Transall-Landung

Transall-Landung: Die Polizei windet sich

Ballenstedt/MZ. - Beim missglückten Landeanflug einer Transall auf den Flugplatz Ballenstedt, der fast zu einem Unglück geführt hatte, hat offenbar die Polizei versagt. Wie Beatrix Mertens, Sprecherin der Polizeidirektion Nord, am Freitag einräumte, hätte die komplette Kreisstraße bis zum knapp zwei Kilometer entfernten Ort Badeborn für jeglichen Verkehr gesperrt sein müssen. So hat es das Landesverwaltungsamt in seiner Genehmigung der Transall-Landung vorgeschrieben, und so war es, wie Mertens bestätigt, auch zwischen dem Flugplatzbetreiber und der Polizei ...

Von Ingo Kugenbuch 19.10.2012, 19:37

Beim missglückten Landeanflug einer Transall auf den Flugplatz Ballenstedt, der fast zu einem Unglück geführt hatte, hat offenbar die Polizei versagt. Wie Beatrix Mertens, Sprecherin der Polizeidirektion Nord, am Freitag einräumte, hätte die komplette Kreisstraße bis zum knapp zwei Kilometer entfernten Ort Badeborn für jeglichen Verkehr gesperrt sein müssen. So hat es das Landesverwaltungsamt in seiner Genehmigung der Transall-Landung vorgeschrieben, und so war es, wie Mertens bestätigt, auch zwischen dem Flugplatzbetreiber und der Polizei abgesprochen.

Doch offenbar waren die elf Beamten entweder überfordert oder sie unterschätzten die Situation. Fakt ist: Auf der Straße standen viele Autos und zwei Dutzend Schaulustige, als der Hauptmann am Steuer der 30 Tonnen schweren Maschine viel zu früh - noch vor der Straße - aufsetzte und das Flugzeug zumindest auf einer Seite fast die Zuschauer berührte.

Der Pilot, nicht - wie von anderen Medien fälschlich gemeldet - eine Pilotin, sei irritiert gewesen, weil die Straße höher als die Landebahn liegt, vermuten die Experten des Landesverwaltungsamts. Dadurch habe er den Abstand zum Boden falsch eingeschätzt und sei früher als geplant aufgesetzt. Er war am Freitag zu keiner Stellungnahme bereit. Nach MZ-Informationen ist der Hauptmann aus Lauben im Allgäu ein erfahrener Flieger und hat schon mehr als 7 000 Flugstunden auf der Transall absolviert.

Derzeit untersucht die Luftwaffe, wie es zu diesem Vorfall kommen konnte. "Uns wurde versichert, dass die Straße frei ist", betont Sprecher Kai Gudenoge. Er wolle aber zunächst keine Vorwürfe an die Polizei richten. Die Schuldfrage müsse in der Untersuchung geklärt werden. Auch wenn die Absperrung offensichtlich unzureichend war, will Polizeisprecherin Mertens "keine Versäumnisse bei uns" erkennen. Stattdessen nimmt sie die Schaulustigen in die Verantwortung. "Es war nicht abzusehen, dass unvernünftige Personen den Sperrbereich verlassen."

Was für ein Zufall: Am Samstag trainiert der Landkreis auf dem Flugplatz Ballenstedt den Katastrophenfall - ein Kleinflugzeug, so das Szenario, ist auf einem Rummel in ein Riesenrad geflogen.