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Spitzenkandidaten zur Landtagswahl Spitzenkandidaten zur Landtagswahl: Ein Optimist sucht die Arbeit

Von Alexander Schierholz 19.02.2006, 19:49

Halle/MZ. - Ute Freudenberg sang Schlager. Cornelia Pieper war da. Und Hans-Joachim Otto, Chef des Kulturausschusses des Bundestags, auch. Mit Kulturschaffenden und Künstlern diskutierten die liberalen Bundespolitiker gestern in Halle über die Entwicklung der ostdeutschen Kulturlandschaft. Mit dabei im Steintor-Varieté: Karl-Heinz Paqué.

Für Sachsen-Anhalts Finanzminister und FDP-Spitzenkandidaten bei der Landtagswahl war die Runde in Halle ein eher ungewöhnlicher Termin. Im Kalender des 49-Jährigen finden sich meist Unternehmensbesuche und Diskussionsrunden zum Thema Wirtschaft. Einen "bürgernahen Wahlkampf" nennt das Paqué, der mehr auf Gespräche im kleinen Kreis setzt als auf Großveranstaltungen. Das mag zu tun haben mit seiner direkten Art. "Er hat Ahnung von dem, was er tut und kann auf Menschen zugehen", sagt ein Parteifreund.

Das tut der Volkswirtschaftsprofessor auch an diesem Abend in einem Quedlinburger Hotel. Zum "Kamingespräch" mit dem Vorsitzenden der FDP-Bundestagsfraktion, Wolfgang Gerhardt, sind rund 30 Mittelständler gekommen. Bei Häppchen und Sekt erklärt ihnen der Minister, warum die schwarz-gelbe Koalition unbedingt weiter regieren muss: Weil sie das Land vorangebracht habe.

Die Botschaft, die Paqué zu solchen Anlässen unters Volk bringt, lautet, in seinen Worten: Arbeit, Arbeit, Arbeit. Die schaffe der Mittelstand, deshalb müsse er unterstützt werden. Alles andere, meint Paqué, helfe dem Land nicht spürbar weiter. "Nehmen Sie die Kinderbetreuung", sagt er im Gespräch, "die ist gut, aber sie hält die Leute nicht hier." Das bewirkten nur feste Jobs. Manchmal scheint es so, als wolle er neue Arbeitsplätze geradezu heraufbeschwören: Dann ballt er beim Reden die Fäuste, reißt sie vor der Brust nach oben. Und stellt gerne den Vergleich mit Sachsen an: "Wenn man die Zeitungen aufschlägt, bekommt man immer den Eindruck, dort geht es so gut voran." Dabei sei Sachsen-Anhalt in den zurückliegenden Jahren "deutlich schneller" gewachsen. Und die Arbeitslosigkeit zwischen Arendsee und Zeitz sei die niedrigste seit zehn Jahren.

Das klingt ein wenig nach Pfeifen im Walde. Aber wenn man Paqué fragt, wie er die Stimmung einschätzt im Land, dann sagt er, er verspüre "einen anderen Geist" als noch vor ein paar Jahren. Eine Aufbruchstimmung? "Ja, doch", antwortet er nach kurzem Zögern. Sich selbst sieht der Wirtschaftsexperte als "optimistischen Realisten". Eine Haltung, die Parteifreunde an ihm schätzen. "Er verbreitet regelrecht Optimismus", sagt einer, der ihn länger kennt.

Karl-Heinz Paqué hat sich in seiner Partei rasch nach oben gearbeitet: Erst 1999 ist er der FDP beigetreten. Seit 2001 ist er Landes-Vize. Anfang vorigen Jahres einigte er sich mit seiner Rivalin Cornelia Pieper: Sie bleibt Landesvorsitzende. Er wird Spitzenkandidat. Was bleibt neben der Politik? Labrador-Hündin Nora, neun Jahre alt, fordert täglich ihr Recht. Die langen Spaziergänge mit ihr, auf den Magdeburger Elbwiesen oder in Parks, "sind der einzige Sport, den ich zurzeit treibe", räumt Paqué freimütig ein. Denn dann ist da noch das Engagement in diversen Stiftungen und bei den Rotariern. Und die Biografien berühmter Persönlichkeiten auf dem Nachtschrank: Friedrich der Große, Rathenau, Stresemann oder Napoleon.

Nach der Wahl will Paqué an der Seite von Wolfgang Böhmer weitermachen. Mit dem Regierungschef kann er gut: "Ich schätze seine Effizienz." Nur die Sache mit der Mehrwertsteuer gefällt dem Finanzminister nicht - dass Böhmer, der lange als Befürworter einer Erhöhung galt, sich Ende Januar in einem Interview zweifelnd äußerte, um zwei Tage später zu verkünden, er sei missverstanden worden. "Die CDU wackelt", ruft Paqué den Mittelständlern im Harz zu, "sie braucht einen stabilen Partner." Ob die Liberalen diesen Part übernehmen können? In der jüngsten Umfrage liegen sie bei gerade mal sechs Prozent, nachdem sie bei der Landtagswahl 2002 über 13 Prozent eingefahren hatten. Für den 26. März hofft der Spitzenkandidat auf "zehn plus x".

Und wie ist das nun mit der Mehrwertsteuer-Erhöhung? Paqué wird nicht müde, sie abzulehnen. Er warnt vor sinkender Kaufkraft, das werde Arbeitsplätze kosten. Sollte der Satz aber doch angehoben werden, "dann werde ich dafür sorgen, dass Sachsen-Anhalt seinen Anteil davon bekommt". Das sei er den Menschen im Land schuldig. Diese Botschaft wird er wohl auch heute wieder verkünden. Beim Besuch eines Porzellan-Werkes in Annaburg. Oder beim "Wahl-Talk" der Wirtschaftsjunioren in Halle. Und Ute Freudenberg hat er dabei ganz sicher noch im Ohr.