Grünes Herz Thüringen Kritik an Thüringer Werbeslogan: „Historisch belastet“
Thüringen verkauft sich nach außen gern als „Grünes Herz Deutschlands“. Dass auch die Nationalsozialisten diesen Begriff nutzten, macht ihn aus Sicht eines Historikers problematisch.

Erfurt - Der Historiker Jens-Christian Wagner kritisiert die Wiederbelebung des Thüringer Werbeslogans „Das grüne Herz Deutschlands“ durch die CDU-BSW-SPD-Landesregierung. Hintergrund ist nach einem Bericht des „Spiegel“ die Nutzung in der Zeit des Nationalsozialismus.
„Der Begriff ist historisch belastet“, sagte der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora dem Nachrichtenmagazin. „Als Slogan für ein modernes und weltoffenes Thüringen halte ich den Claim für ungeeignet.“
Die Wörter werden dem Heimatschriftsteller August Trinius (1851-1919) zugeschrieben. Er sei erstmals 1897 aufgetaucht und von der völkischen Bewegung in Deutschland aufgegriffen worden, wie der Spiegel unter Berufung auf den Historiker und früheren Leiter des Thüringischen Hauptstaatsarchivs, Bernhard Post, schreibt. Später hätten die Nationalsozialisten den Slogan übernommen und damit für Thüringen geworben. Es gebe beispielsweise in Archiven grüne Herzen aus Papier mit der Unterschrift des NSDAP-Ministerpräsidenten Willy Marschler, die an Gäste verschenkt worden seien.
Schon frühere Landesregierungen nutzten „Grünes Herz“
Mit der Marke hatte Thüringen bereits viele Jahre nach der Wiedervereinigung für sich geworben. Staatskanzleichef Stefan Gruhner (CDU) hatte kürzlich die Ergebnisse einer Studie vorgestellt, wonach 86 Prozent der befragten Thüringer den Slogan als positiv bewerten.
Er kündigte zugleich eine weitere Befragung in ganz Deutschland an, in der es darum gehen soll, was die Menschen mit dem grünen Herzen und mit Thüringen verbinden. Beide Umfragen sollen dann Grundlage für die Entwicklung einer neuen Thüringer Dachmarke sein.