0340 Newsletter Dessau 20. Februar 2026 #138 Wenn aus einem erhobenen Zeigefinger ein Warnschuss wird, den man ernst nehmen sollte
Warum ein Dessauer Chancen auf den „Oscar“ hat - Was „Druschke“ in der Dessauer Innenstadt plant

über 50 Millionen Euro fehlen dem Dessau-Roßlauer Haushalt im Jahr 2026. Das Landesverwaltungsamt als Genehmigungsbehörde hat den Zeigefinger gehoben und maßvoll in dem lange erarbeiteten Papier herumgestrichen. Die Kreditaufnahme wurde reduziert, einige Verpflichtungsermächtigungen wurden gestrichen, eine Haushaltssperre wurde verordnet.
Der Beitrittsbeschluss zu der erlassenen Verfügung schien eine Formalie. Kein Stadtrat verzichtet freiwillig auf einen genehmigten Haushalt. Wenn der Haushaltsausschuss den Beschluss also durchfallen lässt, ist das mehr als ein Warnschuss.
In Dessau-Roßlaus Stadtpolitik geht es vergleichsweise harmonisch zu. Ja, es gibt immer mal wieder Streit. Ja, es gibt auch immer wieder Beiträge, die über das Ziel hinausschießen. Doch am Ende haben Verwaltung und Stadtrat immer wieder zueinander gefunden.
Vielleicht hat Oberbürgermeister Robert Reck das leichtsinnig werden lassen?

Vor ein paar Jahren ging es der Stadt noch vergleichsweise gut. Den Haushalt hatte man im Griff. Die Verschuldung war verschwindend gering. Finanzbürgermeisterin Sabrina Nußbeck hatte sich mit einem geordneten Haus in den Ruhestand verabschiedet. Die finanziell soliden Zeiten aber sind vorbei. Und die Stadträte fühlen sich bei den Folgen nicht mitgenommen und immer wieder vor vollendete Tatsachen gestellt. „Es geht nicht um eine Totalblockade“, versicherte Hendrik Weber (Bürgerliste) imHaushalt. „Lasst uns fair beieinandersitzen und mit uns reden.“
Mühlenstraße, DWG-Einlage, Buga: Die Streitthemen sind unterschiedlich und vielschichtig.
Bei der Mühlenstraße geht es stellvertretend um den Zustand vieler Vorort-Straßen. Da hat man oft Besserung versprochen, passiert ist nur wenig.
Bei der DWG gibt es ganz widerstrebende Interessen. Die einen nehmen Dessau-Roßlaus größten Vermieter in die Pflicht, weiter sozialverträgliche Mieten vorzuhalten. Die anderen wollen mit der DWG Stadtgestaltung machen. Beides zusammen ist schwierig. Um ersteres zu schaffen, fehlt bei dem zweiten dann das Geld. Es braucht einen Zuschuss.
Bei der Buga schließlich kommt alles zusammen. Da trifft das Heute auf das Morgen, die Realität auf die Zukunftsvision. Da treffen Sparzwänge auf ein Sparkonto, angelegt für ein Projekt in neun Jahren.
Robert Reck, der mit dem Stadtrat eher zu fremdeln scheint, ist da als Moderator gefragt. Ich wage eine Prognose: Der Stadtrat wird die Beitrittsverfügung zum Haushalt nächste Woche beschließen. Den Warnschuss sollte der Oberbürgermeister trotzdem ernst nehmen. Viele Grüße, Steffen Brachert
RÜCKBLICK
Dessauer der Woche
Die Nominierung lief um Mitternacht im Livestream und löste in Adelaide in Australien einen „Wirbelsturm“ aus. Freunde, Familie, Bekannte und ehemalige Kommilitonen meldeten sich per Telefon, erinnert sich Guido Wolter. Der Grund: Der 44-jährige Dessauer hat Chancen auf einen Oscar.
Als Visual Effects Supervisor hat Wolter am Film „Sinners“ von Ryan Coogler mitgewirkt und mit seiner Arbeit geholfen, dass sämtliche Illusionen auf der Leinwand echt wirken. „Wenn die visuellen Effekte gut gemacht sind, dann bekommt das keiner mit“, sagt er. So hat er mit seinem etwa 100-köpfigen Team geholfen, das Hauptdarsteller Michael B. Jordan – den es ja nur einmal gibt – im Film zweimal existiert. „Das ist eine absolute Teamleistung“, hebt Wolter hervor. Er habe als „Projektarchitekt“ das Projekt kreativ und technisch geleitet.

