Songwriter Robert Carl Blank

Songwriter Robert Carl Blank: Springer ohne Schirm

Nach der Show streckt er die langen Beine aus. Ein Bier und ran an den Tisch, an dem die Leute sitzen, die ihm eben noch gebannt zugehört haben. Robert Carl Blank ist keiner der abgehobenen Künstlerdarsteller, die nach einem Auftritt allenfalls zum Meet&Greet eines Radiosenders noch am Merchandisingstand auftauchen. Blank, als Sohn einer tschechischen Familie in Frankfurt geboren und heute überzeugter Hamburger, lebt Rockmusik von unten, in kleinen Hallen und Klubs, auf einer endlosen Tour, die er selbst zusammengestellt ...

Von Steffen Könau 15.02.2015, 08:08

Nach der Show streckt er die langen Beine aus. Ein Bier und ran an den Tisch, an dem die Leute sitzen, die ihm eben noch gebannt zugehört haben. Robert Carl Blank ist keiner der abgehobenen Künstlerdarsteller, die nach einem Auftritt allenfalls zum Meet&Greet eines Radiosenders noch am Merchandisingstand auftauchen. Blank, als Sohn einer tschechischen Familie in Frankfurt geboren und heute überzeugter Hamburger, lebt Rockmusik von unten, in kleinen Hallen und Klubs, auf einer endlosen Tour, die er selbst zusammengestellt hat.

Der 39-Jährige würde es nicht anders wollen. Neben der Musik war es vor allem die Freiheit, sein eigener Herr sein zu können, die Blank vor 15 Jahren dazu trieb, seine damalige Band zu verlassen. Obwohl die doch gerade mit Edo Zanki zusammen ein Debütalbum eingespielt und im Vorprogramm von Stars wie Elton John und Eros Ramazzotti geglänzt hatte.

In wildfremden Pubs, vor wildfremden Leuten

Blank, begeistert von der Konsequenz des Alt-Bluesmeisters Carl Weathersby, den er auf Tour begleitet hatte, ging trotzdem nach Australien, um von vorn anzufangen. Das Studium beendet, fing das Studieren jetzt erst an: Nur mit seiner Gitarre bewaffnet, steht der großgewachsene Fan von Frank Zappa und B.B. King allein in wildfremden Pubs, vor wildfremden Leuten, und muss zeigen, dass er sie einen Abend lang unterhalten kann.

Eine Herausforderung, die Robert Carl Blank inzwischen ein paar hundert Mal im Jahr meistert. Wenn der ruhelose Reisende in Sachen Musik nicht gerade irgendwo Konzerte gibt, ist er bestimmt auf dem Weg zu irgendeinem abgelegenen Feldflugplatz oder einem Parachute-Festival, um dort seiner zweiten großen Leidenschaft zu frönen - dem Fallschirmspringen.

„Room for Giants“, Blank drittes Soloalbum, erzählt vor dem Spiegel dieser beiden Passionen von einem Leben, das nicht auf die Erfüllung ganz großen Rock’n’Roll-Traums mit Stadien, Millionen und Limousinen warten will. „Schlaf, und wenn du wach wirst, bist du der König des Rock’n’Roll“, singt Blank ein fröhliches Klagelied über Verführung und Enttäuschung im Musikgeschäft. Es ist Arbeit am Ende, lange Wege, Straßen, kleine, kalte Hotelzimmer, die die Seele nicht wärmen können. Das tun nur Applaus und Gespräche, die später wieder zu Liedern wie „Staring at the sun“ oder „I dont wanna lose my head“ werden.

Die hat Robert Carl Blank hier rockiger und poppiger arrangiert als zuletzt auf seinem Album „Last time I saw Dave“, das noch von Folkklängen dominiert war. Wie ein warmer Mantel wirken die Songs, die stilistisch irgendwo zwischen Jason Mraz, John Mayer und James Blunt angesiedelt sind.

Zwei Jahre von der Produktion bis zum Erscheinen des Albums

Berühmte, weltweit erfolgreiche Kollegen, die Blank weder die besseren Stücke noch die bessere Stimme noch die bessere Bühnenshow voraus haben. „Giants“, hier wohl so etwas wie der Titelsong, kombiniert Zupfgitarre und Hauchgesang, „Spiderhead“ beginnt mit Glöckchenklang und endet in einer Melodie, auf die Coldplay neidisch wären. Doch wie schwer der Weg ist, solche Musik heutzutage nicht nur live zu spielen, wo sie begeisterten Zuspruch erfährt, sondern auch auf CD zu pressen, zeigt der Umstand, dass es von der Produktion im ehemaligen Studio von Udo Lindenberg bis zum Erscheinen des Albums zwei Jahre dauerte.

Genug Zeit, viel Straße zu sehen, viele Kneipen, Klubs und Pubs zu erleben. Unterwegs hat Blank Trennungslieder wie „Lately“ geschrieben und mit „Parachutes“ einen Rocksong entworfen, der das Thema Fallschirmspringen in eine Beziehungshymne übersetzt. „Ich bin Dein Fallschirm“, verspricht der Mann, der seinen Weg ohne geht. „Ich hoffe, da ist ein Platz, an den ich gehöre“, singt er allein mit der Gitarre und etwas Schlagzeug, beleuchtet vom Sonnenuntergang in Sevilla. Klingt, als könnte dieser Platz genau dort sein. (mz)

Direkt zum Künstler:

www.robertcarlblank.de

www.soundcloud.com/robertcarlblank