunigt und mehr Menschen die Arktis im Zuge industrieller Unternehmungen besiedeln werden", heißt es in der Studie.

Lauterbach äußert sich zu Viren-Fund aus dem Eis

Auch Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach äußerte sich zu diesem Bericht: „Auch das ist ein Beispiel, wie wir die Kette erst Klimawandel, dann Zoonose, dann Ausbruch, dann Pandemie an uns heranziehen“, so der Minister auf Twitter.

Lesen Sie auch: Klimaaktivisten sorgen für Stau in Magdeburg

Der Permafrostboden bezeichnet einen Erdboden, der das ganze Jahr über gefroren ist. Abgekürzt wird auch von Permafrost gesprochen. Zu finden ist dieser in Gebieten, an denen es dauerhaft sehr kalt ist - also in der Arktis, in der Antarktis oder in deren Nähe. Diese Gebiete gehören zu den global vom Klimawandel am stärksten beeinflussten Regionen.