Der Film, der im vergangenen Jahr in den deutschen Kinos unter dem Titel „Blood und Sinners“ lief, hat als erster Film in der Oscar-Geschichte 16 Oscar-Nominierungen erhalten. Der Streifen gehört zu den erfolgreichsten Filmen seines Jahrgangs.
Doch wie kommt Guido Wolter dazu, an solch einem Film mitzuwirken? In Dessau ist er aufgewachsen, hat am Liboriusgymnasium im Jahr 2000 sein Abitur gemacht. „Dann bin ich direkt an die Bauhausuniversität nach Weimar, habe Mediengestaltung studiert“, hat er meiner MZ-Kollegin Heidi Thiemann erzählt. Als im Studium die Möglichkeit geboten wurde, ein halbes Jahr am College of Fine Arts in Sydney zu studieren, „habe ich mich in Australien verliebt“.
In Weimar hatte der Dessauer dann sein Diplom gemacht, hier seine aus Halle stammende Frau Juliane kennengelernt und ist mit ihr ausgewandert. Die Familie, zu der Tochter Matilda (11) und Sohn Jona (8) gehören, lebte erst in Sydney, zwischendurch in London und ist seit nunmehr neun Jahren in Adelaide zu Hause. Der Kontakt in die Heimat aber ist da: In Dessau leben seine Eltern Heike und Udo Wolter, in Leipzig seine Schwester Saskia, zu denen er engen Kontakt hält.
In der Filmbranche ist Wolter seit langem tätig, arbeitet als VFX Supervisor bei Rising Sun Pictures. Ob „The Great Gatsby“, „The Lego Movie“, „Star Wars Episode VIII“, „Tomb Raider“, „Elvis“ oder „Furiosa: A Mad Max Saga“ – er hat an vielen hochkarätigen Produktionen mitgewirkt. „Als mir Sinners angeboten wurde, da wusste ich noch nicht, wie groß der Film werden wird“, gibt der 44-Jährige zu, der „Sinners“ aber als Underdog sieht. Ob zurecht, wird sich am 15. März zeigen, wenn die „Oscars“ vergeben werden.
MZ-Geschichten der Woche
+++Philipp Druschke ist mit seinem vor zwei Jahren in der Dessauer Kavalierstraße eröffneten Outlet umgezogen. Warum es nun in direkter Nachbarschaft zu seinem Hochzeits- und Festhaus zu finden ist, was dort angeboten wird und was aus den früheren von Druschke genutzten Räumlichkeiten wird, das hat er meiner MZ-Kollegin Heidi Thiemann erzählt.

+++Hass und Hetze im Internet sind vielfach an der Tagesordnung. Das stellt auch die Dessau-Roßlauer Stadtverwaltung auf ihrer Facebook-Seite fest. Erste Städte in Deutschland ziehen im Hinblick auf Kommentare nun Konsequenzen - und schließen diese. Was macht die Doppelstadt? Das hat sich Heidi Thiemann erklären lassen.
+++Die Dessau-Roßlauer Solarparks waren in diesem Jahr bereits wochenlang unter einer dicken Schneeschicht begraben. Warum die PV-Anlagen nicht beräumt wurden und welchen Einfluss das auf die örtliche Stromversorgung hat, das wollte mein Kollegen Robert Horvath wissen.
+++Die Stiftung Bauhaus Dessau und die Volksbank Dessau-Anhalt haben am Mittwoch die Medaille „100 Jahre Bauhaus Dessau“ vorgestellt. Die ist in einer Auflage von 500 erschienen. Lohnt sich der Kauf? Das hat MZ-Kollege Thomas Steinberg Experten gefragt.
AUSBLICK
Fest und Bühne
+++Eine Woche des Abschieds und des Neuanfangs: Am Anhaltischen Theater sind am Freitag, 20. Februar, 18 Uhr, und am Sonntag, 22. Februar, 17 Uhr, mit „Divine Rhapsody“ und „Meisterklasse“ zwei Stücke zum letzten Mal zu sehen. Mit „Die Verwandlung“ bringt das Alte Theater am Freitag, 20. Februar, 20 Uhr, einen Klassiker auf die Bühne. Kurzentschlossene müssen sich gedulden. Das Kafka-Stück ist längst ausverkauft. Der nächste verfügbare Termin ist der 4. April.

