"Negerball"

"Negerball": Wie Facebook einem bayrischen Dorf Political Correctness beibringt

Raindorf - Das Jahr 2017, das Örtchen Raindorf, Landkreis Regen im Bayerischen Wald. Die Dritte-Welt-Runde KiRiKi, Gläubige aus den drei Pfarreien Kirchberg, Rinchnach und Kirchdorf (=KiRiKi). Wohltäter, die seit mehr als drei Jahrzehnten Projekte in Südamerika und Afrika unterstützen und über 250.000 Euro gesammelt ...

Von Bernhard Honnigfort 17.02.2017, 17:29
Ein Nickneger in der Krippe einer bayerischen Kirche. Heute gelten sie als rassistisch.
Ein Nickneger in der Krippe einer bayerischen Kirche. Heute gelten sie als rassistisch. imago stock&people

Das Jahr 2017, das Örtchen Raindorf, Landkreis Regen im Bayerischen Wald. Die Dritte-Welt-Runde KiRiKi, Gläubige aus den drei Pfarreien Kirchberg, Rinchnach und Kirchdorf (=KiRiKi). Wohltäter, die seit mehr als drei Jahrzehnten Projekte in Südamerika und Afrika unterstützen und über 250.000 Euro gesammelt haben.

Legendäre Faschingsparty sammelt Geld für Afrika

Hervorragende Menschen, die sich um ein Waisenhaus im bolivianischen Tarija kümmerten, Medikamente nach Uganda schickten, einer katholischen Missionsstation im Senegal halfen, im Natal nach Unwettern neue Hütten bauen ließen, Jugendheime in Mali und Kamerun förderten oder Straßenkinder in Äthiopien. Sie gaben Geld für die Elektrifizierung einer Wasserversorgung im südafrikanischen Mashabela und bezahlten ein Ultraschallgerät für eine Entbindungsstation in Duala in Kamerun. Gäbe es nicht KiRiKi, wer weiß, ob Pfarrer André im Kongo ein Auto hätte.

Um an Geld zu kommen, veranstalten die Herrschaften seit langer Zeit die legendäre Faschingsparty in Raindorf, den: „Negerball“. Heißt dort wirklich so. Ungelogen. Ein Faschingsball, 500 gut gelaunte und verkleidete Niederbayern, Bier und Sekt in Strömen. Das fing vor Jahrzehnten unter dem Namen „Jugend tanzt für Afrika“ an, aber wie es so ging: Zu sperrig. Es wurde der „Negerball“. Störte niemanden, war nie abfällig gemeint, war ja für einen guten Zweck. Böse Worte, gute Taten. Das hob sich irgendwie auf.

Und am Ende löschte Facebook „Negerball“

Raindorf im Bayerischen Wald ist im Facebook-Zeitalter angekommen. Der „Negerball“ schaffte es 2017 ins Netz, eine Frau sah das, ärgerte sich, nannte die Angelegenheit rassistisch, es ging hin und her, wie es eben so geht: Die einen jaulten auf gegen political correctness, die alles ersticke. Andere meinten: Bitte schön, was denn dabei sei, regt euch ab. Und am Ende löschte Facebook: „Negerball“.

Der „Negerball“, das muss man wissen, ist sehr beliebt in und um die KiRiKi-Pfarreien. Alle sind verkleidet, die Stimmung ist immer großartig. Einige sagen sogar, der „Negerball“ sei Kult. Und offensichtlich haben nur ganz, ganz, ganz wenige etwas am Titel auszusetzen, ist doch schließlich für eine gute Sache, auch wenn der Ausdruck beleidigend und herabsetzend ist. Es ist außerdem Fasching. Und Hauptsache das Geld stimmt.

Aber nun ist der Name weg. Von Facebook gelöscht. Was tun? Die Leute von KiRiKi sind nicht auf den Kopf gefallen. Sie haben dem „Negerball“ einen neuen Namen gegeben, einen der nicht rassistisch ist und sicher vor den Zugriffen Facebooks: „Negaball“.

Raindorf, 2017, ein Ort im Bayerischen Wald, wo man halt so redet, wie man redet. „Negaball“, Einlass ab 16 Jahre, Erlös der Bar für Kenia, Longdrinks: 3 Euro.