Die Grill-Ninjas kommen

Wie Hoymer Grundschülern auf ungewöhnliche Art gesunde Ernährung schmackhaft gemacht werden soll

Es wird geschnippelt, gegrillt, gebacken - und es duftet einfach nach Sommer, Sonne, Wochenende.

Von Regine Lotzmann
Die Grill-Ninjas wollen zeigen, dass gesunde Ernährung cool sein kann und touren mit ihrem Angebot durch Schulen, wie hier in Hoym.
Die Grill-Ninjas wollen zeigen, dass gesunde Ernährung cool sein kann und touren mit ihrem Angebot durch Schulen, wie hier in Hoym. Fotos (5): Regine Lotzmann

Hoym/MZ - Nein, nach Unterricht sieht das nicht aus: Auf dem Pausenhof der Hoymer Grundschule „Prinzenhaus“ sind verschiedene Profi-Grills aufgebaut.

Dazu ein schwarzes Zelt, auf dem in Neon-Farben der Aufdruck Grill-Ninjas prangt. Es wird geschnippelt, gegrillt, gebacken - und es duftet einfach nach Sommer, Sonne, Wochenende. „Grillen klingt erst einmal so banal“, sagt Mario Bergmann. „Ist es aber nicht“, weiß der Erfinder der Grill-Ninjas und Vorstandsvorsitzender der dazugehörigen gemeinnützigen Initiative der freien Kinder- und Jugendhilfe. Das inzwischen auf über 30 Freiwillige angewachsene Team will damit nach einem Pilotprojekt im Jahr 2019 vor allem Knirpsen und Jugendlichen in Kindergärten und Schulen, aber auch Bewohnern von Behinderteneinrichtungen bundesweit zeigen, wie cool gesundes Essen sein kann.

„Grillen ist irgendwie wie Fußball - jeder kennt es, es ist (fast) überall möglich“

„Und Grillen ist irgendwie wie Fußball - jeder kennt es, es ist (fast) überall möglich“, vergleicht Bergmann, dessen Kinder beide im Grundschulalter sind, bei der Zubereitung der Mahlzeiten helfen, einfach gern Gemüse und Obst essen. Im Gegensatz zu Besucherkindern, die oft nur Nutella-Schnitten mögen. „Dann schnippeln sie bei uns mit und merken am Ende, es schmeckt ja doch“, nennt er den Moment, wo ihm die Idee für das ungewöhnliche Grill-Projekt kam. Denn eine Milchschnitte als gesundes Frühstück für die Schule, das will Bergmann nicht gelten lassen.

Grillmeister Hakem Husein liebt das Zubereiten von leckeren Speisen - auch am Grill.
Grillmeister Hakem Husein liebt das Zubereiten von leckeren Speisen - auch am Grill.
Foto: Regine Lotzmann

Und so ist er derzeit mit seinem Team im Salzlandkreis auf Tour. In Hoym in der Grundschule und der Schloß Hoym Stiftung. Dann in Aschersleben in der Pestalozzi-Schule, in Bernburg, Meisdorf und Könnern. Möglich ist das durch die Salzlandsparkasse, die das Projekt finanziert. „Weil wir Nachhaltigkeit unterstützen und es gut finden, wenn schon Kinder an gesunde Ernährung herangeführt werden“, erklärt Susanne Rostalski von der Salzlandsparkasse, die den Einsatz der Grill-Ninjas im Salzlandkreis koordiniert.

Die Kinder spitzen Rosmarinzweige an, auf denen Hähnchenfleisch aufgespießt wird.
Die Kinder spitzen Rosmarinzweige an, auf denen Hähnchenfleisch aufgespießt wird.
Regine Lotzmann

In die Grillkunst eingewiesen

In Hoym weist Grillmeister Hakem Husein die Zweitklässler von Klassenlehrer Carsten Felsmann in die Grillkunst ein. Einige der Mädchen spitzen Rosmarinzweige an und spießen Hähnchenfleisch darauf auf. „Noch ein bisschen Öl darauf, ein paar Gewürze - damit es nach etwas schmeckt“, sagt der Grillchef. Der hat eigentlich den Beruf des Fotografen gelernt. Doch das Kochen lag bei ihm in der Familie. „Mein Opa war Koch, meine beiden Onkels sind es, mein Bruder...“, zählt er auf. Das Grillen betreibt er hobbymäßig seit 2013, seit 2016 professionell. Husein bietet Catering und Seminare an. „Und ich finde das Projekt ziemlich cool“, erklärt er, warum er die Grill-Ninjas gern unterstützt.

Pria ist für den Nachtisch zuständig und schnippelt  gekonnt duftende Nektarinen klein.
Pria ist für den Nachtisch zuständig und schnippelt gekonnt duftende Nektarinen klein.
Regine Lotzmann

„Damit wir alle mitnehmen können, benutzen wir übrigens kein Schweinefleisch“, denkt Mario Bergmann auch an muslimische Kinder. Hakem Husein haut aber neben Hühner- und Rindfleisch auch ganz viel Gemüse und Obst auf den Grill. Da gibt es Pilze, Möhren und Paprika, Frühlingszwiebeln, Nektarinen und Ingwer. Und das Grüne da? Das sind Zuckerschoten. „Manche Kinder wissen nicht einmal, was eine Zucchini ist“, wirft Bergmann ein und findet etwa die Grillspieße mit Würstchen, Paprika und Brot nicht nur lecker, sondern auch eine gute Alternative zum profanen Grillwürstchen. „Da werden aus einer Wurst drei Portionen und der Fleischkonsum ist gedrittelt.“ Denn natürlich werden alle Zutaten veredelt. Es stehen Flammkuchen und Wok-Gemüse mit Rindfleisch auf der Speisekarte, die Würstchenspieße und Hähnchen auf Couscous. Dazu ein Früchtecrumble mit selbstgemachtem Mango-Eis.

Hier wird der Teig für den Flammkuchen angerührt.
Hier wird der Teig für den Flammkuchen angerührt.
Regine Lotzmann

Und die Kinder machen alles selbst. „Ihr habt die scharfen Messer in der Hand und steht mit der Zange am heißen Grill - also aufpassen“, sagt Bergmann. Der ist übrigens gerade dabei, gemeinsam mit seinem Team und dem Bundesfamilienministerium ein Pilotprojekt zu entwickeln. Dabei geht es darum, Arbeitsgemeinschaften in Schulen zu schaffen, in denen es um gesunde Ernährung geht.

Ein Jahr lang will die Initiative die Klassen begleiten, die sollen es dann später an die Jüngeren weitergeben. „Die Kinder werden sozusagen unsere Botschafter.“ Dazu würden kleine Schulgärten in umgebauten Containern angelegt. „Das wird eine runde Geschichte. Denn wir wollen nachhaltig sein“, sagt Bergmann, der am Grill-Projekt auch die Zusammenarbeit der Kinder und die Gespräche mag.

„Denn es geht nicht nur um eine Veranstaltung. Wir wollen prägen!“ Und so seien solche Grill-Aktionen wie die auf dem Hoymer Schulhof eben nur ein Highlight, das Schmackhaftmachen von Gesundem gehe weiter.