+++Praktische Tipps zur Haltung und Pflege eines beziehungstauglichen Partners gibt es am Freitag, 20. Februar, 19 Uhr, im Mitteldeutschen Theater in Dessau, wenn „Cavewoman“ auf dem Spielplan steht. Cavewoman Heike, die Zukünftige von Tom, rechnet kurz vor ihrer Hochzeit in einer Solo-Show mit den selbsternannten „Herren der Schöpfung“ ab.
+++Bluesrudy, Bernd Kleinow & Henry Heggen stehen am Freitag, 20. Februar, 20 Uhr, auf der Bühne vom Café-Bistro im Bauhaus in der Gropiusallee. Los geht die „Bluesnacht“ um 20 Uhr.
+++Eine Formation der besonderen musikalischen Art kehrt am Samstag, 21. Februar, 19.30 Uhr, in die Villa „Krötenhof“ zurück. „Old Shoes & Smelly Socks“ gastieren dort zum wiederholten Mal. Die Band will bekannte Klassiker in ein völlig neues Licht rücken mit einer Mischung aus Swing, Funk, Soul und Rock.
+++Handball-Zweitligist Dessau-Roßlauer HV ist noch ungeschlagen in der Rückrunde, auch wenn man beim 33:33 gegen den VfL Potsdam vorigen Freitag einen Sieg liegen ließ. Am Sonntag, 22. Februar, 17 Uhr, geht es nun wieder in eigener Halle gegen den HSC Coburg. Der Tabellensiebte erwartet den Tabellenachten.
Topf und Pfanne
+++Das „Viki“, das neue Restaurant in der Dessauer Kavalierstraße, lädt am Freitag, 27. Februar, zu nächsten „Viki“-Night ein. Unter der Überschrift „Songs in anderem Gewand“ treten Heike und Axel Huth auf und werden von Andreas Groß am Piano begleitet. Los geht es 18.30 Uhr. Der Eintritt kostet zehn Euro. Reservierungen werden ab sofort entgegengenommen.
EINBLICK
Erfolgreichster Social Media Post der Woche
+++Der 19-jährige Damien aus Dessau-Roßlau hat die Schockdiagnose Krebs vor einigen Tagen erhalten. Nun hat seine Mutter einen Spendenaufruf gestartet. Der MZ-Bericht erreichte auf Facebook über 32.000 Personen.

Meist geklickter Text der Woche
+++Nachdem Konflikte an einer Dessauer Förderschule eskaliert sind, ist die Situation verfahren: Das Landesschulamt sieht die Vorwürfe „offensichtlich unbegründet“. Die Eltern fürchten weitere Übergriffe durch eine Pädagogische Mitarbeiterin. Was ist der Ausweg? Der Versuch einer Aufarbeitung interessierte viele Leser und hatte seit Sonnabend über 84.200 Aufrufe.
QUERBLICK
+++Sie sind technikbegeistert und haben Großes vor: Mehrere Senioren wollen im Technikmuseum „Hugo Junkers“ die historische Junkers J 6 nachbauen. Im Herbst soll alles fertig sein. Bis dahin müssen die Männer lernen, wie man vor über 100 Jahren Flugzeuge baute. Der MDR hat sich vor Ort umgeschaut.
+++Erstmals in Sachsen-Anhalt rückt die Reaktivierung einer stillgelegten Bahnverbindung für den Personenverkehr näher - die Strecke zwischen Stumsdorf und Bitterfeld, die dann in das S-Bahn-Netz integriert werden könnte. MZ-Kollege Alexander Schierholz hat in die Studie geschaut.
MZ-FOTO DER WOCHE

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