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Tödlicher Darmkrebs Tödlicher Darmkrebs: Sachsen-Anhalts Männer haben bundesweit höchste Sterberate

Von Bärbel Böttcher 27.01.2017, 02:00

Halle (Saale) - Die Sterblichkeit von Darmkrebs-Patienten ist unter sachsen-anhaltischen Männern bundesweit am höchsten. 2014 erlagen nach den Erhebungen der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland (Gekid) 507 Männer dieser Erkrankung. Das sind etwa 25 pro 100.000 Einwohner.

Darmkrebs ist in Sachsen-Anhalt die dritthäufigste krebsbedingte Todesursache

Der Bundesdurchschnitt liegt bei 21 Todesfällen. Die Frauen Sachsen-Anhalts finden sich dagegen im oberen Drittel der bundesweiten Vergleichstabelle wieder. 2014 starben 424 Frauen an einem Darm-Karzinom. Das waren rund 14 Fälle pro 100.000 Einwohner (bundesweit: 13 Fälle). Damit ist Darmkrebs in Sachsen-Anhalt die dritthäufigste krebsbedingte Todesursache - bei den Frauen nach Brust- und Lungenkrebs, bei den Männern nach Lungen- und Prostatakrebs.

Entgegen des bundesweiten Trends geht bei den Männern hierzulande auch die Zahl der jährlich diagnostizierten Neuerkrankungen an Darmkrebs nicht zurück. Sie liegt bei jährlich etwa 1 000 Fällen. Bei den Frauen gibt es dagegen eine leicht abnehmende Tendenz.

Ab 55 Jahren haben gesetzlich Krankenversicherte Anspruch auf Darmspiegelung

Wie lassen sich die Zahlen erklären? Das Robert Koch-Institut sieht einen Zusammenhang zwischen den bundesweit sinkenden Neuerkrankungszahlen und der 2002 etablierten Koloskopie (Darmspiegelung). Seit dieser Zeit haben gesetzlich Krankenversicherte ab einem Alter von 55 Jahren Anspruch auf eine solche Untersuchung. Dabei werden eventuell vorhandene Krebsvorstufen entfernt, so dass die Krankheit gar nicht erst entstehen kann.

Hans Lippert, der wissenschaftliche Leiter des An-Instituts für Qualitätssicherung in der operativen Medizin an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, sagt: „Darmkrebs ist der einzige Krebs, der durch Vorsorge verhindert werden kann.“ Jedoch nimmt seiner Aussage zufolge lediglich rund jeder Dritte der Berechtigten in Sachsen-Anhalt die Darmspiegelung in Anspruch. „Bei den etwas Älteren sind es sogar noch weniger“, sagt der Professor und Darmspezialist.

Sind sachsen-anhaltischen Männer Vorsorgemuffel?

Warum das so ist, untersucht das An-Institut gemeinsam mit „emeritio“, einem Zusammenschluss älterer Professoren. „Denn Sachsen-Anhalt muss von der hohen Zahl an Darmkrebs-Fällen runter“, betont Lippert. Und das sei möglich. Für die Wissenschaftler greift aber die gängige Erklärung, dass vor allem die sachsen-anhaltischen Männer Vorsorgemuffel seien, zu kurz. Zwar sind die Studien noch nicht abgeschlossen.

Aber erste Ergebnisse zeigen einerseits, dass es viel Unkenntnis über die Vorsorgemöglichkeiten gibt. Andererseits könnte auch die Infrastruktur eine Rolle spielen. So sei es offenbar vor allem für ältere Menschen auf dem Land oft schwierig, einen entsprechenden Arzt zu erreichen. Dies gilt besonders, wenn sie außerdem unter körperlichen Beschwerden leiden. Um das zu ändern, schwebt Lippert so etwas wie ein Fahrdienst vor, der Patienten zu den Untersuchungen bringt.

Zudem hält er es für sinnvoll, dass alle Anspruchsberechtigten ein schriftliche Einladung für eine Darmspiegelung erhalten. „Wenn wir die Zahl der Darmkrebserkrankungen reduzieren wollen, müssen wir in die Vorsorge investieren“, betont Lippert. Zudem müssten die Sachsen-Anhalter mehr über die Symptome einer Darmkrebs-Erkrankung aufgeklärt werden. (mz)