„Handspiegel und Gleitgel“

„Handspiegel und Gleitgel“: Studenten streiten über Masturbationskurs für Frauen

Bielefeld - Die konservativen Studentenvertreter sind empört. Die Organisatoren betonen hingegen, mit dem Workshop aufklären zu wollen und einen Beitrag zur Wissenschaft zu leisten.

Masturbationskurs an der Uni? No-Go oder kein Problem?
Masturbationskurs an der Uni? No-Go oder kein Problem? imago stock&people

50 Jahre nach den Studentenrevolten der '68er wird in Deutschland wieder lauthals und öffentlich über Vaginas debattiert: An der Universität Bielefeld veranstaltet der Asta – der Allgemeine Studierendenausschuss – einen Masturbationskurs für Frauen.

Die Veranstaltung findet am Sonntag im Zuge der Aktionstage „Gesellschaft – Macht – Geschlecht“statt.

Laut Organisatoren besteht der Workshop mit dem Kampftitel „Möseale Ejakulation“ aus zwei Teilen: einem theoretischen und einem praktischen, in dem auch selbst „Hand angelegt“ werden soll.

Masturbationskurs für Frauen ist ausgebucht

Nur Frauen oder Transgender sind zugelassen, die (übrigens ausgebuchte) Veranstaltung findet an einem geheimen Ort statt, der den Teilnehmerinnen erst nach Anmeldung bekannt gegeben wird.

Im Gepäck sollten die Frauen einen Handspiegel, Handtuch und Gleitgel haben.

Ziel ist „in einem vertrauensvollen Rahmen die eigenen Möslichkeiten [sic!] zu entdecken und dabei die eigenen Bedürfnisse wahr- und ernstzunehmen.“

Kritik von konservativen Studenten an Masturbationskurs

Der konservative Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) Bielefeld ist empört über die Veranstaltung und kritisiert die „Missstände bei der Verwendung studentischer Gelder“. Über die Sinnhaftigkeit der Veranstaltung ließe sich laut RCDS streiten, „sie hat aber im universitären Umfeld nichts verloren.“

Die Organisatoren des Kurses sind anderer Meinung und stellen sarkastisch fest: Die CSU in Bayern mache es vor, „das Kreuz an der Wand und das großzügige Wegschauen (und das nicht eingestandene Mitmachen) bei Sexismus und Rassismus“ eigneten sich „viel eher“ als Grundlage, über Geschlechterverhältnisse und Sexualität zu sprechen.

Die Veranstalter betonen: „Der Workshop zur ,Mösealen Ejakulation' dient der Aufklärung (...) und versteht sich dabei durchaus als wissenschaftlich. Ihm liegt, wie allen unseren Veranstaltungen, das Anliegen zu Grunde, an bestehenden Verhältnissen und Praxen etwas zu verändern.“

Und die Universität Bielefeld? Sie nimmt „keine inhaltliche Bewertung“ vor und erlaubt studentische Veranstaltungen, solange nicht „gegen Gesetze verstoßen“ wird. Wer sich übrigens fragt, wo der Workshop stattfindet: „Für die Veranstaltung liegt keine Raumbuchung vor, sodass wir davon ausgehen, dass sie nicht in Räumlichkeiten der Universität stattfindet“, erklärt Pressesprecher Ingo Lohuis. (mz)